# taz.de -- Zweidrittel FM: Podcast aus der JSA: Jetzt sprechen die Knackis
> Im Podcast aus der Jugendstrafanstalt berichten Insassen von ihrem
> Alltag, um Vorurteile aufzubrechen. Das Projekt kämpft derweil um die
> Finanzierung.
(IMG) Bild: Zweidrittel FM: Insassen erzählen, wie es sich hinter Gittern wirklich lebt
„Einmal Knacki, immer Knacki!“ oder „aus dem wird sowieso nichts“ – so,
glauben Insassen der Berliner Jugendstrafanstalt (JSA), sehen viele
Menschen sie draußen. Das Problem: „Niemand macht sich Gedanken darüber, in
welchen Verhältnissen und Strukturen wir groß geworden sind“, sagt ein
Insasse der taz.
Er ist Teil des sechsköpfigen Redaktionsteams von [1][„Zweidrittel FM“, dem
Podcast aus der JSA.] Derzeit besteht er aus den Insassen Yilo, Kalle,
Dayo, Emo, Sac und Grau. Ziel des Projekts ist es, mit gängigen Klischees
zu brechen und den Insassen eine Stimme zu geben, um ihre Gefühle und
Gedanken mit der Außenwelt zu teilen. „Wir wollen zeigen, dass wir nicht
nur asoziale oder möchtegern-Gangster, sondern, dass wir auch Menschen
sind“, sagt Lucky im Podcast.
In Zweidrittel FM – benannt nach der Zweidrittelstrafe, dem
frühestmöglichen Entlassungszeitpunkt – sprechen die jungen Männer in vier
Staffeln über ihren Alltag hinter Gittern: über Einsamkeit, Freundschaften,
Feiertage im Knast oder darüber, dass viele in den ersten Wochen nur mit
Schlaftabletten schlafen können. Sie berichten von Rassismuserfahrungen und
reflektieren eigenen Vorurteile – häufig im Austausch mit Gästen:
Polizisten, Justizbeamten, oder Rappern, wie dem Südneuköllner Luvre47. In
einer anderen Folge diskutieren die Insassen mit einem Verein, der
Täter-Opfer-Begegnungen organisiert, darüber, wie Wiedergutmachung aussehen
kann. Ergänzt wird jede Folge durch Songs, die im Gefängnis entstanden
sind.
[2][„Ich möchte gerne eine Stimme nach draußen für meine Mitinsassen im
Haus sein“], sagt ein Redaktionsmitglied der taz. Insassen,
Projektleiter*innen Birgit Lang und Musikcoach Jörn Hedtke sind sich
einig: Der Jugendknast werde in der Öffentlichkeit falsch dargestellt.
Besonders das Klischee, dass im Gefängnis nur „Gangster-Rap“ entstehen
könne, sei verkürzt, so Hedtke. Die Männer hätten es nicht nötig, mit ihren
Straftaten anzugeben, sondern würden in ihren Texten ihren Weg in die
Kriminalität zeigen, ohne ihn zu beschönigen oder verherrlichen. „Die Texte
zeigen sehr eindringlich, welche Verantwortung auch wir als Gesellschaft
für diese jungen Menschen tragen“, so der Musikcoach.
## Resozialisierung neu denken
Auch Fragen wie diese diskutieren die Häftlinge im Podcast, etwa: Ist es
richtig, junge Menschen mit Haft zu bestrafen, oder muss Resozialisierung
neu gedacht werden? Was sie gebraucht hätten, um nicht in die Delinquenz zu
geraten: „Bessere Schulbildung, einen Freundeskreis, der nicht kriminell
ist, Sport als Ventil und die Möglichkeit, in der Schule zu lernen, wie man
sein Leben selbst finanzieren kann“, sagt ein Insasse der taz.
Schulleiterin Birgit Lang kritisiert: Häufig fehle es an pädagogischen
Angeboten in Schule und Jugendarbeit, sowie an [3][sicheren Orten, in denen
sich Jugendliche ausprobieren und ihre Potenziale entfalten] könnten. Das
Problem: „Das kostet leider alles sehr viel Geld, das momentan immer
weniger zur Verfügung steht.“
Das spürt auch Zweidrittel FM. Das Projekt, getragen vom Verein „no
boundaries“, wurde zu Beginn 2021 zunächst über Landesfonds und später
durch die Justizsenatsverwaltung finanziert. Seit ihnen 2024 die Mittel
gekürzt sind, sind sie auf private Spenden angewiesen.
5 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://zweidrittelfm.com/
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## AUTOREN
(DIR) Lilly Schröder
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