# taz.de -- Phishing via Signal: Attacke auf Ministerinnen
> Ministerinnen und Abgeordnete erhielten Phishing-Nachrichten, hinter
> denen Russland vermutet wird. Grüne und Linke reagieren unterschiedlich.
(IMG) Bild: Kommt jetzt das Social-Media-Verbot für Julia Klöckner? Die Bundestagspräsidentin ist von einem Phishing-Angriff betroffen
Vom Enkeltrick haben die meisten Menschen schon mal gehört, trotzdem
funktioniert er, und Gauner erbeuten so jährlich Millionen. Ähnlich sieht
es bei Phishing-Angriffen auf hochrangige Politiker*innen aus: Obwohl
die Behörden seit Monaten vor Angriffen über die Messenger-App Signal
warnen, sind offenbar zahlreiche Politiker*innen in die Falle getappt,
darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Familienministerin Karin
Prien (beide CDU) und Bauministerin Verena Hubertz (SPD).
Dass deren Signal-Konten kompromittiert seien, hatte zuerst der Spiegel
berichtet. Die Ministerien selbst machten dem Magazin gegenüber keine
Angaben zu dem Vorfall. Man äußere sich „grundsätzlich nicht zu möglichen
oder tatsächlichen Sicherheitsvorfällen“ bezüglich der internen und
externen Kommunikation des Ministeriums, sagte ein Sprecher von Hubertz dem
Spiegel.
Die Bundesregierung [1][sieht Russland als Drahtzieher] hinter den
Angriffen auf Signal-Nutzer*innen aus Politik, Wirtschaft und Medien, wie
am Samstag aus Regierungskreisen zu hören war. Die Sicherheitsbehörden
hätten die Betroffenen informiert, der Datenabfluss von den betroffenen
Geräten sei gestoppt worden, hieß es.
Laut Spiegel gehen Sicherheitsbehörden von mehr als 300 Betroffenen aus.
Unklar ist, ob diese Menschen lediglich eine Phishing-Nachricht bekommen
haben oder ob sie auf die Masche hereingefallen und ihre Konten tatsächlich
kompromittiert sind. SPD, Linke und Grüne sprachen demnach lediglich von
„einigen wenigen Fällen“.
## Kann passieren, findet ein Grüner
Messenger wie Signal spielten im politischen Alltag von Politik, Medien und
Behörden inzwischen eine große Rolle, sagt der Grünen-Innenpolitiker
Konstantin von Notz der taz in einem Signal-Call. Das sei auch gut so, denn
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sei „die sicherste Methode, sich
Lauschangriffen zu entziehen“. Auch er selbst habe eine solche
Phishing-Nachricht bekommen, sie aber erkannt und gemeldet. Die Angriffe
seien sehr professionell. „Da kann es leider einfach passieren, dass jemand
zwischen zwei Sitzungen kurz nicht aufmerksam ist.“
Anders sieht das Donata Vogtschmidt von der Linksfraktion. „Wir als
Politiker*innen müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir als Ziele
für Lauschangriffe besonders interessant sind“, sagte sie. „Deswegen müssen
wir auch besonders aufmerksam und sensibel in unserer Kommunikation sein.“
Grundsätzlich bräuchte es mehr Bildung im Bereich der Medienkompetenz –
nicht nur für junge Menschen, sondern gerade auch für die älteren
Generationen.
Sowohl Vogtschmidt als auch von Notz warnen davor, Messenger-Apps wie
Signal infrage zu stellen. „Ja, wir müssen noch mehr sensibilisieren und
unsere Kommunikation noch besser schützen“, so von Notz. „Aber das darf im
Umkehrschluss nicht heißen, dass wir wieder SMS schreiben oder offene
E-Mails verschicken. Eine zentrale Erkenntnis etwa aus dem
Snowden-Untersuchungsausschuss war ja, dass im Regierungsviertel so gut wie
jede SMS und Mail von ausländischen Geheimdiensten mitgelesen wird.“
Die koordinierte Angriffswelle führe vor Augen, „dass wir ein zentrales
Ziel russischer nachrichtendienstlicher Operationen sind“, so von Notz.
Dafür gebe es bereits zahlreiche Beispiele. „Viele Menschen wollen das
immer noch nicht wahrhaben. Und die Bundesregierung tut noch immer nicht
genug, um Deutschland vor Cyberangriffen besser zu schützen. Das ist ein
echtes Sicherheitsproblem.“
## Seit Monaten wird gewarnt
Deutsche und ausländische Sicherheitsdienste warnen seit Monaten vor der
Phishing-Welle. [2][Generalbundesanwalt Jens Rommel] hatte bereits im
Februar Ermittlungen eingeleitet. Darin geht es um den Anfangsverdacht der
Spionage. Zu dieser Zeit hatten auch das Bundesamt für Verfassungsschutz
(BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
erstmals öffentlich vor den Angriffen gewarnt. Später veröffentlichten sie
einen weiteren Sicherheitshinweis mit konkreten Handlungsanweisungen.
Bei dem Angriff wurde keine Sicherheitslücke ausgenutzt, Signal ist ein
sehr sicherer Messenger. Stattdessen setzten die Angreifer*innen bei
[3][Phishing] auf die Schwachstelle Mensch: Um Zugriff auf Adressbücher und
Daten zu erhalten, verschicken die Angreifer*innen [4][getarnt als
„Signal Support“] eine Nachricht mit der Aufforderung, eine PIN einzugeben
beziehungsweise Links oder einen QR-Code anzusteuern. Wird dem Folge
geleistet, können die Angreifer*innen nicht nur vorhandene Chats
mitlesen, sondern sich auch unter falscher Identität in internen
Chat-Gruppen bewegen.
26 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dinah Riese
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