# taz.de -- Erinnerungskultur: „Ich glaube, die Menschen vergessen, wie es mal war“
> Unser Kolumnist besucht eine Synagoge, die lang beschädigt war. Er fragt
> sich, warum es Jahrzehnte dauerte bis man sie wieder renovierte.
(IMG) Bild: Ein Besuch bei einem jüdischen Friedhof
Christian Specht, Jahrgang 1969, ist politisch engagiert und setzt sich für
mehr Mitwirkungsmöglichkeiten von Menschen mit Beeinträchtigung in den
Medien ein. Seit 2017 ist er der erste Mensch mit Beeinträchtigung im
Vorstand der Lebenshilfe. Er hat ein Büro in der taz und zeichnet
(un)regelmäßig den „Specht der Woche“.
Ich war Freitag in der neuen Synagoge. Wenn man hereinkommt, muss man als
Allererstes durch eine Kontrolle. Die schauen, dass man kein Messer, keine
Pistole oder sonst so etwas dabei hat. Bei mir hat es gepiept wegen meines
Klemmbretts, das konnte ich zum Glück behalten.
Die Synagoge wurde damals von Nazis beschädigt und in der DDR
vernachlässigt. Jetzt sieht sie wieder aus wie neu. Aber trotzdem ist es
traurig, dass man sich so lange nicht darum gekümmert hat, vor allem weil
die in der DDR eigentlich antifaschistische Politik machen wollten. Danach
waren wir noch beim alten jüdischen Friedhof. Dort steht ein Denkmal mit
mehreren menschlichen Figuren. Was das bedeutet, weiß ich nicht.
Manchmal habe ich echt Angst, wenn man sieht, dass die Menschen in der
Nazizeit einfach mitgemacht haben und sich vielleicht auch nicht getraut
haben, etwas dagegen zu sagen. Ich habe das Gefühl, das könnte auch wieder
passieren. Letztens war ich in einem Ausschuss mit einem von der AfD, das
fand ich echt gruselig. Klar, man kann sagen, die werden gewählt, das ist
demokratisch, aber ich habe das Gefühl, die Menschen vergessen, wie es
damals war und wie es dazu kommen konnte.
Protokoll: Viktoria Isfort
26 Apr 2026
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(DIR) Christian Specht
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