# taz.de -- Fußball-WM der Frauen: Nicht einmal das Ergebnis stimmt
> Nach einem schwachen 0:0 gegen Österreich verschiebt die DFB-Elf die
> Qualifikation zur WM in Brasilien. Auf das Team von Christian Wück wartet
> Arbeit.
(IMG) Bild: Die einen (li.) haben null Tore geschossen, die anderen null Tore kassiert (re.)
Es wirkte lange wie ein Freundschaftsspiel. Die Sonne schien sanft auf das
satte Grün in der putzigen Arena von Ried, einem österreichischen Städtchen
mit großem Gewerbegebiet nicht unweit der bayerischen Grenze. Es bildet
sozusagen mit Braunau und Passau ein Städtedreieck im Bereich von Donau und
Inn. Die Atmosphäre unter den 4.300 Zuschauern (Sitzplätze ausverkauft!
Stehplätze gab es nicht) schien entsprechend freundlich, die Nationalhymnen
wurden gegenseitig beklatscht, der unter der Woche tödlich verunglückte
Torhüter aus Österreich, Alexander Manninger, bekam eine Schweigeminute,
die aus reiner, respektvoller Stille bestand.
Die Auswahl des DFB hatte sich erlaubt, allerhand Namen auf der Bank zu
lassen: [1][Laura Freigang], Lea Schüller, Linda Dallmann und [2][Selina
Cerci] durften sich das Spiel – immerhin ein Qualifikationsspiel zur WM
2027 – erst einmal von der Bank aus angucken. [3][Giulia Gwinn] und Lena
Oberdorf waren wie auch [4][Klara Bühl] und Sydney Lohmann gar nicht erst
angereist, sie fehlten verletzt. Das Gastgeberinnenteam aus Österreich
überließ den in schwarz-weiß auftretenden Deutschen von Beginn an den Ball,
doch die produzierten fast eine ganze Halbzeit lang nicht viel mehr als ein
paar Eckstöße. Österreich verlegte sich aufs Behakeln mit gelegentlicher
Kontermöglichkeit. Viel ausgerechnet hatten sich die Schwarz-Roten eh
nicht; ihre Bilanz gegen das DFB-Team stand vor diesem sonnigen
Samstagvorabend bei acht Niederlagen in acht Spielen.
Nun gut, in Nürnberg am [5][Dienstag] hatte es zur Pause auch nur 1:0 für
Deutschland gestanden, am Ende brachen die Österreicherinnen ein und
unterlagen deutlich mit 1:5. Jetzt sah Österreich zu, die gröbsten Fehler
abzustellen, während das Team von [6][Christian Wück] traditionell gut
stand, den Ball behauptete, aber sich offensiv lange nicht durchsetzen
konnte. Es schien nicht so, als ob die deutsche Elf sich die überraschend
spitzfindige Kritik ihres Trainers nach dem 5:1 wirklich zu Herzen genommen
hätte. Es wirkte, wie gesagt, eher lange wie ein Freundschaftsspiel.
Das änderte sich erst mit der Hereinnahme von Dallmann für die
angeschlagene Vivien Endemann, da war die zweite Halbzeit allerdings auch
schon mehr als eine Viertelstunde alt. Über Dallmanns linke Seite
entstanden die ersten Lücken in der dichten Deckung des ÖFB, während
[7][Jule Brand] wie viel andere am Rande der Bemühung stand, aber nicht
ihren besten Tag hatte. Unter ihren Möglichkeiten, so lautete Wücks Kritik
nach dem Spiel in Nürnberg, hätten die meisten Spielerinnen agiert; ein
Befund, der in Ried noch gesteigert werden musste: Gerade die
Leistungsträgerinnen waren weit von ihrer Bestform entfernt.
## Immerhin: Gute letzte 20 Minuten
Immerhin wurde der Kick ab Minute 70 noch zu einem richtigen Fußballspiel,
weil sich ab da wenigstens Dramatik einstellte. Elisa Senß köpfte den Ball
in der 71. Minute an die Latte. Und gerade, als alle dachten, jetzt nähmen
die Dinge ihren gewohnten Lauf, musste Kapitänin Janina Minge in der
achtzigsten Spielminute zum letzten Mittel greifen, weil eine Gegnerin
durchgebrochen war: Rot nach Notbremse.
Am Ende waren die Österreicherinnen somit dem Sieg sogar näher als die
fahrig anstürmenden Deutschen; allein, es mangelte ihnen an Genauigkeit
beim letzten Pass. Aus der Ecke in der Nachspielzeit wäre dann fast doch
noch der entscheidende Treffer entstanden: Doch die ebenfalls
eingewechselte Lea Schüller scheiterte.
So brandete mit dem Schlusspfiff zumindest auf der einen Seite Jubel auf:
Zum allerersten Mal hatte es Österreich geschafft, dem deutschen Frauenteam
zumindest einen Punkt abzuluchsen. Mehr war für sie nicht drin. Aus den
Reihen der Enttäuschten hörte man nach dem Spiel noch die treffende
Analyse, man habe schwer ins Spiel gefunden und zu spät angefangen, Druck
aufzubauen. Man habe lange kein Mittel gefunden, es sollte einfach nicht
sein, vielleicht war man jetzt, am Ende der Saison mit für einen Großteil
des Teams noch entscheidenden Spielen vor der Brust (Europapokal,
DFB-Pokal) für den entscheidenden Punch auch zu müde.
Für Wücks langfristigen Aufbauplan war das 0:0 in Ried gewiss ein
Rückschlag, sein Ärger wird groß sein, denn im Vergleich zum Spiel in
Nürnberg stimmte nicht einmal das Ergebnis. Für die Quali zur WM wird das
Spiel allerdings nicht entscheidend sein. Da reicht immer noch ein Punkt
gegen die höher einzuschätzenden, aber längst nicht mehr so guten
Norwegerinnen im Juni. Bis [8][Brasilien] ist dann immer noch ein ganzes
Jahr Zeit.
19 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) René Hamann
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