# taz.de -- Schau zu Käthe Kollwitz und Theater: Wie tosende Brandung
> Das Käthe-Kollwitz-Museum Berlin zeigt eine Sonderausstellung über das
> Verhältnis der Künstlerin zum Theater. Sie überzeugt durch viele
> Szenenbilder.
(IMG) Bild: Eine Theaterretrospektive im Käthe-Kollwitz-Museum zu Berlin, und der Künstlerin
Hugo von Hofmannthals „Jedermann“ kommt am 1. Dezember 1911 im Berliner
Zirkus Schumann, inszeniert von Max Reinhardt, zur Uraufführung. Käthe
Kollwitz besucht das Stück am 15. Januar 1912. Ihr Bruder, der
Theaterkritiker Conrad Schmidt, sah in dieser Inszenierung Reinhardts
bisher „größten Triumph“. Am nächsten Tag berichtet die passionierte
Theaterbesucherin ihrem Sohn Hans per Brief:
„Ich fand es wunderschön und vor allem Moissi von hinreißender
Liebenswürdigkeit und Temperament. Außer im Hamlet sah ich ihn noch nie so
gut.“ [1][Käthe Kollwitz] war Alexander-Moissi-Fan, Reinhardts exotischer
Bühnenstar aus dem habsburgischen Triest. Im Berliner
Käthe-Kollwitz-Museum, das sich seit einigen Jahren im ehemaligen
Theaterbau am Schloss Charlottenburg befindet, hängen Fritz Erlers
Szenenbilder zu Reinhardts Hamlet-Inszenierung von 1909: Öl auf Papier,
düstere Farben, die Andeutung einer Burg und die Weite der See.
Daneben eine bronzene Moissi-Büste von Sandor Jaray: ausdrucksvolle Lippen
und Augen voller Melancholie. Scannt man den QR-Code an der Wand, hat man
Moissis Stimme im Ohr. Knappe vier Minuten dauert bei ihm der
Hamlet-Monolog. Mit zarten und gleichzeitig dezidierten Nuancen schraubt
sich seine leicht vibrierende Stimme in den Raum und berührt noch heute.
Nahe kommt man der Theaterliebhaberin und Künstlerin in der Ausstellung
„Käthe Kollwitz und das Theater“, mit der das Museum sein 40.
Gründungsjubiläum feiert. Käthe Kollwitz hat nie direkt für die Bühne
gearbeitet, wurde aber schon als junge Künstlerin durch Gerhart Hauptmanns
Drama „Die Weber“ inspiriert.
## Durchbruch als Künstlerin
1893 war die 26-jährige Käthe Kollwitz unter den BesucherInnen der
Uraufführung und gab dem Stoff im Zyklus „Der Weberaufstand“ eine eigene
unverwechselbare Form, was ihr 1898 den Durchbruch als Künstlerin brachte.
In der Ausstellung hängen die sechs „Blätter“ neben dem Bühnenbildentwurf
von Eugen Quaglio und dem Inszenierungsplakat von Emil Orlik. Und so fällt
auf, dass Kollwitz' Zyklus auch als Szenenbild gut funktionieren würde.
Die Ausstellung geht der Frage nach, inwieweit Käthe Kollwitz' häufige
Theaterbesuche ihre Arbeit als Künstlerin beeinflusst haben. Neben
Hauptmanns naturalistischen Dramen findet sich in Max Reinhardts
Inszenierung der Massen ein inspirierendes Element. So ist Käthe Kollwitz
am 7. November 1910 im Premierenpublikum von Sophokles' „König Ödipus“,
Reinhardts erster Inszenierung im Zirkus Schumann. Sie notiert im Tagebuch:
„Das Volk hin- und zurückgeschleudert wie tosende Brandung.“
Blickt man von Emil Orliks Szenenbildern über Ernst Sterns Probenskizzen zu
Käthe Kollwitz' Kohlezeichnung „Blinde“ und zur Skulptur „Abschiedwinkende
Soldatenfrauen“, dann fallen visuelle Parallelen ins Auge. Was die
Ausstellung unbedingt sehenswert macht, sind die vielen Szenenbilder.
Reinhardts Chefausstatter Ernst Stern hätte eine Einzelausstellung
verdient. Auch Conrad Schmidts Theaterrezensionen sind eine Entdeckung.
Eine Frage bleibt offen: War Käthe Kollwitz auch bei [2][Erwin Piscator im
Theater]? Am 29. September 1921 sitzt sie jedenfalls in der Volksbühne und
ist beeindruckt von Ernst Tollers „Masse Mensch“, inszeniert von Jürgen
Fehling.
16 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Katja Kollmann
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