# taz.de -- Klimakonferenz in Kolumbien: Weil ihnen die Verhandlungen auf UN-Ebene zu langsam sind
       
       > Mehr als 50 Länder treffen sich in Kolumbien, um schneller aus Kohle, Öl
       > und Gas auszusteigen. Auch Europa ist noch abhängig von fossilen
       > Importen.
       
 (IMG) Bild: Europa ist vor allem fürs Autofahren und Heizen weiter auf den Import fossiler Brennstoffe angewiesen
       
       afp/taz | Im kolumbianischen Küstenort Santa Marta beginnt am Freitag die
       erste internationale Konferenz zum Ausstieg aus den fossilen Energien. Nach
       zunächst viertägigen Beratungen von Vertretern der Zivilgesellschaft
       tauschen sich dann am kommenden Dienstag und Mittwoch Regierungsvertreter
       von mehr als 50 Ländern unter dem Eindruck der gegenwärtigen Ölkrise aus.
       
       Konkret geht es darum, [1][wie eine globale Transformation weg von den
       klimaschädlichen Energieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas gelingen kann].
       
       Zu den Teilnehmerstaaten gehören Industrie-, Schwellen- und
       Entwicklungsländer, von denen viele selbst Kohle, Öl oder Gas fördern. Die
       Bundesregierung wird [2][von Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth
       vertreten]. Die Konferenzausrichter Kolumbien und Niederlande wollen
       Staaten miteinander vernetzen, die beim Klimaschutz vorangehen wollen.
       
       Die Initiative ist auch eine Reaktion auf die [3][oftmals langwierigen und
       zähen Verhandlungen auf UN-Ebene], bei denen die mehr als 190
       Mitgliedstaaten einen Konsens finden müssen.
       
       „Die Konferenz ist für die am wenigsten entwickelten Staaten von großer
       Bedeutung“, sagte Sabine Minninger von der Entwicklungsorganisation Brot
       für die Welt. Obwohl diese Länder am wenigsten zu den globalen Emissionen
       beitrügen, seien sie am stärksten von den Folgen des Klimawandels
       betroffen.
       
       „Afrika ist reich an erneuerbaren Energiequellen, die bislang jedoch kaum
       genutzt werden“, sagte Minninger. Millionen Menschen hätten noch immer
       keinen Zugang zu Elektrizität und sauberen Kochmöglichkeiten. „Die
       Konferenz in Santa Marta bietet eine entscheidende Gelegenheit, diese
       Ungerechtigkeit zu korrigieren.“
       
       ## EU muss viele fossile Brennstoffe importieren
       
       Die Energieversorgung der Europäischen Union ist weiterhin in hohem Maße
       von Gas- und Ölimporten aus Nicht-EU-Ländern geprägt.
       
       Im Jahr 2024 lag die Importabhängigkeitsquote der EU nach Angaben des
       Statistikamts Eurostat bei 57 Prozent, die eigene Produktion deckte nur 43
       Prozent des Bedarfs. Zugleich waren fast die gesamten Energieimporte
       fossile Brennstoffe, vor allem Öl und Gas.
       
       Bei der eigenen Energieproduktion dominieren in der EU mittlerweile die
       erneuerbaren Quellen. 2024 standen sie für 48,1 Prozent der Produktion,
       gefolgt von der Atomkraft mit 28,2 Prozent und sogenannten festen
       Brennstoffen – in erster Linie Kohle – mit 15,2 Prozent. Auf der
       Verbrauchseite standen die Erneuerbaren dennoch nur für rund 25 Prozent.
       
       Zwei Drittel der Energieimporte entfielen 2024 auf Erdöl und Erdölprodukte.
       Damit war Öl mit 37 Prozent der am meisten verbrauchte Energieträger in der
       EU, insbesondere im Transportsektor. Erdgas machte 24 Prozent der Importe
       und 21 Prozent des Verbrauchs aus. Kohleimporte spielten mit 4 Prozent eine
       untergeordnete Rolle im Importmix, genau wie Energie aus erneuerbaren
       Quellen.
       
       ## Russland ist nicht mehr ganz so wichtig für die EU
       
       Die EU hat ihre Lieferquellen inzwischen immerhin diversifiziert. Beim
       Erdöl waren die USA 2024 der wichtigste Lieferant, standen aber dennoch nur
       für 16 Prozent der Importe. Norwegen lieferte 12, Kasachstan 9 und
       Saudi-Arabien 8 Prozent.
       
       Bei Erdgas ist Norwegen mit 30 Prozent der wichtigste Partner, gefolgt von
       den USA (17 Prozent). Algerien und Russland lieferten jeweils 14 Prozent
       der Nettoimporte. Importierte Kohle kam vor allem aus Australien und aus
       den USA.
       
       Die Reduzierung der Importabhängigkeit im Energiebereich ist ein erklärtes
       politisches Ziel der EU und ihrer Mitgliedstaaten, und es gibt durchaus
       Fortschritte. So ist der Anteil der Erneuerbaren in den vergangenen Jahren
       stark gestiegen. Auch ist der Primärenergieverbrauch in der EU rückläufig.
       Dennoch besteht eine strukturelle Abhängigkeit von fossilen Importen,
       insbesondere durch den Erdölbedarf des Verkehrssektors und den Erdgasbedarf
       von Industrie und Haushalten.
       
       24 Apr 2026
       
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