# taz.de -- Expertenkommission zu Social Media: Kinderarzt könnte künftig über Gefahren aufklären
> Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche alleine bringt nichts: Die
> Kommission von CDU-Bildungsministerin Prien mahnt zu Aufklärung an – auch
> für Eltern.
(IMG) Bild: Mehr Aufklärung statt nur Verbote für Jugendliche
Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche alleine springt zu kurz. Zudem
fehle es an Beratungsangeboten für Eltern und an den Schulen wiederum an
einem Überblick, welche Präventionsprogramme zum digitalen Jugendschutz
überhaupt etwas taugen. Das sind im Kern die Schlussfolgerungen, die eine
18-köpfige, unabhängige Expertenkommission im Auftrag von
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) zieht. In der am Montag
veröffentlichten „Bestandsaufnahme“ heißt es, „eine systematische
Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der digitalen Transformation“
fände an den Schulen „nach wie vor zu wenig statt“.
Prien betonte, bei dem veröffentlichten Papier handle es sich nicht um
konkrete politische Handlungsempfehlungen. Die sollen erst Ende Juni
folgen. Aber man wolle mit dieser „Bestandsaufnahme“ eine Basis liefern,
damit die Debatte um Social Media künftig „evidenzbasierter“ geführt werden
könne. Es brauche eine „integrierte Gesamtstrategie“, die alle
gesellschaftlichen Bereiche von Jugendhilfe über Kinderärzte und Schule bis
hin zur Regulierung von Plattformen in den Blick nehmen, sagte Prien.
Tatsächlich war die Diskussion über die Social-Media-Nutzung von
Jugendlichen zuletzt [1][über ein SPD-Papier entbrannt]. Die Tech-Konzerne
belohnten auf ihren Plattformen süchtig machendes Verhalten wie
Endlosscrollen, Algorithmen beförderten Desinformation. Die Abgeordneten
aber auch amtierende SPD-Mininsterpräsident*innen und
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hatten deshalb Mitte Februar ein
Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren gefordert und einen
eingeschränkten Zugang bis 16 Jahre.
Hinzu kommt die Tatsache, dass viele europäische Länder wie Frankreich,
Großbritannien und Spanien inzwischen über ähnliche Verbote diskutieren und
teil sogar bereits im Gesetzgebungsverfahren sind. Und
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkündete am vergangenen
Mittwoch, dass das [2][Digital Identity Wallet] nun fertig entwickelt sei:
eine App zur Altersverifikation, das die Mitgliedsländer nutzen können. Das
hat zuletzt die Debatte auch in Deutschland angeheizt – und da will die
Bundesbildungsministerin nun wohl Tatkraft demonstrieren.
## Social-Media-Aufklärung beim Kinderarzt
„Wir hätten uns etwas weniger Diskussion über eine Altersbeschränkung
gewünscht“, sagt der Co-Vorsitzende der Expertenkommission, Olaf Köller.
„Das hat den Druck eher erhöht.“ Dabei sei ein Verbot alleine „zu kurz
gesprungen“. Vielmehr gehe es „um Schutz, Befähigung und Teilhabe“ für
Jugendliche im Digitalen. Schutz und Teilhabe dürften sich nicht
ausschließen, betonte der Psychologe: „Social Media ist gerade auch für
marginalisierte Jugendliche ein wichtiger Raum für die
Identitätsentwicklung“. Prien sagte, die von der EU vorgestellte App könne
„für eine bestimmte Altersgruppe Teil einer Lösung sein“.
Gerade auf die Eltern müsse man sich mehr als bisher konzentrieren – und da
insbesondere auf „vulnerable Gruppen“. Köller nannte beispielsweise Eltern
mit psychischen Erkrankungen. Als konkrete Maßnahme schlägt die Kommission
vor, eine „qualifizierte und strukturierte Aufklärung“ zu den Gefahren von
Social Media und künftig zu einem festen Bestandteil der
Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt zu machen.
Von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin heißt es dazu,
man sehe die regelmäßigen U-Untersuchungen durchaus als
„niedrigschwelligen, flächendeckend verfügbaren Interventionspunkt“, so
Generalsekretär Burkhard Rodeck. Allerdings sei das auch „eine
Leistungserweiterung, die entsprechenden Ressourcen müssen bereitgestellt
und finanziert werden.“
Mit Blick auf den Bereich Schule sagte Prien, man wisse „zu wenig über die
Evidenz der Programme“. Es gebe bereits viele Angebote, da brauche es nicht
unbedingt mehr, aber passgenauere Prävention.
## Lehrerverband gegen Verbot
„Wir scheitern nicht an der Angebotsfrage“, sagt auch
Lehrerverbands-Präsident Stefan Düll. Aber es sei eine Ressourcenfrage,
sowohl was Geld und Personal betreffe: „Einerseits müssen Konzepte
erarbeitet werden, deren Nutzen man regelmäßig überprüfen muss.
Andererseits brauchen die Schulen Gelder für Fachleute von außen und Zeit
für die Fortbildung der Kollegien.“
Von einem Social-Media-Verbot hält Düll nicht viel, das würde zudem
„Grundrechte verletzen“. Eine Altersstaffelung habe „eine gewisse Logik“,
sei aber „schwer zu kontrollieren und es fehlen Sanktionen“. In jedem Fall,
sagt auch Düll, brauche es die Eltern: Er schlägt verbindliche
Weiterbildungen vor, „eine Art Elternhochschule“. Die Lehrkräfte könnten
das allerdings nicht leisten, dafür bräuchte es andere Ressourcen.
Wie viel Geld die Digitale Rettungsstrategie für die Jugend kostet, will
Prien im Juni zusammen mit den konkreten Handlungsempfehlungen vorlegen.
20 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.spdfraktion.de/system/files/documents/impulspapier-sichere-soziale-medien.pdf
(DIR) [2] /Kontroll-App-fuer-Social-Media/!6171562
## AUTOREN
(DIR) Anna Klöpper
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