# taz.de -- Pressefreiheit in Nahost: Kritik an KI-Bild
> Israels Armee tötete in Libanon einen Journalisten und behauptete, er sei
> Terrorist gewesen. Dafür steckte sie ihn mittels KI in eine
> Hisbollah-Uniform.
(IMG) Bild: Nehmen’s mit der Wahrheit nicht so genau: Die IDF hat mal wieder einen Journalisten zum Terroristen erklärt
Tel Aviv kna | Der Auslandspresseverband (FPA) in Israel kritisiert die
israelische Armee für die Veröffentlichung eines digital manipulierten
Bilds, das einen Journalisten zeigen soll, der bei einem israelischen
Angriff im Libanon getötet wurde.
Am 28. März hatten die Streitkräfte auf X ein digital manipuliertes Foto
gepostet, das den libanesischen Journalisten Ali Hassan Shaib zeigt. Seine
rechte Körperhälfte war auf dem Bild in einer Jacke mit der Aufschrift
„Press“ zu sehen, die andere Körperhälfte steckte in einer Uniform der
Terrororganisation Hisbollah. Einen Hinweis, dass der Bildausschnitt mit
Shaib in der Uniform der [1][Hisbollah] künstlich erzeugt worden war, gab
es nicht.
Mit dem Foto gab die israelische Armee bekannt, dass Shaib getötet worden
ist, und beschuldigte ihn, unter dem „Deckmantel des Journalismus“ ein
Hisbollah-Terrorist zu sein. Einen Tag nach der Veröffentlichung räumte ein
Armeesprecher auf X ein, dass das Foto digital bearbeitet worden war. Er
postete ein verschwommenes Foto von einem Mann in einer Militäruniform vor
einem Panzer, das laut dem Sprecher Shaib in einer Hisbollah-Uniform zeigen
soll. Diese Information lässt sich nicht unabhängig überprüfen.
## Presseverband mahnt, wachsam mit IDF-Material umzugehen
Die FPA kritisiert die Verwendung von KI-generiertem Material nun scharf:
„Das Bild wurde verwendet, um einen Journalisten zu diskreditieren, der
[2][gemeinsam mit zwei Kollegen bei einem gezielten Angriff Israels am 28.
März 2026 in Libanon getötet] wurde.“ Das Foto hätte die Armee niemals
verbreiten dürfen, so der Verband weiter. Der unangemessene Einsatz von KI
durch die israelische Armee werfe „Fragen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit
anderer von ihr verbreiteter visueller Informationsmaterialien auf“.
Während der aktuellen Kriege habe die israelische Armee immer wieder
Journalist*innen als Terrorist*innen bezeichnet und mit ungenauen
Informationen Zweifel gesät. So seien seit dem Angriff der Hamas auf Israel
am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Krieg in Gaza mehr als 200
palästinensische Journalist*innen getötet worden. „Israel hat
behauptet, dass einige von ihnen Kämpfer waren. In vielen Fälle hat die
Armee aber nur wenige oder keine Beweise für diese Behauptungen vorgelegt“,
so die FPA.
Der Presseverband hält seine Mitglieder dazu an, wachsam mit Material
umzugehen, das von der israelischen Armee herausgegeben wird. Außerdem
weist der Verband darauf hin, dass Journalist*innen im Krieg keine
Angriffsziele sein dürfen.
15 Apr 2026
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