# taz.de -- Veranstaltung zu Nius in Kreuzberg: Solidarisch gegen Onlinepranger
> Eine Infoveranstaltung zu Nius mit Berichten von Betroffenen rechter
> Kampagnen zieht 250 Menschen an. Reichelts Portal hatte im Vorfeld massiv
> Stimmung gemacht.
(IMG) Bild: Protestplakat gegen ein „Medium“, das den Pressekodex nicht anerkennt
Die Nervosität war spürbar: Am Freitagabend standen am Eingang zum
Dragonerareal in Kreuzberg gleich mehrere Dreiergrüppchen mit Anglerhüten
oder Perücken herum. Die Antifaschist:innen hatten sich postiert, um
die Infoveranstaltung gegen das rechte Propagandaportal Nius zu schützen.
Die Veranstalter*innen befürchteten, dass Provokateure auftauchen
könnten oder auch Mitarbeiter:innen von Nius selbst, öffentlich oder
inkognito.
Im Veranstaltungssaal war daher fotografieren und filmen strengstens
verboten, die Moderatorin kündigte an, bei rechten Äußerungen kompromisslos
vom Hausrecht Gebrauch zu machen. Doch der Abend – Auftakt eines
Kreuzberger Protestbündnisses gegen Nius – verlief störungsfrei, mit rund
250 Besucher*innen war der Saal komplett gefüllt.
Die drastischen Vorsichtsmaßnahmen hatten einen Grund: Das [1][rechte
Portal mit Sitz in der Kreuzberger Ritterstaße] hatte wochenlang selbst auf
die Veranstaltung hingewiesen und massiv dagegen Stimmung gemacht. Die
Initiative „Nein zu Nius“ sei linksextrem und mit Steuergeld finanziert, es
gebe Verbindungen zur „Hammerbande“ und die ganze Veranstaltung sei ein
„beunruhigender Angriff auf die Pressefreiheit“. Nius selbst sieht sich als
„eine freie und junge Medienmarke“.
Dem widersprachen die, teils nicht namentlich vorgestellten
Referent:innen des Abends, die über Nius zumeist als „Onlinepranger“
oder „Schlammportal“ sprachen. Das rechte Portal sei ein „als Journalismus
getarntes Projekt“; es arbeite mit Stereotypen und rassistischen
Vorurteilen und trete nach unten, gegen Geflüchtete, Klimaschützer*innen,
NGOs und die demokratische Zivilgesellschaft. Nius sei Teil einer
angestrebten Diskursverschiebung nach rechts, ein Brandbeschleuniger für
rechte Inhalte, hieß es in einer ausführlichen Analyse zu Vorgehen und
Strategien der von Julian Reichelt geführten Mediums.
## Betroffene berichten
Auf dem Podium und in zugespielten Beiträgen kamen auch jene zu Wort, die
bereits selbst zur Zielscheibe der aggressiven Nius-Propaganda geworden
waren. Eine Aktivistin des Widersetzen-Bündnisses, das die Neugründung der
AfD-Jugend in Gießen erheblich gestört hatte, erzählte, ein
Nius-Mitarbeiter habe sich in ihre Gruppe eingeschlichen und heimlich
gefilmt. Ein Mitglied des linken Unrast-Verlags berichtete, wie Nius
Verlagsmitarbeiter*innen aggressiv gefilmt und belästigt habe.
Prominentester Vertreter dieser Gruppe war [2][Guido Arnold], Teil des
technologiekritischen çapulcu-Kollektivs. Nius brachte den Wissenschaftler
mit den Anschlägen der Vulkangruppen auf die Energieversorgung in
Zusammenhang, veröffentlichte sein Foto und observierte sein Haus. Arnold
blieb bei seinen Inhalten, sprach über die Fehlerhaftigkeit von
KI-Sprachmodellen und die Eruption von gemeinsamen Wahrheiten durch Social
Media – auch als bewusste Strategie von rechts.
Klar wurde: Reißerische Artikel von Nius oder anderen rechten Medien wie
Apollo News führen meisten zu einer Welle wüster Beschimpfungen,
Vergewaltigungsfantasien und Morddrohungen. Alle Betroffenen berichteten
allerdings auch von großer Solidarität und gesteigertem Interesse an ihrer
Arbeit.
Zwar ist das von Nius entfachte Empörungspotenzial mitunter groß, wie man
an der vom Portal maßgeblich mit entfachten Kampagne gegen die Wahl von
Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin sehen konnte. Dennoch
sollte die Bedeutung nicht überschätzt werden: Nius findet sich nicht unter
den 100 reichweitenstärksten Onlinemedien und machte 2023 einen Verlust von
13 Millionen Euro. Doch das Portal muss nicht auf eigenen Beinen stehen,
der Nius-Finanzier Frank Gotthardt ist Multimillionär und hat zudem beste
Beziehungen zur CDU-Spitze.
Die am Schluss der Veranstaltung diskutierten Gegenstrategien waren
keineswegs „linksextrem“, sondern so zivilgesellschaftlich und demokratisch
wir das versammelte Publikum, das zu einem nicht geringen Teil die 50 schon
überschritten hatte. „Wegducken ist keine Option“, forderte die
Moderatorin, man müsse widersprechen und solidarisch handeln. Alle
betroffenen Initiativen und Vereine sollten gestärkt und nicht alleine
gelassen werden. Der çapulcu-Vertreter forderte, gegen rechte Medien sowie
Big-Tech-Unternehmen und „Bullshit-Generatoren“ wie ChatGPT zu
mobilisieren. Eine Frau schlug vor, bei linken Buchläden zu kaufen und für
journalistische Standards zu kämpfen. Und irgendwann soll es auch eine
Kundgebung vor dem Nius-Büro in der Kreuzberger Ritterstraße geben.
25 Apr 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Darius Ossami
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