# taz.de -- Kampagne stärken, KI-Software anschaffen: Schleswig-Holstein legt Plan gegen sexualisierte Gewalt vor
> 1,8 Millionen Euro will die Landesregierung für mehr Schutz vor digitaler
> sexualisierter Gewalt ausgeben. Der Fall Collien Fernandes gab den
> Anstoß.
(IMG) Bild: Nach Bekanntwerden des Falls Collien Fernandes gab es bundesweit Proteste: Schleswig-Holstein zieht Konsequenzen
Die Landesregierung Schleswig-Holsteins will mit einem 10-Punkte-Plan gegen
digitale sexualisierte Gewalt vorgehen. „Wir sitzen hier zu viert. Wären
wir fünf Frauen, wäre statistisch eine von uns von digitaler sexualisierter
Gewalt betroffen“, sagte Schleswig-Holsteins Gleichstellungsministerin
Aminata Touré (Grüne) am Montag zum Auftakt einer Pressekonferenz in Kiel.
Sie stellte mit Innenministerin Magdalena Finke (CDU) sowie den zuständigen
Vertreterinnen der Regierungsfraktionen, Birte Glißmann (CDU) und Catharina
Nies (Grüne), [1][einen Maßnahmenkatalog gegen diese Form der Gewalt] vor,
die überwiegend Frauen, aber auch Männer trifft.
Schleswig-Holstein starte „nicht bei null“, betonte Touré. Unter anderem
gibt es [2][im Land vergleichsweise viele Frauenhausplätze], und der Bau
weiterer Schutzhäuser ist bereits beschlossen. Auch das System der
Frauenberatungsstellen ist einigermaßen gut ausgebaut. Nun nimmt die
schwarz-grüne Landesregierung Geld in die Hand, um der digitalen
sexualisierten Gewalt entgegenzuwirken. Für insgesamt 1,8 Millionen Euro
sollen zehn Maßnahmen umgesetzt werden.
Unter anderem startet eine Kampagne, um bereits bestehende Angebote wie das
[3][Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116016] bekannter
zu machen. Mitarbeiter:innen der Frauenberatungsstelle sowie in der
Kinder- und Jugendhilfe sollen lernen, digitale Fallen zu erkennen. Touré
nannte als Beispiel Apps, die auf ein Smartphone aufgespielt oder
Trackingtools, die heimlich in Kleidung versteckt werden – mit ihnen könnte
ein Mann seine Frau und Kinder finden, die sich in einem Frauenhaus
versteckt halten.
## Konsequenzen aus dem Fall Collien Fernandes
Eine weitere Maßnahme wendet sich an möglicherweise Betroffene: Sie
erhalten Tipps, wie sie herausfinden, ob jemand [4][pornografische
Deepfakes] von ihnen verbreitet oder ob Fakeprofile unter ihrem Namen
erstellt wurden.
Um beides ging es im [5][Fall Collien Fernandes], über den im März zuerst
der Spiegel berichtet hatte. Die Schauspielerin hatte entdeckt, dass es im
Internet Fakeprofile unter ihrem Namen gab, über die, scheinbar von ihr
selbst, pornografisches Material verbreitet wurde. Fernandes beschuldigt
ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, der die Vorwürfe
zurückweist und für den die Unschuldsvermutung gilt.
Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt zurzeit wieder in dem Fall. Eine
Anzeige hatte Fernandes dort bereits vor mehr als eineinhalb Jahren
gestellt, die Ermittlungen waren zwischenzeitlich eingestellt worden.
Inzwischen sieht die Staatsanwaltschaft nun einen Anfangsverdacht, dem sie
nachgeht. Ein weiteres Verfahren in Spanien, wo das Schauspielerpaar
gewohnt hatte, ist zurzeit ausgesetzt.
Nach Bekanntwerden des Falls gab es [6][bundesweit Proteste]. Die Kieler
Ministerin Touré hatte damals bereits angekündigt, nicht nur das auf
Bundesebene geplante Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt zu
unterstützen, sondern im Land eigene Maßnahmen zu ergreifen.
## Schutz soll verbessert werden
Ihre Kabinettskollegin Magdalena Finke nannte es ein zentrales Anliegen,
den Schutz zu verbessern, denn der reiche bisher nicht aus. Die
Innenministerin will der Polizei mehr Handhabe gegen die meist männlichen
Täter geben. Unter anderem soll die digitale Gewalt in den Lageberichten
deutlicher herausgestellt werden, um auf Basis konkreter Zahlen
[7][Schlüsse für die Strafverfolgung] ziehen zu können.
Mit neuer Software sollen Beamt:innen unter anderem Smartphones von
potentiellen Täter:innen schneller durchleuchten, um strafbare Bilder
oder Spionageprogramme zu finden. Mit KI-Hilfe könnten große Menge an Daten
gescannt werden, um Pornos zu entdecken. Dazu sollen Polizeikräfte besser
geschult werden, zudem will das Land weitere 18 Stellen für
Cyberananlyst:innen schaffen.
Auch das Bildungs- und das Justizministerium sind beteiligt. So erhält die
Kieler Anti-Gewalt-Beratungsstelle „Petze“ den Auftrag, pädagogische
Fachkräfte zu schulen. Auch Jurist:innen sollen sich weiterbilden, unter
anderem, um Social-Media-Plattformen besser zu regulieren und Opfern bei
der Beweissicherung zu helfen.
Grundsätzliches Lob für den Regierungsvorstoß kommt von der SPD-Fraktion im
Landtag. Aber der Fachsprecherin Sophie Schiebe fehlt eine „nachhaltige
Gesamtstrategie“. Die will ihre Fraktion in der kommenden Landtagssitzung
fordern. Das Ziel sei, „sexualisierter Gewalt im Netz strukturell den Kampf
anzusagen“.
Das gemeinsame Ziel ist aber klar: „Wir müssen als Staat Frauen besser vor
männlicher Gewalt schützen“, so Touré. Zurzeit seien Frauen von digitaler
Gewalt betroffen. Grundsätzlich aber sei es „dieselbe Gewalt, die Männer
schon immer ausgeübt haben“.
27 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/VIII/_startseite/Artikel_2026/II/260427_massnahmenpaket_digitale_gewalt?nn=e65d7965-27f2-43e0-b3d4-54a5dcf3a9ba
(DIR) [2] /Feministinnen-ueber-Latzhosenjahre/!6033177
(DIR) [3] http://www.hilfetelefon.de/
(DIR) [4] /FAQ-zu-Deepfake-Pornografie/!6164708
(DIR) [5] /Fall-Collien-Fernandes/!6173072
(DIR) [6] /Es-reicht-in-Hamburg/!6166442
(DIR) [7] /Gewaltbegriff-in-der-Justiz/!6172436
## AUTOREN
(DIR) Esther Geißlinger
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