# taz.de -- Iraner Reza Pahlavi in Berlin: Viele Appelle, keine Lösungsvorschläge
       
       > Am Donnerstag war Reza Pahlavi in Berlin, der exilierte Sohn des
       > gestürzten iranischen Schahs. Die Bundesregierung empfing ihn nicht. Er
       > war sauer.
       
 (IMG) Bild: Der Schah-Sohn Pahlavi ist in Berlin zu Besuch
       
       Der exilierte Sohn des gestürzten iranischen Schahs, Reza Pahlavi, ist nach
       Berlin gekommen. Dort will er das politische Gespräch suchen – die
       Bundesregierung empfängt ihn jedoch nicht. Das sei eine „Schande“, sagte er
       im Rahmen der Bundespressekonferenz. Und verteilte auch sonst viele
       Vorwürfe, etwa gegenüber den anwesenden Journalistinnen und Journalisten.
       
       Wo blieben, fragte er beispielsweise, die Investigativrecherchen zu den
       Prozessen, die den politischen Gefangenen in Iran gemacht werden? Wo
       blieben die Berichte über die vielen Iranerinnen und Iraner, die nach den
       Protesten am 8. und 9. Januar hingerichtet wurden? Die Presse solle mit
       Iranerinnen und Iranern reden, Informationen suchen. Tatsache ist, dass in
       den meisten deutschen Medien – und auch der taz – immer wieder [1][kritisch
       über die Lage in Iran] berichtet wird. Dass zudem die anhaltende
       Netzblockade seitens des Regimes die Berichterstattung erschwert, räumte
       auch Pahlavi ein.
       
       Pahlavi erklärte am Donnerstag in Berlin noch einmal: Der Krieg sei eine
       „humanitäre Intervention“, nach der die Bevölkerung gerufen habe. Das
       trifft sicherlich in Teilen zu, haben sich doch auch Kontakte der taz in
       Iran wiederholt für Hilfe von außen im Kampf gegen das Regime
       ausgesprochen. Wie repräsentativ sie allerdings für die Gesamtbevölkerung
       sind, ist unklar.
       
       ## Will Europa zum iranischen Volk stehen oder aufseiten „des Bösen“?
       
       Pahlavi appellierte: Die europäischen Regierungen müssten sich entscheiden,
       ob sie aufseiten des iranischen Volkes stünden – oder aufseiten „des
       Bösen“. Das Regime sei „ein verwundetes Biest“.
       
       Auch das ist an sich nicht falsch: Die iranische Führungsriege ist
       glaubhaften Berichten zufolge tief gespalten. Auf der einen Seite sitzen
       die Hardliner der Revolutionsgarden unter der Führung von General Ahmad
       Vahidi. Auf der anderen Seite die politische Riege von Parlamentssprecher
       Mohammed Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi. Sie gelten
       verhältnismäßig als pragmatischer und eher gewillt, einen Deal mit den USA
       zu einem dauerhaften Ende des Kriegs einzugehen.
       
       Doch aus dieser Spaltung konnte die gegnerische Kriegspartei, die USA,
       bislang keine Vorteile ziehen. Im Gegenteil. US-Präsident Donald Trump
       verlängerte jüngst auf unbefristete Zeit eine ursprünglich vierzehntägige
       Waffenruhe – mit der Begründung, man warte auf eine „einheitliche Antwort“
       Teherans auf Vorschläge in den Verhandlungen. Die USA nutzen die Pause zum
       Aufbau weiterer militärischer Kapazitäten im Nahen Osten – genauso wie
       Iran. Das Regime füllt seine Raketenbestände auf, arbeitet an der
       Funktionsfähigkeit der Abschussrampen.
       
       Am Boden liegt das Regime – nach acht Wochen der Intervention seitens USA
       und Israel – also nicht.
       
       ## Pahlavi fordert von Europa mehr Handeln
       
       Pahlavi fordert außerdem von Europa mehr Handeln: Europa dürfe das Regime
       nicht legitimieren und nicht mit „Terroristen“ verhandeln. Konkret werden
       seine Forderungen nicht.
       
       Tatsächlich hätte die europäische Politik beispielsweise viel früher die
       Revolutionsgarden auf die Sanktionsliste setzen können, hätte sich stärker
       hinter die finanzielle Beschneidung des Regimes klemmen können. [2][Man
       denke etwa an das Frankfurter Hotel, das über eine Reihe von Umwegen wohl
       Mojtaba Chamenei gehört.]
       
       Doch letztlich bleibt immer die gleiche Frage im Raum stehen: Was hilft
       wirklich gegen dieses Regime? Sanktionen und eine Terrorlistung haben einen
       limitierten Effekt. Auch Verhandlungen haben in der Vergangenheit kaum
       etwas gebracht: Während der Atomdeal von 2015 bis 2018 zwar die nuklearen
       Ambitionen des Regimes zeitweise begrenzte, rüstete es in diesem Zeitraum
       weiter seine Milizen auf, lieferte sich Stellvertreterkriege unter anderem
       in Syrien und unterdrückte die eigene Bevölkerung.
       
       Auch der Krieg von USA und Israel mit Iran konnte bislang nicht das
       Ergebnis erzielen, das sich die beiden angreifenden Staaten wohl gewünscht
       hätten. Operativ lief es für die Angreifenden nicht schlecht: Sie
       erreichten früh eine gewisse Lufthoheit, töteten den Obersten Führer Ali
       Chamenei und weitere wichtige Köpfe. Doch die wuchsen gleich nach. Und ein
       strategischer Vorteil ließ sich daraus bislang kaum ziehen. Auch weil die
       Islamische Republik ihre Geografie – vor allem die angrenzende Meerenge der
       Straße von Hormus – nutzte, um die Weltwirtschaft und damit auch die USA
       unter Druck zu setzen.
       
       Pahlavi fordert: „Helft den Iranern, dieses Regime zu stürzen.“ Nur wie –
       darauf hat auch er keine Antwort. Es bleibt bei Phrasen. Und bei Vorwürfen.
       
       Nach der Pressekonferenz wurde Pahlavi mit einer roten Flüssigkeit
       bespritzt. Der Täter wurde zu Boden gebracht und von der Polizei
       festgenommen. Ein Polizeisprecher sagte, dass der Mann zu seiner Identität
       und seinem Motiv befragt werde.
       
       In einer ersten Mitteilung hatte die Polizei von einem Tomatenwurf
       gesprochen, änderte ihre Angaben aber später und sprach dann lediglich von
       einer roten Flüssigkeit. Aus Pahlavis Team hieß es, es sei Tomatensoße
       gespritzt worden. Der Politiker wurde an Hals und Schulter beschmiert. Er
       reagierte gelassen auf den Vorfall und winkte anschließend seinen
       Unterstützern vor dem Gebäude zu.
       
       23 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Iran-und-der-Krieg/!6171270
 (DIR) [2] https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-02-12/hilton-reviews-frankfurt-hotel-deal-amid-iranian-ownership-scrutiny
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
       ## TAGS
       
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