# taz.de -- Trump im Irankrieg: In die Sackgasse gelogen
> Sogar Trumps Anhänger begreifen nun, dass der US-Präsident alles andere
> als ein genialer Dealmaker ist. Das iranische Regime steht solide da.
(IMG) Bild: Ein miserabler Stratege: US-Präsident Donald Trump im Oval Office am 23. April
Fast zwei Monate sind seit Beginn des Angriffs der USA und Israels auf Iran
vergangen. Die Bilanz ist verheerend, für die Region, die globale Ökonomie
– und die Vereinigten Staaten. Donald Trump hat die USA mit diesem Krieg in
eine Sackgasse manövriert, aus der heraus kaum ein Weg erkennbar ist.
Es ist müßig, sich erneut über das erratische Verhalten des Präsidenten,
seine wahnwitzigen Postings, seine mitunter stündlichen Wechsel politischer
Positionen oder Kriegsziele aufzuregen. Auch seine vollkommen haltlosen
Behauptungen etwa über den imaginierten Stand von Verhandlungen mit dem
iranischen Regime sind inzwischen durchschaubar geworden. Nur die
allerverblendetsten Trump-Jünger faseln noch davon, der Präsident spiele
„fünfdimensionales Schach“, dessen Genialität eben ein normaler Mensch gar
nicht begreifen könne.
Für die große Öffentlichkeit, einschließlich der republikanischen
Wähler*innenschaft, haben die letzten acht Wochen die Offenbarung bedeutet:
Trump ist nicht nur kein brillanter Dealmaker. Er ist im Gegenteil ein
miserabler Stratege, der sich mit Speichelleckern und Jasagern umgibt und
dessen Kurzsichtigkeit und Ignoranz gegenüber jeder fachlichen Expertise
die USA in die jetzige Lage gebracht hat. Neu ist, dass nicht einmal Trump
es noch vermag, sich aus dem offenkundigen Desaster herauszulügen.
## Iranisches Regime steht vergleichsweise solide da
Das iranische Regime hingegen, personell durch die vielen Tötungen hoher
Führungsfiguren kräftig durchgeschüttelt, [1][steht vergleichsweise solide
und kohärent da]. Ein Machtsystem, dem das Wohl des eigenen Volks herzlich
egal ist und das sich nicht dem Wählerwillen stellen muss, kann es sich
leisten, dass durch die US-Blockade der iranischen Häfen die eigene
Wirtschaft ins Taumeln gerät.
Solange die [2][Straße von Hormus] für alle gesperrt ist, kann Teheran
darauf hoffen, dass es für den Rest der Welt dringlicher ist, eine Öffnung
zu verhandeln, als für Iran. Trump glaubte, das Regime wegbomben zu können
– und hat ihm stattdessen ein größeres Druckmittel an die Hand gegeben, als
es die Mullahs und Revolutionsgardisten je hatten.
Unterdessen leiden diejenigen, denen Trump am Tag des Kriegsbeginns
versprochen hatte, bald würden sie die Geschicke ihres Landes in die
eigenen Hände nehmen können, am stärksten unter der Situation. Das Internet
in Iran ist seit über 50 Tagen blockiert, die Infrastruktur ist angegriffen
– und die Repression massiver denn je. [3][Erneut ist in den vergangenen
Wochen die Zahl der Hinrichtungen Protestierender gestiegen].
Die militärischen Fähigkeiten des Regimes zur Bedrohung der Nachbarländer
mögen geschwächt sein, umso mehr richtet sich die Gewalt nach innen. Die
Chance auf einen demokratischen Umsturz in Iran scheint seit dem 28.
Februar nicht größer, sondern kleiner geworden zu sein.
## Interesse an Demokratie in Iran kaum spürbar
Trump selbst scheint im Übrigen an einer demokratischen Befreiung Irans
auch keinerlei Interesse zu haben – Deals, wie er sie sich vorstellt, sind
mit stabilen Diktaturen leichter auszuhandeln als mit aufstrebenden
Demokratien. Was Trump aber tatsächlich am Verhandlungstisch erreichen will
– und kann –, bleibt immer noch unklar.
Ein weiteres, international überwachtes Moratorium zur Urananreicherung,
die Herausgabe der bereits vorhandenen 400 Kilogramm hochangereicherten
Materials und die Öffnung der Straße von Hormus im Austausch gegen eine
Lockerung der Sanktionen und definitives Ende der Angriffe?
Dann herzlichen Glückwunsch zur Wiederherstellung der Verhältnisse von vor
2018, als Trump während seiner ersten Amtszeit den Atomdeal mit Iran
aufkündigte. Mit dem unnötigen, von Israels Ministerpräsidenten Benjamin
Netanjahu seit mindestens zwei Jahrzehnten herbeigesehnten Krieg gegen Iran
hat Trump die Position der USA in der Welt weiter geschwächt.
Wer gleich zweimal zu militärischen Mitteln greift, während er gerade noch
am Verhandlungstisch sitzt, dem wird nicht getraut. Wer in Fragen von Krieg
und Frieden derartig kurzsichtig und dumm agiert, mit dem will man auch
nicht verbündet sein.
Rund eine Milliarde Dollar pro Tag hat die USA der Irankrieg bislang
gekostet. Die Wiederauffüllung der US-Munitionsdepots bringt den
entsprechenden Rüstungsbetrieben Aufträge für mehrere Jahre. Wenigstens sie
können sich als Gewinner fühlen.
25 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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