# taz.de -- #MeToo-Fall in Indien: Kampf auf der Matte – und gegen das System
       
       > Die Ringerin Vinesh Phogat stellt sich gegen die Machtstrukturen im
       > indischen Sport – und bringt einen Skandal zurück in die Öffentlichkeit.
       
 (IMG) Bild: Vinesh Phogat bei den Olympischen Spielen in Paris 2024
       
       Zuletzt war es etwas still geworden um die indische Freistil-Ringerin
       Vinesh Phogat. Dabei hat die heute 31-Jährige vieles angeprangert, was in
       ihrer Disziplin in Indien falsch läuft und damit für Wirbel gesorgt: Phogat
       wurde 2023 zu einer der Stimmen der viermonatigen Protestbewegung von
       Ringer:innen, die gegen Machtmissbrauch aufstanden.
       
       Die Sportler:innen wollten vor allem einen Wechsel an der Spitze des
       nationalen Ringerverbands WFI erreichen: Der mächtige Präsident Brij
       Bhushan Sharan Singh sollte abtreten. Nun machte Phogat einen weiteren
       Schritt und gab öffentlich bekannt, dass sie zu den Sportlerinnen gehört,
       die den ehemaligen Wrestling-Funktionär und Politiker der
       hindunationalistischen Regierungspartei BJP wegen sexueller Belästigung
       beschuldigt hatten: Sie sei „eine der sechs Betroffenen“, die Anzeige
       erstattet hätten, sagte Phogat in einem [1][Video], das sie kürzlich online
       geteilt hat.
       
       Nach einer sportlichen Auszeit – sie wurde im vergangenen Jahr Mutter und
       ist inzwischen als Abgeordnete in ihrem [2][Heimatbundesstaat politisch
       tätig] – widmet sich Phogat wieder intensiver dem Ringsport, wie sie
       verkündet. Sie spricht in ihrer Videobotschaft darüber, warum sie diesen
       Schritt geht: Singhs Einfluss im Verband sei ungebrochen.
       
       Nachdem Phogat damals die Vorwürfe gegen Singh erhoben hatte, musste dieser
       zwar seinen Posten als Präsident des Verbandes nach über zehn Jahren
       räumen. Der Fall kam [3][vor Gericht], doch danach passierte nicht viel.
       „Die Anhörungen laufen noch“, sagt sie.
       
       ## Den Machterhalt der Familie gesichert
       
       Gegen Singh gab es in der Vergangenheit bereits [4][zahlreiche Anklagen.]
       Sie reichen von Diebstahl und Einschüchterung über Korruption bis hin zu
       Totschlag. Inzwischen ist er kein Mitglied des indischen Parlaments mehr.
       Seine sechste Amtszeit endete 2024. Aber nach dem Skandal trat sein Sohn
       Karan Bhushan Singh (ebenfalls BJP) an seiner Stelle bei den
       Parlamentswahlen an und sicherte mit seinem Sieg den Machterhalt der
       Familie.
       
       Mit Sanjay Singh als neuem WFI-Präsidenten wiederum rückte ein Mann nach,
       der seinem Vorgänger Brij Bhushan Sharan Singh nahesteht. Dieser
       versicherte Phogat nach der Veröffentlichung des Videos, das den
       Ex-Präsidenten des sexuellen Übergriffs bezichtigt, persönliche
       Unversehrtheit.
       
       Doch der neue Mann an der Spitze des WFI war weder für Phogat noch für die
       anderen protestierenden Ringer:innen, darunter die
       [5][Olympiamedaillengewinnerin Sakshi Malik,] ein Zeichen für einen
       Neuanfang. 2024 fasste Phogat den Entschluss, mehr zu tun, als zu
       protestieren: Sie kandidierte erfolgreich für die Kongresspartei im
       Landesparlament von Haryana.
       
       ## 100 Gramm zu viel bei Olympia 2024
       
       Auf lokaler Ebene engagiert sie sich nun dafür, die Sportinfrastruktur zu
       verbessern. Phogat, die in einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kommt zwar
       aus einer der bekannten Ringerfamilien und schaffte es bisher dreimal zu
       [6][Olympia] – doch das half ihr nicht unbedingt dabei, sich auch gegen
       bestehende Machtstrukturen durchzusetzen. Bei den [7][Olympischen Spielen
       2024] in Frankreich wurde sie wegen 100 Gramm zu viel in ihrer
       Gewichtsklasse disqualifiziert. Warum, [8][blieb unklar]. Es gab
       Spekulationen, ihr Essensplan sei manipuliert worden. Sie wolle es [9][2028
       bei Olympia] noch einmal versuchen, sagt Phogat heute.
       
       Ebenfalls teilnehmen will sie an einem Turnier, das allerdings derzeit im
       privaten [10][College] von Ex-WFI-Präsident Singh stattfinden soll. Phogat
       äußert deshalb Zweifel an der Fairness des Wettbewerbs. Rückendeckung
       erhält sie aus ihrer Partei. Was Phogat in jedem Fall schon erreicht hat:
       Sie hat der #MeToo-Bewegung im indischen Sport neuen Aufwind beschert.
       
       5 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/phogat_vinesh/status/2050834769991385231?s=46&t=lvjJNiNkApAnss-wx8XQHw
 (DIR) [2] /Von-der-Matte-in-den-Wahlkampf/!6032599
 (DIR) [3] https://www.thehindu.com/news/national/wrestlers-sexual-harassment-case-delhi-court-orders-framing-of-charges-against-brij-bhushan-singh/article68161433.ece
 (DIR) [4] https://theprint.in/india/history-sheeter-with-no-convictions-muscle-power-the-alleged-crimes-of-brij-bhushan/1559187/
 (DIR) [5] /Missbrauch-im-indischen-Ringerverband/!5979558
 (DIR) [6] https://olympics.com/en/athletes/vinesh-phogat
 (DIR) [7] /Olympia-Aus-fuer-indische-Ringerin/!6028837
 (DIR) [8] https://www.livemint.com/sports/news/vinesh-phogat-disqualified-conspiracy-charges-slugfest-who-to-blame-for-wrestler-being-overweight-before-final-11723035201738.html
 (DIR) [9] https://www.olympics.com/en/news/vinesh-phogat-retirement-india-wrestling-comeback
 (DIR) [10] https://x.com/TheKhelIndia/status/2050850502016160056
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Natalie Mayroth
       
       ## TAGS
       
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