# taz.de -- WM-Quali der Fußballerinnen: Unter Druck besonders wehrhaft
       
       > Janina Minge geht als unumstrittene Abwehrchefin in die WM-Qualifikation
       > gegen Österreich. Längst genießt sie das volle Vertrauen des
       > Bundestrainers.
       
 (IMG) Bild: Auf dem Weg nach Brasilien: Janina Minge radelt im Training der DFB-Auswahl
       
       Mitunter ist der Blick zurück ganz lohnend. Etwa in den Sommer 2023, als
       sich die deutschen Fußballerinnen für die WM in Australien und Neuseeland
       ein Quartier im ziemlich trostlosen Örtchen Wyong nahmen, das sich im
       Nachhinein als Stimmungstöter für eine Titelmission entpuppte. Bei der
       Ankunft im DFB-Quartier inmitten einer Golfanlage trat Janina Minge damals
       über einen roten Teppich nach draußen, strahlte über beide Backen und
       erzählte von ihrer besonderen Rolle.
       
       Im Dress des SC Freiburg wirkte sie noch heilfroh, als Ersatzspielerin
       überhaupt mitreisen zu dürfen, auch wenn sie offiziell nicht im Kader
       stand. Aus dem Standby-Modus musste die Allrounderin ohne jeden Einsatz
       miterleben, wie sich das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg
       in der Vorrunde bis auf die Knochen blamierte.
       
       Wie sich die Zeiten geändert haben: Erst unter Interimslösung Horst
       Hrubesch, längst auch unter Nachfolger Christian Wück ist die 26-Jährige
       zur unverzichtbaren Persönlichkeit gereift. Und natürlich ist sie für
       [1][die zwei Spiele in der WM-Qualifikation gegen Österreich] in Nürnberg
       (Dienstag 18.15 Uhr/ZDF) und in Ried (Samstag 18 Uhr/sportschau.de)
       gesetzt. Minge erwartet zwei „sehr harte Spiele“ und spürt „Derby-Vibes auf
       Nationalmannschaftsebene“, denn: „Wir kennen viele österreichische
       Spielerinnen aus der Bundesliga. Die geben 200 Prozent, um uns zu ärgern.“
       
       Vor der EM 2025 stieg die Abwehrchefin gleich noch zur stellvertretenden
       Kapitänin auf. [2][Als sich Giulia Gwinn zum Auftakt gegen Polen in St.
       Gallen am Knie verletzte], trug sie übers Turnier wie selbstverständlich
       die Binde in den Regenbogenfarben. Der Bundestrainer schätzt vor allem,
       dass Minge sich nirgendwo einschüchtern lässt. „Sie imponiert mir mit ihrem
       Umgang mit Druck und füllt die Rolle auf und neben dem Platz aus.“
       
       ## Ansagen der Vorangeherin
       
       Tatsächlich verkörpert sie einen beispielhaften Beschützerinstinkt für die
       Gemeinschaft. „Ich war irgendwie schon immer eine Spielerin, die gerne
       vorangegangen ist“, sagte Minge einmal. Sie scheue sich auch nicht davor,
       „anderen etwas zu sagen oder beim Trainerteam mal Dinge anzusprechen“. Für
       sie ist ihre Leaderqualität recht simpel erklärt: „Je mehr Vertrauen man
       hat, desto besser kann man seine Leistung abrufen. Ich bin unfassbar
       dankbar, wie es sich zuletzt entwickelt hat. Aber ich habe vor drei Jahren
       keinen anderen Fußball gespielt als heute.“
       
       Deutlicher hätte sie nicht sagen können, dass sie sich schon früher mehr
       Wertschätzung gewünscht hätte. Wer erlebte, wie sich Deutschlands Nummer
       sechs [3][beim mythenbehafteten EM-Viertelfinaldrama] gegen Frankreich
       vergangenen Sommer in Unterzahl in die Zweikämpfe warf, der erkannte eine
       besondere Opferbereitschaft. Dass es der VfL Wolfsburg jüngst im
       Champions-League-Viertelfinale gegen die Übermacht von Olympique Lyon mit
       zwei wahren Abwehrschlachten bis in die Verlängerung schaffte, war auch
       ihrer Wehrhaftigkeit zuzuschreiben.
       
       Hinzu kommt ihre Vielseitigkeit, die ihr jüngst sogar einen Noteinsatz
       zwischen den Pfosten bescherte. Weil im Bundesligaspiel bei Union Berlin
       (3:3) die VfL-Stammkeeperin Stina Johannes mit Roter Karte vom Platz musste
       und das Wechselkontingent erschöpft war, sprang sie als Torhüterin ein.
       
       Sie habe danach nicht nur unfassbar viele Nachrichten bekommen, sondern
       auch „eigene Torwarthandschuhe und mein eigenes Torwarttrikot“, erzählte
       die 30-fache Nationalspielerin nun in Herzogenaurach und fügte mit einem
       Augenzwinkern an: „Jetzt kann ich wirklich von mir behaupten, ich habe
       schon jede Position gespielt, das können auch nicht so viele von sich
       sagen. Von daher: Ich bin bereit, wenn es dazu kommt.“
       
       Nur mit einer Standby-Rolle soll ihr für die WM 2027 in Brasilien bitte
       niemand mehr kommen.
       
       15 Apr 2026
       
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