# taz.de -- Männer-Demo gegen Gewalt gegen Frauen: Unlearning Herrentag
> Als Mann Verantwortung übernehmen für die Taten von Männern. Das fordert
> ein Bündnis und ruft zum Vatertag in Berlin zur Demo „Männer gegen
> Gewalt“ auf.
(IMG) Bild: Demonstration gegen strukturelle Gewalt an Frauen, in München, am 29.3.2026
Männerhorden, die mit Bollerwagen und viel Alkohol laut durch die Straßen
ziehen – das ist das Bild, das man vom Vatertag hat, auch „Herrentag“ oder
„Männertag“ genannt. Doch am 14. Mai, wenn der arbeitsfreie Donnerstag
eigentlich auf Christi Himmelfahrt zurückgeht – ein Datum, das historisch
für Besinnung stand, heute aber oft im alkoholisierten Gegröle versinkt –,
soll es in Berlin einen Ort geben, an dem alles anders ist. Aktivisten
wollen [1][mit der Demonstration „Männer gegen Gewalt“] ein Zeichen setzen
gegen (sexualisierte) Gewalt an Frauen und für mehr Verantwortung von
Männern.
Die Mitorganisatoren Nick und Fritz, die nur beim Vornamen genannt werden
wollen, wählen das Datum als Gegenentwurf zur machistischen Feierkultur,
sie wollen öffentlichen Raum an prominenter Stelle einnehmen und für die
Auseinandersetzung mit dem Thema nutzen.
„Gerade in Zeiten von [2][Epstein], [3][Pélicot] oder [4][Ulmen] wirkt es
absurd, Männlichkeit oder ‚Herren‘ einfach unkritisch zu feiern“, sagt
Nick. Die Initiative entstand aus einem Unbehagen darüber, dass Männer sich
bislang zu wenig sichtbar gegen sexualisierte Gewalt positionieren. Aus
Gesprächen im Umfeld, Erfahrungen aus feministischen Kontexten und
aktuellen Debatten – etwa rund um Proteste im Zusammenhang mit dem Fall
Ulmen/Fernandes – entwickelte sich das Bedürfnis, aktiv zu werden und eine
eigene Plattform zu schaffen.
Dabei geht es nicht nur um politische Forderungen, sondern auch um
persönliche und gesellschaftliche Veränderung. Die Organisatoren betonen,
dass diese Arbeit nicht länger allein bei [5][FLINTA]*-Personen liegen
darf, sondern als Aufgabe von Männern begriffen werden muss. Neben
Redebeiträgen zu Präventionsarbeit, Manosphere oder kritischer Männlichkeit
wird es bei der All-Gender-Demo auch Musikprogramm geben.
## Verantwortung auf drei Ebenen
Als Mann, sagen die Organisatoren, könne man auf drei Ebenen Verantwortung
übernehmen: erstens individuell, im Sinne eines Unlearning von sexistischen
Mustern, die alle in einer sexistischen Gesellschaft erlernt hätten.
Zweitens als Verantwortung unter Männern, die nicht nur bedeute, selbst
kein Täter zu sein, sondern sich aktiv gegenseitig in die Verantwortung zu
nehmen, Gespräche zu führen und das eigene Umfeld kritisch zu reflektieren.
Und drittens auf gesellschaftlicher Ebene, etwa durch strukturelle
[6][Veränderungen in Justiz, Polizei, Bildung und Prävention]. Diese
Forderungen sind von diversen feministischen Initiativen formuliert worden,
denen sich die Gruppe anschließt.
Zentral ist für sie der Gedanke: „Nur wenn es keine Täter gibt, wird es
auch keine Betroffenen mehr geben.“ Diese Verantwortung könne nur von
Männern mitgetragen werden, da sie statistisch überwiegend die Täter sind.
Ziel sei es, Männlichkeit aus der passiven Zuschauerrolle zu holen und eine
Bewegung zu etablieren, die patriarchale Gewalt dort thematisiert, wo sie
entsteht – unter Männern.
13 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DXpOd64CtYB/?img_index=1
(DIR) [2] /Was-die-juengsten-Epstein-Files-zeigen/!6157403
(DIR) [3] /Gisele-Pelicot-und-die-Nachwirkungen/!6153047
(DIR) [4] /Juristin-ueber-Deepfakes/!6166462
(DIR) [5] /Alternativen-zum-Patriarchat/!6153179
(DIR) [6] /EVP-Abgeordnete-zu-Nur-Ja-heisst-Ja/!6176427
## AUTOREN
(DIR) Lilli Messer
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