# taz.de -- Julia Stoschek verlässt Berlin: Lieber fluide sein als in Berlin
> Die Kunstsammlerin Julia Stoschek verlässt nach zehn Jahren Berlin. Es
> gehe um neue Präsentationsformate ihrer Kunst, nicht um die Hauptstadt.
(IMG) Bild: Julia Stoschek Collection in der Leipziger Straße in Berlin
taz | Nun hat sie es doch gemacht: Die Kunstsammlerin Julia Stoschek zieht
den Berliner Standort ihrer Sammlung, einer der weltweit größten für
Videokunst, aus Berlin ab. Das ließ ihre Stiftung, die Julia Stoschek
Foundation, verkünden. Zukünftig werde sie sich wieder auf den
Hauptstandort der Sammlung in Düsseldorf konzentrieren. Momentan wird
dieser umfassend saniert. Seine Wiedereröffnung ist für April 2027 geplant.
Auch fluide Präsentationsformate im In- und Ausland seien vermehrt geplant.
Erst im März schloss eine temporäre Sammlungspräsentation in Los Angeles,
die, editiert von Udo Kittelmann, ehemaliger Direktor der Berliner Neuen
Nationalgalerie, mehr als 30.000 Besuchende angelockt haben soll.
Präsentiert wurden dort unter anderem Arbeiten Marina Abramovićs, Cyprien
Gaillards, Jeremy Shaws oder Nina Simones.
Schon sechs Jahre zuvor hatte die Erbin Stoschek, deren Vermögen aus
Anteilen der Coburger Brose Fahrzeugteile SE & Co KG stammt, angedroht,
Berlin zu verlassen. Damaliger Anlass sei eine angekündigte Sanierung des
Gebäudes der Julia Stoschek Collection samt Mieterhöhungen durch die
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gewesen, die das Gebäude
verwaltet. Stoschek selbst hätte schon ausreichend und auf eigene Kosten in
die Räumlichkeiten investiert, eine weitere Mieterhöhung sei für sie weder
nachvollziehbar noch tragbar gewesen.
Stoschek, die als Enkelin des Wehrwirtschaftsführers, NSDAP-Mitglieds und
Zwangsarbeitprofiteurs Max Brose, von vielen als finanzielle Gewinnlerin
des NS-Regimes betrachtet wird, hat keinen ganz leichten Stand in Berlins
Kunstszene. [1][Kritker:innen fordern von der Mäzenin eine intensivere
Aufarbeitung der Familiengeschichte].
27 Apr 2026
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