# taz.de -- Petition gegen Nacktbilder übergeben: Verpixelte, fragile Gerechtigkeit
       
       > Die Initiative HateAid hat eine verpixelte Justitia-Statue vor dem
       > Bundestag enthüllt – und übergibt eine Petition gegen Nacktbilder.
       
 (IMG) Bild: Mahnung gegen Nacktbilder im Internet: Justitia-Statue
       
       Wer die Enthüllung der Justitia an diesem Donnerstag erleben will, muss
       Absperrungen umgehen. Wegen einer parallel stattfindenden
       Iran-Demonstration ist der direkte Zugang dicht, der eigentliche Standort
       verlegt. Genauer gesagt muss man den ganzen Bundestag umrunden, bis man auf
       der anderen Seite der Marschallbrücke fündig wird.
       
       Hier, am Straßenrand mit Blick auf das Reichstagsgebäude, will die
       Organisation HateAid neben einer Justitia-Statue die Petition „Unsere
       Nacktbilder sind nicht euer Business“ an die Politik übergeben. Die Staue
       ist bleiweiß, trägt ein Schwert am Gürtel und reckt den rechten Arm in die
       Höhe, in der Hand eine Waage. Alles wie gewohnt. Bis auf die großflächigen
       Pixel in Fleischfarben an der Brust und im Intimbereich. Es ist ein
       mühsamer Anreiseweg zu einem Thema, das für viele Frauen nicht nur ein paar
       Minuten Umweg, sondern einen lebenslangen Spießrutenlauf bedeutet:
       bildbasierte sexualisierte Gewalt.
       
       Die Aktivistin Kristina Lunz findet in ihrer Ansprache deutliche Worte: „KI
       macht es massentauglich und der Rechtsstaat schaut zu.“ Sie berichtet von
       ihren eigenen Erfahrungen mit Hetze im Internet. Der Täter habe sich der
       Verfolgung entziehen können, indem er sich einfach aus Deutschland
       abmeldete. Lunz fordert eine nationale Strategie gegen diese „männliche
       Gewalt“. Unter den Anwesenden brandet bei diesen Worten Applaus auf. Die
       meisten Männer sind als Fotografen und Pressevertreter erschienen. Alle
       lauten Jubelrufe sind weiblich.
       
       ## Das Geschäft mit der Demütigung
       
       Die Geschäftsführerinnen von HateAid, Josephine Ballon, untermauert die
       Dringlichkeit mit Zahlen. Mehr als 50.000 Menschen hätten die Petition
       unterzeichnet. Mittlerweile reicht ein LinkedIn-Profilbild oder ein Foto
       von einer Dating-App, um täuschend echte Videos herzustellen. Videos, in
       denen Frauen in Unterwäsche gezeigt werden. In denen sie vollkommen nackt
       sind. Sich in expliziten Posen zeigen oder wie sie sexuelle Handlungen an
       anderen vornehmen.
       
       „Diese Anwendungen, die das möglich machen, liegen frei verfügbar und
       kostenlos im App-Store und im Internet“, ergänzt Ballon. Das Problem sei
       systemisch: Ein ganzes Ökosystem aus Apps und Suchmaschinen verdiene an der
       Gewalt mit, die vor allem Frauen angetan werde. Dabei seien nicht nur
       Prominente wie etwa [1][Collien Fernandes] betroffen: „Weil der Ex-Partner
       sich rächen möchte, der Arbeitskollege beleidigt ist oder die
       Onlinebekanntschaft sich gekränkt fühlt, wenn man kein Date wollte.“
       
       Allein im vergangenen Jahr habe HateAid 300 Betroffene in diesem Bereich
       beraten. In Deutschland sei nicht einmal die Erstellung solcher Deepfakes
       strafbar. Eine Umfrage im Auftrag ihrer Organisation hat jedoch ergeben:
       [2][89 Prozent der Bevölkerung sind dagegen, dass App- und
       Webseitenanbietern mit solchen Inhalten Geld verdienen.]
       
       ## „Gerechtigkeit ist fragil“
       
       Prominente Frauen wie Aktivistin Theresia Crone und Moderatorin Ruth
       Moschner sind ebenfalls erschienen, um ihre Unterstützung zu signalisieren.
       Crone spricht selbst kurz über [3][ihre eigene Betroffenheit mit dem
       Thema], zieht sich dann in die hinteren Reihen zurück.
       
       Drei Mitglieder des Bundestags nehmen die Petition mit einer kleinen
       Miniaturversion der verpixelten Justitia-Statue einzeln entgegen: Armand
       Zorn (SPD), Till Steffen (Grüne) und Clara Bünger (Die Linke) schwören
       jeweils vor den Kameras und mit Mikrofon, sie als Handlungsauftrag zu
       verstehen.
       
       Bei der Übergabe an Steffen bricht eine Waagschale der kleinen Justitia ab.
       Ballon drückt sie ihm in die Hand, lacht ins Publikum: „Die Gerechtigkeit
       ist fragil.“
       
       23 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Demo-gegen-sexualisierte-Gewalt-im-Netz/!6164962
 (DIR) [2] https://hateaid.org/geschaeft-mit-nicht-einvernehmlichen-sexualisierten-deepfakes-verbieten/
 (DIR) [3] https://www.spiegel.de/panorama/berlin-collien-fernandes-demo-gegen-digitale-gewalt-interview-mit-organisatorin-theresia-crone-a-0434abde-39a0-48f3-a793-36d808906623
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pauline Cruse
       
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