# taz.de -- Pressemenschen als Freiwild: Israel tötet libanesische Journalistin Amal Khalil
> Die Journalistin war mit einer Fotoreporterin unterwegs, um über Angriffe
> auf das Dorf Bint Jbeil zu berichten. Dort starb sie dann selbst.
(IMG) Bild: Die libanesische Journalistin Amal Khalil wurde bei einem israelischen Angriff getötet
Amal Khalil liebte Südlibanon, es war nicht nur ihr Berichtsgebiet als
Reporterin für die Zeitung Al-Akhbar, sondern ihre Heimat. Am Mittwoch
wurde sie getötet.
Die 42-Jährige wurde in dem Dorf Baysariyyeh in Südlibanon geboren. Dort
lebte sie auch. In einem kleinen Innenhof hatte sie Zitronen-, Orangen-,
Apfel- und Avocadobäume gepflanzt. Katzen, die sie gerettet hatte, wohnten
ebenfalls im Haus. „Wäre Amal keine Journalistin, dann würde sie ihr Leben
der Rettung von Tieren widmen“, sagte ein Nachbar dem unabhängigen Medium
„The Public Source“ über sie.
Seit dem Krieg mit Israel im Jahr 2006 berichtete Khalil für die
libanesische Zeitung Al Akhbar aus dem Süden des Landes. The Public Source
sagte Khalil, ihre Berichterstattung ziele darauf ab, die Widerstandskraft
der Bewohner in den libanesischen Grenzdörfern hervorzuheben. „Ich
widerlege das Narrativ des Feindes, wonach lediglich militärische Ziele
angegriffen würden, indem ich Beweise dafür vorlege, dass sie Wohnhäuser
und Bauernhöfe bombardieren und Kinder töten“, sagte sie.
Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, über das Leid der Menschen und die
Zerstörung ihrer Häuser in Südlibanon zu berichten – und israelische
Verbrechen zu dokumentieren. Ihr letzter Bericht beschreibt, wie
israelisches Militär mit Bulldozern in Südlibanon Häuser zerstört und
abreißt– trotz Waffenruhe.
Das israelische Militär und der israelische Militärdienst drohten ihr
mehrere Male. Am 25. August 2024 habe sie nach eigenen Angaben direkte
Drohungen vom Mossad auf ihrem Handy bekommen. „Es handelte sich um
unverhohlene Morddrohungen. Sie sagten wörtlich: „Wir werden deinen Kopf
von deinem Körper trennen, wenn du den Süden nicht verlässt.“ Es folgten
Nachrichten auf ihr privates Handy. „Viele davon enthielten persönliche
Details, mit der Absicht, mir das Gefühl zu vermitteln: Wir kennen dich
ganz genau.“ Schließlich riefen sie bei ihrem Arbeitgeber an und drohten,
das Verlagshaus anzugreifen, sollte sich die Journalistin nicht aus dem
Süden zurückziehen. „Sie wollen mich daran hindern, mich frei auf meinem
eigenen Land zu bewegen.“
Die Todesdrohungen hielten sie nicht ab. „Wenn ich früher mein Auto
startete und mich – manchmal ganz allein – zwischen diesen Dörfern bewegte,
war ich mir des Risikos bewusst, dass ich selbst getötet werden könnte.
Andere Leute rieten mir zwar immer wieder, ich solle mich zurückziehen –
doch ich bin diesen Menschen absolut ebenbürtig. Ich bin keineswegs jemand
Besseres als andere Menschen.“
Am Mittwoch war Khalil mit der Fotojournalistin Zeinab Faraj unterwegs, um
über Angriffe auf das Dorf Bint Jbeil zu berichten. Medienberichten zufolge
waren die Journalistinnen auf der Hauptstraße im Dorf Al Tayri unterwegs,
als ein ziviles Auto vor ihnen angegriffen wurde. Sie suchten Schutz in
einem Gebäude, was ebenfalls angegriffen wurde. Nach Medienberichten und
Aussagen von Kollegen, gab Khalil zuletzt gegen 16.10 Uhr ein
Lebenszeichen, rief ihre Familie und das libanesische Militär an.
Als das Rote Kreuz vor Ort war, beschoss das israelische Militär laut
libanesischem Gesundheitsministerium den Krankenwagen direkt. Unter aktivem
Beschuss gelang es den Rettungskräften, Faraj mit schweren
Kopfverletzungen, sowie zwei weitere tote Zivilisten zu bergen; wegen des
anhaltenden Artilleriebeschusses auf die Rettungsteams mussten sie sich
zurückziehen. Khalil blieb in den Trümmern zurück und starb.
23 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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