# taz.de -- Landratswahl in Nordbrandenburg: Unterstatement aus der Uckermark
> Karina Dörk hat bei der Landratswahl in Nordbrandenburg die AfD
> geschlagen. Auch, weil sie eine Mischung aus Kompetenz und Coolness an
> den Tag legt.
(IMG) Bild: Karina Dörk, CDU-Landrätin des Landkreises Uckermark, hat ihr Amt gegen den AfD-Herausforderer Felix Teichner verteidigt
Das Auffälligste an der CDU-Landrätin Karina Dörk ist wahrscheinlich ihr
vollständiger Verzicht auf Show und Politik-Performance. Auch am
Sonntagabend trat die 61-Jährige nach ihrem klaren Sieg bei der
[1][Landratswahl in der Uckermark] wie immer auf: kühl, diszipliniert,
beherrscht.
In dem auch überregional viel beachteten Wahlkampf in der Uckermark hatte
der AfD-Kandidat Felix Teichner sie persönlich attackiert. AfD-Plakate
zeigten die Landrätin mit dem „rosa Winkel“, dem NS-Kennzeichen für
Homosexuelle. Das konnte man als hochaggressive Anspielung auf Dörks
Privatleben verstehen.
Dörk begab sich während des Wahlkampfs indes standhaft keinen Millimeter
auf das schmutzige Spielfeld des AfD-Herausforderers. Sie verzichtete auf
rechtliche Schritte gegen die AfD-Kampagne, hielt sich mit abwertenden
Bemerkungen über ihren Konkurrenten weitgehend zurück und setzte auf ihre
Erfahrung und ihre Leistungen in den vergangenen acht Jahren.
## Sachlich, ohne Triumphgesänge
Auch am Wahlabend reagierte Dörk sachlich und ohne Triumphgesänge, „Ich bin
überrascht worden, wie persönlich der Wahlkampf geworden ist“, sagte sie am
Sonntagabend. Man werde in den nächsten acht Jahren im Kreis fortsetzen,
was man in der Uckermark begonnen habe, so die nüchterne Ankündigung.
Dörk, geboren 1964, ist gelernte Diplom-Agraringenieurin und hat fast ihr
ganzes Leben in der Uckermark verbracht. Nach der Wende wurde sie dort
Unternehmerin und gründete einen Transportbetrieb. 2010 wurde sie
Vize-Landrätin in der Uckermark, 2015 gewann sie die Bürgermeisterwahl in
Straßburg, einer Kleinstadt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Seit
2018 ist sie Landrätin in der Uckermark und damit Chefin der
tausendköpfigen Kreisverwaltung in Prenzlau.
Ihr Job, den sie nun bis 2034 ausüben wird, ist ein Zwitter zwischen
Politik und Verwaltung. Landräte leiten die Kreisverwaltungen und sind an
Weisungen der Landesregierung gebunden. Das Gros des Kreishaushalts fließt
in Pflichtaufgaben.
Doch es gibt Spielräume. Dörk bestand im Wahlkampf darauf, dass – trotz
Minus im Etat – manche freiwilligen Leistungen erhalten bleiben. „Solange
ich etwas zu sagen habe, wird bei Jugendhilfe, dem öffentlichen Nahverkehr
und dem Krankenhaus nicht gekürzt“, so ihr Versprechen. Diese Haltung
machte es SPD, Linkspartei und Grünen leicht, sie, die auch Vize-Chefin der
CDU in Brandenburg ist, zu unterstützen.
Dörk ist außerdem seit Kurzem Präsidentin des Brandenburger Landkreistags.
Im CDU-Spektrum vertritt die Landrätin sozial engagierte Positionen – und
für [2][die Ost-CDU eine typische Haltung zum Ukrainekrieg]. 2024
unterzeichnete sie einen offenen Brief, in dem Kommunalpolitiker
Verhandlungen mit Russland forderten.
## Bekennende Merkel-Unterstützerin
Die bekennende Merkel-Unterstützerin trat im Jahr 2000 in die CDU ein.
Damals habe sie Helmut Kohl beeindruckt, weil der Ex-Kanzler sich gegen
allen Druck geweigert hatte, in der CDU-Spendenaffäre die Namen der
anonymen Spender zu nennen. Das war ein recht eigenwilliger Grund,
CDU-Mitglied zu werden.
Für einen Fehler hält Dörk es im Rückblick, dass sie der AfD, deren
Kernkompetenz Ressentimentbewirtschaftung ist, in sozialen Medien viel zu
wenig entgegengesetzt hat. Das müsse besser werden. Allerdings klingt das
vor allem nach einem Aufruf an sich selbst. Selbstvermarktung liegt ihr
einfach nicht.
20 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
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