# taz.de -- Chronist über HSV in der NS-Zeit: „Fast alle HSV-Funktionäre waren in der NSDAP“
> Der HSV hat sich dem NS-Regime gern angedient. Werner Skrentnys neues
> Buch „Die Raute unterm Hakenkreuz“ bietet auch bislang unbekannte
> Geschichten.
(IMG) Bild: Standen auch mal im Dienst des NS-Regimes: HSV-Fahnen im Stadion
taz: Herr Skrentny, wann hat der HSV angefangen, seine NS-Geschichte
aufzuarbeiten?
Werner Skrentny: Im Vergleich zu anderen Vereinen relativ früh, mit der
Eröffnung des [1][HSV-Museums ] 2004. In dessen Dauerausstellung wurden
erstmals die damals bekannten jüdischen Vereinsmitglieder benannt. Kurz
danach gab es die Sonderausstellung „Die Raute unterm Hakenkreuz“, von der
sich auch der Titel meines Buchs ableitet.
taz: Welche Lücke schließt Ihr gerade erschienenes Buch?
Skrentny: Ich konnte in dieser umfassenden Darstellung auch einige
ungeklärte Geschichten und Biografien aufdecken. Zum Beispiel die von Rudi
Noack, einem Nationalspieler des HSV, der – wie auch der bekannte,
verurteilte NS-Kriegsverbrecher [2][„Tull“ Harder] – ein großes Idol war.
In der NS-Zeit war Noack für ein Jahr gesperrt, aus unklaren Gründen. Ich
habe jetzt in den Akten gefunden, dass er des Exhibitionismus angeklagt,
von der Wehrmacht gedeckt und nach Wien versetzt worden war. 1948 ist er in
russischer Kriegsgefangenschaft gestorben.
taz: Gab es weitere Funde?
Skrentny: Ja, auch Günter Mahlmann, Lehrer und erfolgreicher HSV-Trainer
der 1950er, 1960er Jahre, war ein unbeschriebenes Blatt. In einer Akte des
Staatsarchivs Celle habe ich entdeckt, dass er für 50.000 Jugendliche der
Hitlerjugend in Niedersachsen verantwortlich war. Er ist nach 1945 nicht
entnazifiziert worden und hat keine Anstellung mehr als Lehrer bekommen.
taz: Wann hat der HSV den „Arierparagrafen“ eingeführt und Juden
ausgeschlossen?
Skrentny: Auch das war bislang nicht bekannt, denn das Archiv des HSV für
1933 bis 1945 ist sehr lückenhaft. Aus Akten des Amtsgerichts Hamburg ersah
ich, dass der HSV 1940 die „[3][Einheits-Satzung des
Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen]“ einstimmig annahm.
Juden wurden allerdings schon ab Oktober 1933 nicht mehr aufgenommen. Das
belegt das Aufnahmeformular eines Spielers, das explizit die „arische“
Abstammung abfragt.
taz: Und wie standen die HSV-Funktionäre zur NSDAP?
Skrentny: Bis auf den zeitweiligen Vorsitzenden Karl Mechlen waren alle in
der Partei. Darunter auch der Präsident [4][Emil Martens], der gleich 1933
in die NSDAP eintrat, dann wegen seiner Homosexualität verfolgt, kastriert
und aus der Partei ausgeschlossen wurde.
taz: Wie verhielt sich der HSV während des Zweiten Weltkriegs?
Skrentny: Der Verein hat nach der Machtübergabe an das NS-Regime versucht,
eine Abteilung Wehrsport zu gründen, fand allerdings kaum Resonanz. In
Veröffentlichungen des Vereins wurde aber noch 1944/1945 – der Krieg war
absehbar verloren – zur Verteidigung des Abendlandes gegen den
Bolschewismus aufgerufen und „gefallenen“ Spielern der „Heldentod“
attestiert.
taz: Hat sich der HSV je vom Unrecht in der NS-Zeit distanziert?
Skrentny: Ja. Die Mitgliederversammlung im Januar 2010 stellte klar, dass
der Ausschluss jüdischer und politisch verfolgter Mitglieder von 1933 bis
1945 unrechtmäßig gewesen war.
taz: Wie geht die Aufarbeitung weiter?
Skrentny: Am Haupteingang zum HSV-Museum gibt es Gedenktafeln für die
bislang bekannten verfolgten jüdischen Mitglieder – die natürlich weiter
ergänzt werden müssen. Und die neue Sporthalle soll nach der
HSV-Hockeyspielerin [5][Margit Zinke] benannt werden, die im April 1945 als
Regimekritikerin im KZ Neuengamme ermordet wurde. Auch das Netzwerk
Erinnerungsarbeit widmet sich der NS-Vergangenheit des Vereins.
taz: Entstand auch Ihr Buch im Auftrag des HSV?
Skrentny: Nein, das war eine Initiative der AutorInnen und des Verlags. Der
HSV hat die Veröffentlichung dann erfreulicherweise durch die Festabnahme
von Exemplaren unterstützt und wird zum 9. November, dem Jahrestag der
Pogromnacht, eine eigene Lesung veranstalten.
Hinweis: In der ersten Veion des Textes stand irrtümlich, das HSV-Museum
sei 1994 eröffnet worden. Zudem hatten wir nicht den richtigen Verlag
angegeben. Wir haben die Fehler korrigiert.
3 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Petra Schellen
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