# taz.de -- Berlin bekommt Black Communitys Zentrum: Ein Haus, das die Stadt verändern wird
> Das erste deutsche Black Communitys Zentrum entsteht im Wedding. Seine
> Aufgaben sind groß, denn in puncto anti-Schwarzer Rassismus bleibt viel
> zu tun.
(IMG) Bild: Maisha M. Auma sieht den Kampf gegen Anti-Schwarzen Rassismus gerade in der gesellschaftspolitischen Defensive
Gleich zwei Neuigkeiten hat die Senatorin für Antidiskriminierung Cansel
Kiziltepe (SPD) an diesem Mittwoch zu verkünden: zum einen die feierliche
Eröffnung des bundesweit ersten Hauses für Schwarze Communitys. Das „CUZ
Community Zentrum“ für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen
liegt im Wedding und besteht aus einer dreistöckigen Remise im Hinterhof
einer Straße im Afrikanischen Viertel. Es soll ein Ort für Begegnung,
Austausch, Beratung und Bildung werden und einen Beitrag leisten zur
Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands sowie
aktuellen Formen von Rassismus.
Ein besonderer Tag sei dies für Berlin, sagt Kiziltepe, denn „nun gibt es
einen Ort, der lange überfällig war“, weil die Perspektiven Schwarzer
Menschen zwar schon lange zur Stadt gehörten, „aber viel zu lange nicht
gehört wurden“.
Die andere Neuigkeit ist damit verbunden: Zum ersten Mal, so Kiziltepe,
habe man mit staatlichen Geldern für einen zivilgesellschaftlichen Träger
eine Immobilie gekauft. 10,5 Millionen Euro haben Berlin, der Bund und die
Lottostiftung auf den Tisch gelegt, der Verein EOTO (Each One Teach One)
wird das CUZ tragen und organisieren.
Der Hauskauf habe gerade „zur richtigen Zeit“ geklappt, freute sich Lina
Mitschke, Geschäftsführerin von EOTO, denn Diskriminierungen und Gewalt,
denen Schwarze Menschen und Organisationen ausgesetzt sind, nähmen zu. „Die
Beiträge Schwarzer Menschen zur demokratischen Gesellschaft sind
mannigfaltig, aber oft ungehört.“ Dies Haus sei auch eine Anerkennung der
Rolle Schwarzer Communitys in Deutschland.
[1][Schon lange hatte EOTO von so einem Zentrum in Berlin geträumt, unter
Rot-Grün-Rot waren 2022 erste Gelder dafür bewilligt worden]. Nun soll es
unter Beteiligung möglichst vieler Gruppen barrierefrei umgebaut werden,
auch die genaue Ausgestaltung des Zentrums soll partizipativ mit den
Communitys geschehen, erklärte Mitschke.
Die erste Veranstaltung startete gleich am Mittwoch mit dem Auftakt zur
zweiten UN-Dekade für Menschen mit afrikanischer Herkunft. Während der
ersten Dekade von 2015 bis 24 hatte sich [2][Berlin zu seiner Verantwortung
für die eigene Kolonialgeschichte bekannt] sowie dazu, gegenwärtigem
Rassismus aktiv entgegenzutreten.
## Der Fokus muss auf strukturellen Veränderungen liegen
Man habe in der Tat „viel erreicht“, sagte am Mittwoch Peggy Piesche. Die
Literatur- und Kulturwissenschaftlerin gehört zum
„Gleichstellungsbegleitgremium“, das die Verwaltung bei Maßnahmen gegen
anti-Schwarzen Rassismus berät. In der zweiten UN-Dekade müsse nun der
Fokus auf strukturelle Veränderungen gelegt werden, um Rassismus vor allem
in Behörden und Institutionen abzubauen. Piesche forderte eine
Landesstrategie analog zu jener für queeres Leben, „um einen
kontinuierlichen politischen Prozess zu gewährleisten“, unabhängig von
politischen Mehrheiten.
Ähnlich äußerte sich Katja Kinder vom Verein RAA Berlin, der die
Auftaktveranstaltung zur UN-Dekade organisiert hat. Sie forderte eine
Beauftragte zur Bekämpfung von anti-Schwarzem Rassismus, die sich mit
anderen Beauftragten, Communitys, Politik und Wissenschaft verknüpfen
müsse. „Wenn Berlin es ernst meint, muss diese Stelle kommen“, so Kinder.
Dass der Kampf gegen anti-Schwarze Rassismus professionalisiert werden
muss, ist auch die Überzeugung der Erziehungswissenschaftlerin und
Geschlechterforscherin Maisha M. Auma, die ebenfalls dem
Gleichstellungsbegleitgremium angehört. Der aktuelle
gesellschaftspolitische Rollback zeige, dass viel zu tun sei. „Nach dem
Mord an George Floyd, nach Hanau, Halle und dem Mord an Walter Lübcke
schien Deutschland bereit, sich diskriminierungskritisch zu hinterfragen“,
sagte sie. Heute sei dies wieder fraglich.
Zu dieser Professionalisierung beitragen könne auch ein Studiengang Black
Studies, so Auma. Einen solchen gibt es bisher weder in Berlin noch
irgendwo sonst in Deutschland.
6 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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