# taz.de -- Die Wahrheit: Teurer als die Polizei erlaubt
> NRW kommt nicht zur Ruhe. Ein wahrer Besuch bei der innovativen Polente
> Duisburg.
(IMG) Bild: Unter der Lupe des Landesrechnungshofs von NRW: die glamouröse Ausstattung des Innovation Labs der Polizei Duisburg
Der Kaffeevollautomat von der Größe eines zweitürigen Kleiderschranks
arbeitet trotz seiner 100 Auswahlmöglichkeiten nahezu lautlos. Was aus dem
schicken 14.600-Euro-Monstrum schließlich dampfend in unsere Becher
tröpfelt, hat feinste Barista-Qualität und mundet tatsächlich zum
Niederknien. Weil der verantwortliche Praktikant seine Pause gerade nebenan
in der Sauna verbringt, kredenzt uns Oberinspektor Klaus Brandner die
erlesenen Kaffeeköstlichkeiten höchstselbst. Der polizeiliche Leiter des
Duisburger Innovation Lab ist mit der Ausstattung seines Hauptquartiers
mehr als nur zufrieden.
„Für die ewigen Grantler vom Landesrechnungshof hätte es natürlich auch
etwas weniger sein dürfen“, murrt der 46-Jährige angesichts der
Glamoureinrichtung, die in Teilen dem legendären Bernsteinzimmer
nachempfunden ist. Wie er uns erzählt, steht die Behörde wegen des
unerklärlichen Vorwurfs der Verschwendung gerade zu Unrecht in der Kritik.
„Auch wenn sich die Kosten für den 530 Quadratmeter großen Komplex von
anfangs veranschlagten 250.000 auf 4,66 Millionen Euro ein wenig erhöht
haben, sind wir uns keiner Schuld bewusst“, seufzt Brandner und leckt
ekstatisch den Kaffeesatz aus seiner Espressotasse. Weil das Landesamt für
polizeiliche Dienste (LZPD) es versäumt habe, in der Planungsphase eine
Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zu erstellen, sei man stets davon
ausgegangen, bei der Zusammenstellung des Mobiliars völlig frei zu sein.
Im Übrigen möchte unser Gastgeber die angebliche Luxusausstattung eher als
präventive Anti-Korruptionsmaßnahme verstanden wissen. „Wer vom Spa-Bereich
bis zur Minigolfanlage im Büro alles hat, kann auch nicht von Kriminellen
mit feschen Geld- und Sachspenden in Versuchung geführt werden. Kommen
Sie!“
Nach dem geschmeidigen Aufschwingen der Flügeltüren zum Tagungsraum staunen
wir nicht schlecht. Dort, wo der Amtsleiter und ein gutes Dutzend seiner
Mitarbeiter tagtäglich über die Entwicklung neuer Drohnen, KI-Anwendungen
und digitaler Polizei-Einsatztechnik entscheiden sollten, musste der
ellenlange Konferenztisch einer Ohrensessellounge mit mehreren
Billardtischen weichen. „Um die Kosten zu drücken“, fährt Brandner fort,
„haben wir die Möbel im viktorianischen Stil gebraucht bei Sotheby’s
ersteigert. Die kleine Mahagoni-Einbauküche für schlappe 35.000 Euro sowie
die beiden Hocker von ‚B&B Italia‘ sind aus dem Fundus von Patricia
Schlesinger, der ehemaligen Intendantin des RBB, und wären wohl sonst auf
dem Sperrmüll gelandet. Wo wir da geprasst haben sollen, ist mir ehrlich
gesagt schleierhaft.“
## Alter Schwarz-Weiß-Röhrenfernseher
Im Anschluss an einen Besuch im Ultra-HD-Heimkino, wo sich Brandners
Techniktüftler gerade mittels eines „CSI“-Serienmarathons kriminaltechnisch
weiterbilden, erreichen wir mit dem Testlabor das eigentliche Herzstück der
Einrichtung. Von raffinierten James-Bond-Gadgets im Dienste seiner
nordrhein-westfälischen Majestät ist allerdings nicht viel zu sehen. Außer
einem alten Schwarz-Weiß-Röhrenfernseher mit zerbrochener Scheibe und zwei
umgefallenen Plastikstühlen scheint der berüchtigte Hotspot der
Polizeiüberwachung völlig verwaist zu sein. Der berühmte Roboterhund Spot,
einst Zugpferd auf der Jagd nach NRW-Finanzspritzen, befindet sich laut
Brandner dauerhaft im Außendienst.
„Der schnüffelt nach Feierabend in der Abteilung für interne Ermittlungen
herum, ob irgendetwas gegen uns vorliegt und zieht dann gleich zum Bund der
Steuerzahler weiter.“
Damit die hehren Ziele des Innovation Labs nicht in Gefahr geraten, ist der
mechanische Rüde dazu angehalten, belastendes Material aufzufressen und
sofort zu kleinen Datenhäufchen zu verdauen. Sollten die innovativen
Ansätze der Duisburger sich durchsetzen, würde der Vollzugsbeamte seinen
arschteuren Modellversuch nur zu gern auf die Polizeireviere in ganz NRW
ausweiten. „Hellwache, ausgeruhte und vor allen Dingen bis in die Fußnägel
gechillte Beamte bedeuten im besten Fall attraktivere Arbeitsbedingungen,
weniger Polizeigewalt und ein Ende des Fachkräftemangels. Und wer weiß,
vielleicht stellen sich wegen des sagenhaft guten Kaffees demnächst auch
wieder mehr Straftäter freiwillig. So könnte ein bisschen amtlicher Luxus
sich letzten Endes zum Wohle aller auswirken. Genial, oder?“
Die behördeneigene Stretch-Limo, die uns auf „Geheiß von ganz oben“ zum
Bahnhof zurückbringen soll, lehnen wir dankend ab. Für die Fahrt zum
Landesrechnungshof nach Düsseldorf, wo wir das Lab nach allen Regeln der
Kunst anschwärzen wollen, kommt uns ein Taxi auf Brandners Rechnung gerade
recht. Dafür nehmen wir zur Feier des Tages sogar einen kleinen Umweg via
München, Hamburg und Münster in Kauf. Man gönnt sich ja sonst nichts!
21 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Patric Hemgesberg
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