# taz.de -- Wahlen in Japan: Sehnsucht nach starker Führung
       
       > In Japan hat die Dauerregierungspartei LDP es wieder mal geschafft, sich
       > an der Macht zu halten – mit einfachen Botschaften und autoritären
       > Tendenzen.
       
 (IMG) Bild: Japans Premierministerin Sanae Takaichi von der LDP ist die unbestrittene Wahlsiegerin der Parkamentswahlen
       
       Das uralte Rezept der Liberaldemokratischen Partei (LDP), die Japan seit
       1955 mit wenigen kurzen Unterbrechungen regiert, hat ein weiteres Mal
       funktioniert: Tausche den Vorsitzenden aus, damit die Wähler deine
       (Finanz-)Skandale vergessen, dann lässt sich die Macht zurückgewinnen.
       
       Die [1][LDP kürte Sanae Takaichi im Oktober zur neuen Chefin], weil der
       rechte Flügel sie als die einzige mögliche Erbin des Nationalisten Shinzo
       Abe betrachtete. Sie sollte die an Rechtspopulisten verlorenen Wähler
       zurückgewinnen. Das Kalkül ist perfekt aufgegangen: Takaichi hat laut den
       ersten Hochrechnungen womöglich mehr Mandate gewonnen als Abe zu seinen
       besten Zeiten.
       
       Japan wählt traditionell konservativ. Die Studentenrebellion der 1960er
       Jahre änderte daran nichts. Anders als in Deutschland verhinderte das
       Establishment den Marsch von Aktivisten der damaligen Zeit durch die
       Institutionen. Japans rasant alternde Gesellschaft stärkte die Tendenz zur
       Beharrung.
       
       Die soziale Tendenz zum Schweigen und zur Konfliktvermeidung stützte die
       politische Stabilität. Die Opposition nutzte den historischen Machtwechsel
       von 2009 nicht und wirkte in ihren Reaktionen auf die damalige Finanzkrise
       und die [2][Atom- und Tsunami-Katastrophe] inkompetent. Daher bekommen die
       Nachfolger der damaligen Demokratischen Partei bis heute keinen Fuß auf den
       Boden.
       
       ## Viele Wähler werden es bereuen
       
       Takaichis Erdrutschsieg erklärt sich auch daraus, dass Japan dem Trend in
       westlichen Demokratien zu einem nach innen gerichteten Nationalismus mit
       einer/m starken Anführer:in folgt. Die Wähler:innen entscheiden sich
       für Populisten wie Donald Trump oder eben auch Sanae Takaichi, weil ihnen
       das Gefühl gegeben wird, diese Führungsperson werde etwas gegen die
       Probleme unternehmen, sei es Inflation, Niedriglöhne oder
       [3][Einwanderung].
       
       Der Wahlkampf wird über soziale Medien mit einfachen emotionalen
       Botschaften geführt. Dabei gehen die ultrakonservativen Haltungen und
       autoritären Tendenzen dieser Politiker:innen unter. Viele Wähler
       werden ihre Begeisterung für Takaichi noch bereuen.
       
       9 Feb 2026
       
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