# taz.de -- Konjunktur in Deutschland: Wirtschaft wächst trotz Irankrieg
       
       > Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen.
       > Auch die europäische Wirtschaft kommt eventuell um eine Rezession herum.
       
 (IMG) Bild: Die deutsche Wirtschaft ist weiterhin eine Baustelle
       
       rtr/afp | Trotz des Irankriegs ist die deutsche Wirtschaft Anfang des
       Jahres etwas stärker gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
       stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie das
       Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte.
       Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonom*innen hatten 0,2
       Prozent erwartet.
       
       Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben waren höher als
       Ende 2025. „Auch die Exporte nahmen den vorläufigen Erkenntnissen nach zu“,
       erklärte das Amt. Im Schlussquartal ‌2025 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent
       gewachsen und damit etwas schwächer als bisher mit 0,3 Prozent gemeldet.
       
       Die Angriffe der USA und Israels auf Iran sowie dessen Gegenschläge
       [1][bremsen seit Ende Februar die Wirtschaft weltweit] und hier vor allem
       die Energieversorgung. Wegen des Nahostkonflikts haben Wirtschaftsforscher
       und Analysten ihre Konjunkturprognosen für Deutschland 2026 deutlich
       gesenkt.
       
       Hatten sie ursprünglich ein Wachstum von mehr als 1 Prozent auf dem Zettel,
       so erwarten viele nur noch einen geringen BIP-Anstieg knapp über der
       Stagnation. Sollte der [2][Irankrieg] länger dauern, dürfte das die
       Wirtschaft weiter bremsen.
       
       „Das war ein überraschend guter Jahresauftakt, zumal auch schon das erste
       Quartal von Grönland-Wirren und Irankrieg belastet war“, sagte Sebastian
       Wanke von der KfW-Bank. Die Daten zeigten, dass es für die deutsche
       Konjunktur ein starkes Jahr hätte werden können. „Doch ‌der Irankrieg
       verhagelt nun die Bilanz“, betonte der Analyst. „Bleibt die Hoffnung auf
       eine baldige Öffnung der Straße von Hormus, sodass die Wachstumskräfte
       wieder atmen können.“
       
       ## Weiter 3 Millionen Arbeitslose
       
       Dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zufolge kommt Europas
       größte Volkswirtschaft in diesem Jahr womöglich um eine Rezession ⁠herum –
       vor allem durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität
       sowie die Ausgaben für Verteidigung. „Aber staatliches Geld allein ersetzt
       keine Strukturreformen“, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger.
       
       Geopolitische Krisen erhöhten den Druck. Sie seien aber nicht die Ursache
       der hausgemachten wirtschaftlichen Schwäche. „Das beste Rezept gegen
       externe Schocks ist ein wettbewerbsfähiger Standort“, sagte Leibinger.
       „Globale Krisen ‌dürfen keine Ausrede für fehlende ‌Reformen sein, ganz im
       Gegenteil.“
       
       Der Gegenwind durch den Irankrieg zeigt sich in vielen Konjunkturdaten. So
       erlitt ⁠der deutsche Einzelhandel im März überraschend den stärksten
       Umsatzschwund seit dreieinhalb Jahren. Inflationsbereinigt gab es einen
       Rückgang von 2 Prozent – dies war bereits das dritte Minus in Folge und
       zugleich das größte seit ‌Oktober 2022.
       
       ## Inflation im Euroraum im April 3,0 Prozent
       
       Zudem stiegen die Importpreise – als Vorboten einer zunehmenden Inflation –
       im März ‌um 3,6 Prozent zum Vormonat und damit so stark wie seit Beginn des
       russischen Angriffs auf die Ukraine vor vier Jahren nicht mehr. Die
       Inflation im Euroraum ist im April auf voraussichtlich 3,0 Prozent
       gestiegen.
       
       Ferner blieb die Zahl der [3][Arbeitslosen in Deutschland im April ‌über
       der Marke von 3 Millionen], wie die Bundesagentur für ⁠Arbeit mitteilte.
       „Eine Trendumkehr am Arbeitsmarkt ist noch nicht ‌in Sicht“, sagte Andrea
       Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit. „Die Frühjahrsbelebung fällt
       auch im April schwach aus.“
       
       30 Apr 2026
       
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