# taz.de -- Kriminalbeamter zu Gewalt gegen Frauen: Das Risiko Mann
> Ein kritischer Satz über Männer als Gefahr für Frauen geht viral, weil er
> von einem Mann kommt. Dabei spricht die Statistik für sich.
(IMG) Bild: Für Frauen ist das Leben ohne Mann ungefährlicher, zumindest statistisch gesehen
Hat er das wirklich gesagt? Im Öffentlich-Rechtlichen? Ein Mann? Keiner,
der auf Instagram mit Oberlippenbart über kritische Männlichkeit spricht,
sondern einer von der Polizei? Das fragte ich mich, als mein Instagram-Feed
mir den Ausschnitt aus dem „heute journal“ vom Montagabend zeigte. Im Netz
sorgt er für Beifall und Empörung.
In dem Ausschnitt fragt Moderatorin Dunja Hayali den Vorsitzenden des
Bundes Deutscher Kriminalbeamten, Dirk Peglow, was er Frauen raten würde
angesichts [1][der gestiegenen Fälle] von Vergewaltigungen und
Sexualdelikten in der [2][aktuellen Kriminalitätsstatistik] der Polizei.
Die Antwort: „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine
Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer
von psychischer oder physischer Gewalt zu werden.“
Noch bevor Peglow seinen Rat mit ernster Miene zu Ende gesprochen hat, ist
zu hören, wie Dunja Hayali im Hintergrund lacht. Auch ich musste lachen,
als ich den Interviewausschnitt sah. Weil ich es im ersten Moment für zu
schön hielt, um wahr zu sein.
Er sagte das, was eigentlich schon so lange klar ist. Was Emilia Roig,
Beatrice Frasl, Pauline Harmange und andere feministische Autorinnen
seitenlang in ihren Büchern aufgeschrieben haben. Was alle Mitarbeiterinnen
in Frauenschutzhäusern berichten. Was Social-Media-Trends wie
[3][„boysober“] und „decentering men“ oder die 4B-Bewegung in Südkorea auf
den Punkt bringen. Was ich und fast ausnahmslos all meine heterosexuellen
Freundinnen erlebt haben, seitdem sie romantische Beziehungen mit Männern
eingehen.
Dass sie ein Risiko sind. Dass sie der Seele und dem Körper schaden können,
Vertrauen erschüttern, Traumata hinterlassen, die nach der Trennung in
zahllosen Therapiestunden mühselig aufgearbeitet werden müssen – insofern
man das Glück hat, einen Therapieplatz zu finden.
## Gefühle und Socken hinterherräumen
Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Stimmt, nicht
alle Männer vergewaltigen oder fügen ihren Freundinnen physische oder
psychische Gewalt zu. Oft laden sie auch einfach nur einen Berg an Arbeit
auf deren Schultern ab. Hausarbeit. Emotionale Arbeit. Feministische
Aufklärungsarbeit. Erziehungsarbeit. Beziehungsarbeit.
Frauen räumen ihren Partnern häufig nicht nur deren liegen gelassene Socken
hinterher, sondern auch deren Gefühle, um die sie sich nicht kümmern,
Konflikte, denen sie aus dem Weg gehen. Weil die Männer keinen Bock auf
„Stress“ haben oder weil es sie überfordert, sich zu reflektieren oder –
geschweige denn – zu entschuldigen.
Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Stimmt, nicht
alle Männer führen ihre Freundinnen in den Burn-out. Aber dass die
Wahrscheinlichkeit nicht gering ist, dass eine Beziehung zu einem von ihnen
für eine Frau bedeutet, dass sie ungesünder, gestresster und ärmer wird als
ohne sie, haben in den letzten Jahren genug Studien nahegelegt.
Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Manche ganz
besonders laut. So wie die, die in den Youtube- und Instagram-Kommentaren
zu Dirk Peglows Aussage von Gehirnwäsche reden, von der Spaltung der
Gesellschaft, von Männerhass, ja gar von einem Männerverbot.
Dass Peglow es unmöglich ernst gemeint haben kann, dachte sich offenbar
auch die Bild und hakte nach, wie die Aussage des Kriminalexperten denn
jetzt zu verstehen sei mit den Männern und den Frauen. Dass er keinen
pauschalen Aufruf gegen Beziehungen zwischen beiden gegeben habe und auch
keinen Generalverdacht gegen Männer aussprechen wolle, sagte Peglow dem
Boulevardmedium.
Dass er weder das eine noch das andere getan hat, konnte bereits jeder
verstehen, der dem Kriminalexperten im Interview richtig zugehört hat,
anstatt sich von seinem gekränkten Männerego leiten zu lassen. Peglow
spricht von Statistiken – und die sprechen nun mal nicht für die Männer.
Wer das nicht aushält, ist selbst Teil des Problems.
22 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Laura Catoni
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