# taz.de -- Waffenexporte in Japan: Vertane Chance
       
       > Japans Premierministerin erlaubt Waffenexporte und bricht mit einer
       > nationalen Tradition. Eine Positionierung als Friedensmacht wäre klüger
       > gewesen.
       
 (IMG) Bild: Japans Premierministerin Sanae Takaichi
       
       Die konservative Premierministerin Sanae Takaichi bricht endgültig mit
       [1][Japans Pazifismus] der Nachkriegszeit und erfüllt damit das Vermächtnis
       ihres Mentors Shinzō Abe. Der ehemalige Premierminister trieb ab 2014 die
       Abkehr von der pazifistischen Außen- und Sicherheitspolitik seit der
       Niederlage im Zweiten Weltkrieg voran. Er erweiterte die
       Einsatzmöglichkeiten der Selbstverteidigungsstreitkräfte und erlaubte den
       Export von nicht tödlicher Militärausrüstung ins Ausland.
       
       Takaichi geht viel weiter, als Abe es jemals gewagt hat. Sie zog die
       laufende Verdoppelung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent der
       Wirtschaftsleistung um ein Jahr vor [2][und hob nun das Exportverbot für
       „tödliche Waffen“ auf]. Auch will sie mit ihrer Zweidrittelmehrheit im
       Unterhaus eine seit Langem diskutierte Verfassungsänderung anpacken, damit
       Japan seine Streitkräfte ohne Beschränkungen einsetzen kann. Die
       Regierungschefin würde Taiwan zusammen mit den USA gegen China verteidigen,
       wie sie unvorsichtigerweise im Parlament erklärte. Sicher, Takaichi hat
       gute Argumente für ihr Vorgehen: Chinas Hegemoniestreben, Nordkoreas
       Aufrüstung, der Schulterschluss von Russland mit China und Nordkorea. Aber
       mit ihrem schablonenhaften Freund-Feind-Denken vertut sie die historische
       Chance, Japan als Friedensmacht zu positionieren. Die Parteidiktatur der
       Kommunisten in Peking ist für die Länder Asiens ebenso wenig ein Vorbild
       wie der korrupte Brutalkapitalismus von Trump und seinem Team.
       
       Statt sich auf die Seite der USA zu schlagen, könnte Japan mit dem Ansehen
       und dem Respekt, den es weltweit genießt, zwischen den großen Machtblöcken
       vermitteln. Der Japan-Experte Jesper Koll spricht von einer „Pax
       Nipponica“, die auf kultureller und wirtschaftlicher statt militärischer
       Kraft beruht. Japan braucht die USA für seine Verteidigung und China für
       seine Wirtschaft. Dieser Balanceakt würde in der Rolle des Mediators viel
       besser gelingen als mit dem jetzigen Kurs.
       
       21 Apr 2026
       
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