# taz.de -- Diplomatie im Irankrieg: Auch Ägypten versucht sein Vermittlerglück
       
       > Der Irankrieg schadet Ägyptens Wirtschaft, hilft aber dem diplomatischen
       > Standing. Trotz historisch schwieriger Beziehungen zu Iran platziert sich
       > Kairo als Mittler.
       
 (IMG) Bild: Ägyptens Präsident Abdel-Fattah el-Sissi trifft sich mit Präsident Donald Trump in Scharm al-Scheich, Ägypten, am 26.1.2025
       
       Der Krieg zwischen Iran, USA und Israel macht sich auch in Ägypten
       bemerkbar – obwohl Kairo nicht in den Konflikt verwickelt ist. Die
       steigenden [1][Öl- und Gaspreise] treffen auch hier die Bevölkerung: So
       stellte Israel temporär die Erdgaslieferungen an Ägypten kurz nach
       Kriegsbeginn ein. Das zwang Kairo, nach alternativen Quellen zu suchen. Das
       israelische Energieministerium kündigte später eine begrenzte
       Wiederaufnahme der Lieferungen auf der Grundlage von Überschussmengen an.
       
       Doch angesichts der steigenden Ölpreise weltweit erhöhte Ägypten die
       staatlich gesetzten Preise für Kraftstoffprodukte wie Erdgas, Benzin und
       Diesel um bis zu 17 Prozent. Die ägyptische Währung verlor zudem an Wert:
       Der durchschnittliche Wechselkurs von US-Dollar zu ägyptischen Pfund stieg
       von knapp 48 am 26. Februar auf mittlerweile fast 52. Aufgrund der
       Verschuldung des Landes und wiederholter Währungsabwertungen steht das
       Pfund bereits unter Druck.
       
       Die ägyptische Wirtschaft kämpft seit mehr als einem Jahrzehnt mit
       wiederkehrenden Krisen. Nur ein Beispiel: Aufgrund der Angriffe der
       jemenitischen Huthi-Miliz auf die Schifffahrt im Roten Meer sanken die
       Einnahmen aus dem Suezkanal – eine der wichtigsten Devisenquellen Ägyptens
       – zwischen 2024 und 2025 um die Hälfte.
       
       Doch abseits der kriselnden Wirtschaft hat der Krieg der Position Kairos
       als Diplomat zu neuer Stärke verholfen.
       
       ## Vermittlung zu den arabischen Golfstaaten
       
       Bereits am ersten Tag des Krieges machte Ägypten seine Haltung klar.
       Präsident Abdel-Fattah el-Sisi erklärte, sein Land „bemühe sich weiterhin
       um aufrichtige und ehrliche Vermittlungsbemühungen, um den Krieg in der
       Nahostregion zu beenden“. Wenige Tage später fand ein Telefonat zwischen
       dem ägyptischen Außenminister Badr Abdelatty und seinem iranischen
       Amtskollegen Abbas Araqchi statt.
       
       Eine Haltung, die die iranische Regierung offenbar zur Kenntnis genommen
       hat: Sollte Ägypten nicht zur Deeskalation mit Washington beitragen können,
       so könnte es doch bei der Aussöhnung der arabischen Länder helfen. Die
       waren von den iranischen Gegenangriffen schwer getroffen worden. In einem
       Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Massud Pezeshkian vor etwa einem
       Monat bekräftigte el-Sisi die Bereitschaft Ägyptens, die
       Vermittlungsbemühungen zu intensivieren.
       
       Das Telefonat „erfolgte auf Initiative des iranischen Präsidenten, mit dem
       vorrangigen Ziel, den arabischen Hauptstädten – insbesondere den
       Golfstaaten – die Position Irans zu verdeutlichen: Iran zielt nicht auf die
       Interessen der Golfstaaten ab, sondern vielmehr auf direkte amerikanische
       Interessen, beispielsweise Militärstützpunkte“, so Rakha Ahmed Hassan,
       ehemaliger stellvertretender Außenminister und Mitglied des ägyptischen
       Rates für auswärtige Angelegenheiten, gegenüber der taz.
       
       [2][Nun, nachdem Verhandlungen in Pakistan um ein Kriegsende zwischen Iran
       und Israel in der ersten Runde am vergangenen Wochenende gescheitert
       waren], betont Ägypten: Die Verhandlungen müssten schnell weitergehen. Am
       Mittwoch sprach Außenminister Badr Abdelatty dazu mit seinem türkischen
       Kollegen Hakan Fidan und Pakistans Mohammad Ishaq Dar.
       
       Hassan sagte, Kairos diplomatisches Vorgehen folge zwei Pfaden: Da sei
       einmal die Übermittlung von Botschaften zwischen Iran und den arabischen
       Staaten. Und einmal die Arbeit an einem breiteren, regionalen Rahmen
       bezüglich eines Kriegsendes – und wie es danach weitergeht.
       
       Schon im März tauschten die USA und Iran über Ägypten, die Türkei und
       Pakistan Botschaften aus. Auch der ägyptische Geheimdienst habe einen
       Hinterkanal zum Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) Irans
       eingerichtet und eine fünftägige Waffenruhe als Teil einer regionalen
       Initiative zur Beendigung des US-israelischen Krieges vorgeschlagen,
       berichtete das Wall Street Journal damals.
       
       Trump müsse irgendwann auf die Forderungen reagieren, die Eskalation zu
       stoppen und sich echten Vermittlungen zuzuwenden, sagt Rakha Hassan.
       „Länder wie Ägypten und die Türkei verfügen über ein Maß an
       Glaubwürdigkeit, das sie dazu qualifiziert, eine Rolle bei den
       Vermittlungsbemühungen zu spielen“, so Hassan.
       
