# taz.de -- Walschutz ganz praktisch: Fischers Fritz fischt Geisternetze
> Schleswig-Holstein schließt eine Vereinbarung mit Fischern, die sich am
> Umweltschutz auf See beteiligen sollen. Umweltverbände sehen das positiv.
(IMG) Bild: Sollen Fischer bald selbst machen: Bergung von Geisternetzen, hier durch Umweltaktivist:innen
Ein bisschen Hilfe für Wale, die nicht Timmy heißen: Das Land
Schleswig-Holstein hat eine Vereinbarung mit den Fischereiverbänden
geschlossen, deren Mitglieder – freiwillig und gegen Bezahlung – Aufgaben
im Arten- und Umweltschutz übernehmen können.
Das Abkommen ist Teil des [1][„Aktionsplans Ostseeschutz 2030“], der vor
zwei Jahren verabschiedet wurde. Bei einem Treffen in Kiel zogen
Vertreter:innen der Naturschutzverbände mit Ministerpräsident Daniel
Günther, Fischereiministerin Cornelia Schmachtenberg (beide CDU) und
Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) eine erste Bilanz. Die fiel
gemischt aus.
Das Binnenmeer Ostsee [2][ist überdüngt] und erwärmt sich schnell – diese
Grundprobleme würden nicht deutlich genug angegangen, kritisiert das
Bündnis der Ostsee-Naturschutzverbände, zu denen unter anderem der BUND und
der Nabu zählen. So seien freiwillige [3][Vereinbarungen mit der
Landwirtschaft über Düngemittel-Einsparungen] zu unverbindlich. Auch bei
Ruhezonen, in denen weder Wassersport noch Fischerei erlaubt sind, hätten
sich die Verbände noch mehr gewünscht.
Als Erfolg sehen die Naturschützer:innen dagegen das Abkommen mit den
Verbänden der Kutter- und Küstenfischer:innen, das bereits unterzeichnet
wurde. Fischerei sei ein „Herzstück der Küstenregionen und ein Symbol für
die Identität Schleswig-Holsteins“, sagte Daniel Günther bei der
Unterzeichnung des Abkommens in der vergangenen Woche. Aber die
Fisch-Bestände sinken, gleichzeitig hat [4][der Aktionsplan] drei größere
Meeresgebiete zu Sperrzonen gemacht, in denen nicht mehr gefischt werden
darf.
## Neues wirtschaftliches Standbein für die Fischer
Damit die Fischer:innen trotz geringerer Fänge ihre Boote betreiben
können, bietet ihnen das neue Programm ein weiteres wirtschaftliches
Standbein. So erhalten sie Geld, wenn sie Auflagen erfüllen, die dem Schutz
von Schweinswalen und Tauchenten dienen sollen – diese Tiere ertrinken,
wenn sie sich in Stellnetzen verfangen.
Eine Belohnung gibt es auch, wenn Fischkutter treibende Geisternetze aus
dem Meer bergen oder sich am Küstenfisch- und Umwelt-Monitoring beteiligen.
Das Programm ist auf zehn Jahre angelegt, das Land stellt 7,5 Millionen
Euro bereit, also 750.000 Euro pro Jahr. Die größte Summe entfällt auf die
Teilnahme am Wal- und Entenschutz: Boote erhalten 90 Euro pro Fangtag. Ob
sich das Programm bewährt, will das Land in den Jahren 2031 und 2036
kontrollieren.
„Wir haben uns von Beginn an dafür eingesetzt, dass – wenn es einen
Ausschluss von Fischerei gibt – auch Unterstützung für die Betroffenen
sichergestellt wird“, so Fischereiministerin Schmachtenberg. „Wir stehen
auch in schweren Zeiten an der Seite unserer Küstenfischerei und eröffnen
neue Einkommensperspektiven im Bereich Umwelt- und Monitoringaufgaben.“
Sina Clorius, Sprecherin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in
Schleswig-Holstein, begrüßt das Abkommen: „Wir unterstützen die Idee, die
Berufsfischerei zu sichern, indem man ihr ein zusätzliches Standbein durch
bezahlte Umweltbeobachtungs- und Umweltbildungsmaßnahmen anbietet.“ In
Mecklenburg-Vorpommern gebe es mit dem Projekt „Sea Ranger“ bereits ein
erfolgreiches Vorbild. Die Hoffnung sei, dass Fischer:innen auf diese
Weise noch mehr für die Natur sensibilisiert würden.
Aktuell seien Tauchenten, Robben und Schweinswale weiter in den Teilen des
Meeres, die nicht als Schutzgebiete ausgewiesen sind, durch Stellnetze
bedroht. „Eigentlich müssten diese Tiere gemeldet werden, wenn sie als
Beifang aus den Netzen gezogen werden“, sagt Clorius. „Merkwürdigerweise
sind die jährlichen Meldungen aus Schleswig-Holstein jedoch weitaus
geringer als die aus Dänemark.“
Auch der Naturschutzbund freue sich, dass das Land passend zum Jahrestag
des Aktionsplans das Abkommen mit den Fischereiverbänden geschlossen hat,
sagt Sprecherin Eva Krautter. Die Vereinbarung erinnere an
Vertragsnaturschutzmodelle, wie sie an Land zum Schutz etwa von brütenden
Vögeln bekannt seien.
„Es ist wichtig, dass sich Fischerei und Naturschutz gemeinsam für die
Ostsee auf den Weg machen.“ Denn wenn die Meerestiere eine Weile in Ruhe
gelassen, [5][Seegras aufgeforstet] und die Schutzzonen respektiert würden,
könnten sich auch die Fischbestände wieder erholen. „Die Natur hat die
Kraft, sich zu regenerieren“, sagt Krautter.
28 Apr 2026
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(DIR) [5] /Forschung-zu-Seegras-in-der-Ostsee/!6063463
## AUTOREN
(DIR) Esther Geißlinger
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