# taz.de -- Presse in Syrien: Deutsche Journalistin vermisst
> Eva Maria Michelmann arbeitete in Syrien für kurdische Medien. Im Januar
> wurde sie von Soldaten festgenommen und ist seitdem verschwunden.
(IMG) Bild: Die syrische Armee übernimmt die Kontrolle über Dutzende Städte und Dörfer im Nordosten des Landes, am 17.1.2026
Die Journalistin Eva Maria Michelmann ist in Syrien verschwunden. Am 18.
Januar wurde die Deutsche in der zuvor kurdisch kontrollierten Region
Rojava von Truppen der syrischen Übergangsregierung (STG) festgenommen.
Über ihren weiteren Verbleib ist nichts bekannt.
Die Armee der syrischen [1][Übergangsregierung griff im Januar die kurdisch
kontrollierten Gebiete im Norden Syriens] an und übernahm in weiten Teilen
der Region die Kontrolle. Dem bewaffneten Arm der kurdischen
Selbstverwaltung, den sogenannten Demokratischen Kräften Syriens (SDF), war
es wegen des schnellen Vormarsches der Truppen nicht gelungen,
Zivilist*innen aus dem Kriegsgebiet zu evakuieren. Einige
Zivilist*innen wurden während der Kampfhandlungen festgenommen,
darunter Michelmann und der kurdische Journalist Ahmed Polad.
Augenzeug*innen berichten, Michelmann und Polad hätten gemeinsam mit
anderen Zivilist*innen Zuflucht in einem Gebäude gesucht, das jedoch
später von STG-Truppen belagert wurde. Viele der Zivilist*innen seien
nach Verhandlungen mit der SDF an einen anderen Ort gebracht worden.
Michelmann und Polad sollten ebenfalls evakuiert werden, seien aber
verschwunden, nachdem sie in ein Fahrzeug der STG gesetzt wurden, [2][heißt
es in einer Pressemitteilung der Nichtregierungsorganisation] People’s
Bridge.
## Regierung hat noch keine Erkenntnisse
Dass das Verschwinden der beiden Medienvertreter*innen erst nach
mehr als einem Monat bekannt wurde, liegt an den unterbrochenen Kontakten
und der unübersichtlichen Situation im syrisch-kurdischen Konfliktgebiet.
„Erst nachdem Telefon und Internet wieder in Betrieb waren, wurde
festgestellt, dass sich Michelmann und Polad nicht in die weiterhin von der
kurdischen Selbstverwaltung gehaltenen Stadt [3][Kobanê] zurückziehen
konnten“, berichtet Rechtsanwalt Roland Meister der taz. Er vertritt die
Angehörigen von Michelmann.
Am vergangenen Dienstag appellierten auf einer Pressekonferenz in Köln die
Mutter der Verschwundenen, Rotraut Hake-Michelmann, und ihr Bruder Antonius
Michelmann, an das Auswärtige Amt, den Verbleib der Vermissten schnell
aufzuklären. Telefonisch betonte eine Mitarbeiterin des Auswärtigen Amts,
dass alle wesentlichen Stellen in Syrien und Umgebung benachrichtigt seien
und ein Foto von Michelmann weitergegeben wurde. Bisher lägen der deutschen
Regierung noch keine Ergebnisse vor.
Antonius Michelmann, Bruder der Verschwundenen, erfuhr erst vergangene
Woche vom Verschwinden seiner Schwester. Im Gespräch mit der taz betonte
er, dass er sich Sorgen mache, aber auch stolz sei. „Meine Schwester hat
sich schon lange für Menschen eingesetzt, denen es schlecht ging. Sie
engagierte sich bei Sozialberatungen oder der Flüchtlingssolidarität, in
Kölner Jugendheimen, für Frauen mit gewalttätigen Männern.“ In den
vergangenen Jahren sei Rojava, die kurdische Selbstverwaltung und die
dortige Organisierung der Frauen ein wichtiger Bezugspunkt für sie
geworden.
11 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kurdengebiete-in-Nordsyrien/!6149662
(DIR) [2] https://peoples-bridge.org/?p=1232&lang=de
(DIR) [3] /Schwerpunkt-Koban/!t5022304
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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