       ## Historisch wechselhafte Beziehungen
       
       Dabei waren die ägyptisch-iranischen Beziehungen jahrzehntelang angespannt:
       [3][Nach der iranischen Revolution von 1979] wurden sie zunächst
       feindselig, denn Ägypten nahm den gestürzten Schah auf und unterzeichnete
       einen Friedensvertrag mit Israel. Außerdem unterstützte das Land Irak in
       seinem Krieg gegen den Iran.
       
       Eine bedeutsame Veränderung in den Beziehungen erfolgte jedoch unter dem
       [4][islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi] zwischen 2011 und 2013: Es
       gab wieder Besuche und den Austausch von Botschaftern. Nach seiner
       Entmachtung verschlechterten sich die Beziehungen jedoch erneut. [5][Die
       Aussöhnung zwischen Saudi-Arabien und Iran im Jahr 2023] ebnete dann wieder
       den Weg für eine Entspannung der Beziehungen. Im Dezember 2024 traf der
       iranische Außenminister Abbas Araqchi in Kairo ein – der erste Besuch eines
       iranischen Regierungsvertreters in Ägypten seit elf Jahren.
       
       Auch spielte Ägypten eine zentrale Rolle bei der Ausrichtung des
       Friedensgipfels in Scharm al-Scheich im vergangenen Oktober, der zu
       [6][einem Ende des etwa zwei Jahre anhaltenden Kriegs im Gazastreifen
       beitrug.] Das festigte Kairos Bedeutung auf dem diplomatischen Parkett.
       
       ## Ägypten ist eine große Militärmacht
       
       Kairo scheint nun denselben Ansatz im Irankonflikt zu verfolgen. Es
       positioniert sich als potenzieller Vermittler und will damit seine
       geopolitische Relevanz bekräftigen. „Wenn wir gebeten werden, Treffen
       auszurichten, haben wir keine Einwände und würden dies begrüßen, solange es
       zu einer Deeskalation und zur Beruhigung der Spannungen führt“, hatte der
       Außenminister betont.
       
       Unterdessen versucht Kairo, seinen traditionellen Einfluss als mächtigste
       arabische Militärmacht – die in der Lage ist, sich auch regionalen
       Sicherheitsvereinbarungen, die die Belange der arabischen Länder nicht
       berücksichtigen – wieder herzustellen.
       
       Abdelatty forderte die Bildung einer gemeinsamen arabischen Streitmacht.
       Diese solle den bestehenden Bedrohungen und Risiken, denen alle arabischen
       Länder ausgesetzt sind, wirksam begegnen. Das hatte El-Sisi 2015 erstmals
       vorgeschlagen.
       
       „Diese Initiative hatte zuvor bereits fortgeschrittene Phasen erreicht und
       scheint nun, wenn auch vorsichtig, wieder Akzeptanz zu finden“, sagt
       Ex-Diplomat Hassa. Dieser Wandel ist auch auf die in Teilen bestehende
       Wahrnehmung zurückzuführen, dass die US-Militärstützpunkte am Golf den
       betroffenen Staaten keinen angemessenen Schutz bieten konnten.
       
       Eine solche Initiative würde allerdings eine Verbesserung der
       innerarabische Beziehungen nötig machen. Und das ist in absehbarer Zukunft
       unwahrscheinlich.
       
       ## Sorge und Hoffnung
       
       Ägyptens Vorgehen stieß bereits auf Enttäuschung und Wut bei einigen
       Aktivisten und Social-Media-Influencern aus der Golfregion, die von Ägypten
       mehr zur Verteidigung der Golfstaaten erwartet hatten. Dies löste eine
       Debatte in den sozialen Medien aus. Abdelatty entgegnete dann: „Kein
       arabisches Land hat den ägyptischen Staat um eine militärische Intervention
       gebeten“.
       
       El-Sisi versuchte derweil außerdem, die Ägypterinnen und Ägypter zu
       beruhigen: „Die Lage in der Region ist sehr schwierig. Und wir hoffen, dass
       sie so schnell wie möglich endet“. Ob die derzeit geltende Waffenruhe aber
       weiter hält, ist absolut ungewiss.
       
       17 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Oelpreis/!t5008367
 (DIR) [2] /Iran-Friedensgespraeche-in-Pakistan/!6169878
 (DIR) [3] /1979-als-Schicksalsjahr-des-Nahen-Ostens/!5583213
 (DIR) [4] /Mohammed-Mursi/!t5007475
 (DIR) [5] /Annaeherung-von-Iran-und-Saudi-Arabien/!5926826
 (DIR) [6] /Humanitaere-Lage-im-Gazastreifen/!6169490
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mohammed Magdy
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Abdel Fattah al-Sisi
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Völkerrecht in der Krise: Das Recht der Gleichen
       
       Das Völkerrecht ist nicht tot, aber stark reformbedürftig. Europa sollte
       sich für mehr Gleichheit einsetzen – und die ehemals Blockfreien umwerben.
       
 (DIR) Repression in Iran: Inhaftierte Nobelpreisträgerin in Lebensgefahr
       
       Die vom Teheraner Mullah-Regime inhaftierte Menschenrechtlerin Narges
       Mohammadi befindet sich nach Angaben ihrer Familie in kritischem Zustand.
       
 (DIR) Iran und der Krieg: Bricht die Wirtschaft dem Regime das Genick?
       
       Die marode Wirtschaft ist die Achillesverse der Islamischen Republik, die
       Inflation im Land steigt. Könnte die US-Seeblockade ihr den Gnadenstoß
       versetzen?