# taz.de -- Stadtplanung mit jungen Menschen: „Kinder sollen ein Gefühl für den gebauten Raum entwickeln“
       
       > Eine Schau im Urbaneo widmet sich dem Bauen im – und mit Bestand: Auch
       > das wird nur durch Beteiligung erst richtig zukunftsträchtig.
       
 (IMG) Bild: Kinder müssen sich meist in ohne sie geplanten Städten zurechtfinden. Dabei hätten sie doch eigene Gestaltungsideen einzubringen
       
       taz: Frau Rädlein, warum ist es so wichtig, junge Menschen an der
       Stadtplanung zu beteiligen? 
       
       Judith Rädlein: Mitmachen – das ist doch eine Grundlage unserer Demokratie.
       Wenn Menschen sich bei Entscheidungen mitgemeint fühlen und mitgenommen
       werden, dann [1][stärkt das unser gesellschaftliches Miteinander.] Und
       davon abgesehen ist das doch absurd: Menschen, die kurz vorm Abnippeln
       sind, planen etwas für Menschen, die viel länger damit zu tun haben werden.
       
       taz: Schauen wir auf Hamburg. Wer hat die Stadt für wen gebaut?
       
       Judith Rädlein: Noch immer denken sich ältere, meist männliche Menschen die
       Architektur am Schreibtisch aus. [2][Und für wen?] Sie selbst würden wohl
       sagen: für die Menschen.
       
       taz: Sie klingen nicht so überzeugt.
       
       Judith Rädlein: Nee, weil [3][junge Menschen da überhaupt nicht vorkommen.]
       Dabei schreibt in Hamburg das Bezirksverwaltungsgesetz die Teilhabe sogar
       vor. Darin steht, dass Kinder und Jugendliche [4][an sie betreffenden
       Belangen beteiligt werden müssen.] Den Paragrafen gibt es schon ziemlich
       lange, er ist aber wirkungslos.
       
       taz: Woran liegt das?
       
       Judith Rädlein: Es ist eine schöne Idee, die nicht zu Ende gedacht wurde.
       Wir hören immer wieder von den Behörden, die sich damit beschäftigen, dass
       sowohl das Wissen als auch die Zeit fehlen. Doch das Schöne ist, dass es
       hier in Hamburg an entscheidenden Stellen ein Interesse gibt, sich für die
       Teilhabe junger Menschen zu öffnen. Auch wenn bei konkreten Projekten
       häufig auf die sehr strengen Wettbewerbsverfahren und Ausschreibungen
       verwiesen wird.
       
       taz: Welche Projekte sind das?
       
       Judith Rädlein: Der Opernbau zum Beispiel. Erst gab es einen Wettbewerb und
       nun wurde ein Endergebnis gekürt. Das ist dann beschlossene Sache. Und wenn
       dann ein Kind bei uns sagt, dass ein Pool auf dem Dach doch toll wäre, geht
       das leider nicht mehr. Für die Beteiligung wurden wir auf die umliegenden
       Freiflächen verwiesen. Doch auch die dürfen nicht zu sehr verändert werden,
       weil sie ja Teil des „künstlerischen Geniestreichs“ sind. Rutschen dahin zu
       stellen geht also auch nicht. Und auch, wenn das jetzt zwei spaßige Ideen
       von Kindern sind, zeigen sie doch, dass die Bedürfnisse von Kindern am
       besten bereits im Planungsbüro mitgedacht werden müssten.
       
       taz: Und trotzdem ermutigen Sie im Urbaneo Kinder und Jugendliche,
       losgelöst von diesen ganzen Vorgaben zu denken.
       
       Judith Rädlein: Manche verstehen das auch total falsch und sehen in unserer
       Arbeit nur eine spielerische Komponente. Nach dem Motto: Das ist so ein
       bisschen Kinderbespaßung. Die dürfen mal was aus Pappe bauen, das sieht
       dann schön aus und fliegt sofort in die Tonne. Aber das ist überhaupt nicht
       unsere Idee von Partizipation, das wäre eine Verhohnepipelung der jungen
       Menschen. Ganz konkret haben wir zum Beispiel mit Schulklassen ihren neuen
       Schulhof geplant. Dafür haben wir Ideen erst besprochen und sie dann mit
       Knete und Bausteinen modelliert, so können neue Impulse schnell eingebracht
       werden. Kinder sollen bei diesen Überlegungen ein Gefühl für sich selbst
       und den gebauten Raum um sie herum entwickeln, darum geht es uns. Das ist
       die Grundlage für eine Mitsprache bei der Stadtplanung.
       
       taz: Wie funktioniert das, ein Gefühl für sich selbst und die Welt
       drumherum zu bekommen?
       
       Judith Rädlein: Es geht alles über die Wahrnehmung. Wer sich in der Stadt
       bewegt, kann sich zwischendurch einfach mal fragen: Was macht das mit mir?
       Jede:r weiß, wie es sich anfühlt, auf dem Weg zur Arbeit oder im Park zu
       sein. Also sind wir alle Expert:innen für Baukultur.
       
       7 May 2026
       
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