# taz.de -- Zivilschutzpläne der Bundesregierung: Dobrindt versucht es ohne Bratwurst
       
       > Die Bedrohungslage ist im Gegensatz zu den östlichen Nachbarn viel
       > geringer. Dennoch gehen die Pläne des Innenministers in die richtige
       > Richtung.
       
 (IMG) Bild: Bundesinnenminister Dobrindt streichelt den Diensthund des Technischen Hilfswerks in Bonn
       
       Jetzt bloß keine Panik verbreiten! CSU-Bundesinnenminister Alexander
       Dobrindt will mächtig in den Zivilschutz in Deutschland investieren. Rund
       10 Milliarden Euro sollen es bis 2029 werden. In Zeiten, die von
       kriegsbedingten Preiserhöhungen und Inflation getrieben sind und in denen
       um Einschnitte bei der Pflege oder der medizinischen Versorgung gerungen
       wird, sind Zusagen in dieser Höhe erstaunlich. Bunker und Feldbetten soll
       es geben, renovierte Gebäude fürs Technische Hilfswerk und
       Spezialfahrzeuge. Klingt nach Kriegsrhetorik und Aufrüstung und als ob ein
       Angriff – woher auch immer – unmittelbar bevorsteht.
       
       Und das soll es vermutlich auch. Anders werden sich solche Investitionen in
       Zeit knapper Kassen wohl nicht rechtfertigen lassen. Dabei kommt es jetzt
       mehr denn je auf eine wohlüberlegte Kommunikation Dobrindts und seines
       Hauses an. Der Schutz der Bevölkerung fand bisher nicht wirklich große
       Beachtung in der deutschen Öffentlichkeit – und spielte im Etat des
       zuständigen Ministeriums keine besonders herausragende Rolle. PR-Kampagnen
       wie der „Tag des Bevölkerungsschutzes“ gerieten eher [1][zum Volksfest mit
       Spiel und Spaß und Bratwurst]. Der Warntag, der einmal im Jahr die Menschen
       hierzulande auf ihre Krisentauglichkeit testen soll, wurde viel belächelt
       und wahrlich nicht mit Aufmerksamkeit bedacht. Prävention hatte keine
       besondere Priorität.
       
       Nun soll offenbar alles anders werden. Die Länder fordern seit Jahren mehr
       Geld für den Katastrophenschutz, für den sie zuständig sind. Vergeblich
       wurde darauf gewartet, in der Folge zwar ein „Sirenenförderprogramm“
       aufgelegt, um die Bevölkerung im Ernstfall zu warnen. Mehr aber auch nicht.
       Ganz zu schweigen von [2][den Beschwerden seitens des THW] oder des Roten
       Kreuzes. Wer will schon ehrenamtlich beim Katastrophenschutz mitmachen,
       wenn es nicht mal ordentliche Umkleidekabinen für die Helfer:innen gibt?
       Das müssen schon Überzeugungstäter:innen sein.
       
       Meldungen über Drohnensichtungen oder zu hybriden Angriffen [3][auf die
       kritische Infrastruktur] haben auch in Deutschland in diesem Sinne während
       der vergangenen Monate zugenommen. Die Bedrohungslage ist aber im Gegensatz
       zu anderen EU- und Nato-Staaten etwa im Osten Europas eine völlig andere.
       Und dennoch auch hierzulande ernst zu nehmen. Wenn von resilienten, also
       widerstandsfähigen Gesellschaften die Rede ist, landet man früher oder
       später bei guter Vorbereitung und Prävention. Das gilt für Warnungen vor
       militärischen Angriffen wie vor Überschwemmungen oder Waldbränden. So
       gesehen tut ein bisschen mehr Krisenbewusstsein auch den Menschen
       hierzulande gut.
       
       18 May 2026
       
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