# taz.de -- Neuer Saarland-Krimi der ARD: Nicht nur Nebenrolle
       
       > Geflüchtet aus dem Nordirak, aufgewachsen in Berlin, jetzt fest etabliert
       > im deutschen Fernsehen: Aram Arami übernimmt eine Hauptrolle in der ARD.
       
 (IMG) Bild: Von der Bäckerei ans Filmset: Aram Arami
       
       „Bruder, Liebe, Tod“ heißt der erste Film der neuen ARD-Reihe „Der
       Saarland-Krimi“, in dem Aram Arami die Hauptrolle als Ex-Polizist spielen
       wird. Die Sendung läuft am 30. April um 20.15 Uhr im Ersten und ist
       [1][bereits ab dem 27. April in der ARD-Mediathek verfügbar]. Für die ARD
       und den Saarländischen Rundfunk ist es der erste Donnerstags-Krimi aus dem
       Saarland überhaupt. Erzählt wird von zwei Brüdern, alten Loyalitäten und
       familiären Konflikten – Themen, die auch Aramis eigene Biografie berühren.
       
       Geboren wurde Arami 1993 im Nordirak als Sohn kurdischer Eltern. Sein Vater
       arbeitete dort als Staatsanwalt, in einer Zeit, in der Kurd:innen unter
       dem Regime Saddam Husseins verfolgt und unterdrückt wurden. In den
       1990er-Jahrebn floh die Familie nach Deutschland, Arami war damals drei
       Jahre alt. Wenn er heute über diese Zeit spricht, tut er das meist ruhig
       und ohne Pathos – vielleicht auch, weil die Geschichte seiner Familie für
       ihn lange nichts Besonderes war.
       
       Später zog die Familie nach Lichtenberg im Osten Berlins, einem Bezirk, der
       stark von den Umbrüchen nach der Wiedervereinigung geprägt war. Arami
       erzählt, dass er früh mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert wurde –
       in der Schule, auf der Straße, im Alltag. Gleichzeitig spricht er über
       diese Jahre nie nur als schwere Zeit – mehr als eine prägende Phase, in der
       er gelernt habe, Menschen genau zu beobachten und aufmerksam für Stimmungen
       zu werden. Vielleicht zeigt sich genau das heute auch in seinem Spiel:
       Arami wirkt oft ruhig und kontrolliert, aber immer so, als würde er mehr
       wahrnehmen, als er sagt. „Zum ersten Mal spielte meine Herkunft überhaupt
       keine Rolle“, sagte Arami später einmal über seine ersten Schauspielkurse.
       
       Dass Arami Schauspieler wurde, war zunächst eher Zufall. Als Jugendlicher
       wurde er beim Einkaufen mit seiner Mutter von einem Agenten angesprochen.
       Es folgten erste Castings, kleinere Rollen, dann nach und nach größere
       Produktionen. Ein breiteres Publikum kennt ihn spätestens, seit er in dem
       Kinofilm „Fack ju Göhte“ (2013) eine Nebenrolle spielte. Daraufhin folgten
       Serien, Fernsehfilme und Krimis. Seit einigen Jahren spielt er außerdem in
       „Die Drei von der Müllabfuhr“ mit, einer ARD-Reihe über drei Berliner
       Müllarbeiter, die sich mit trockenem Humor und viel Menschlichkeit durch
       den Alltag kämpfen.
       
       ## Vom Ladengeschäft ans Set
       
       Sein Weg dorthin verlief allerdings anders als die klassischen Karrieren
       vieler Schauspieler. Nach dem Abitur übernahm Arami zunächst eine kleine
       Bäckerei. Der Wunsch nach einem sicheren Beruf spielte in seiner Familie
       eine große Rolle. Während andere auf Schauspielschulen gingen, stand er
       morgens im Laden und später am Set. Vielleicht wirkt sein beruflicher
       Werdegang deshalb bis heute wenig kalkuliert.
       
       Im Interview mit dem Filmmagazin „The Spot“ spricht er darüber, künftig
       stärker hinter der Kamera arbeiten zu wollen: produzieren, eigene Stoffe
       entwickeln, vielleicht Regie führen. Es klingt weniger nach klassischer
       Karriereplanung als nach dem Wunsch, Geschichten zu erzählen, die im
       deutschen Fernsehen lange gefehlt haben – über Menschen mit Brüchen in
       ihrer Biografie, mit mehreren Zugehörigkeiten und Erfahrungen, die oft
       entweder vereinfacht oder gar nicht gezeigt werden.
       
       Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität von Aram Arami: dass er
       weder seine Herkunft noch seinen Werdegang ständig erklären oder
       dramatisieren muss. Er erzählt präzise und oft beiläufig von Erfahrungen,
       die in Deutschland für viele Menschen Alltag sind und im Fernsehen trotzdem
       lange kaum vorkamen. Seine Laufbahn steht deshalb auch für eine andere
       Generation deutscher Schauspieler: eine, deren Geschichten nicht mehr nur
       am Rand stattfinden, sondern langsam selbstverständlicher Teil der
       Erzählung werden.
       
       28 Apr 2026
       
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