# taz.de -- Linke und Luxus: Was erlauben, Silvia Salis?
       
       > Silvia Salis hat einen Lauf. Sie ist Bürgermeisterin von Genua, wird für
       > Höheres gehandelt – und sie ist links. Nun redet ein Mann über ihre
       > Schuhe.
       
 (IMG) Bild: Was für den Mann der Gartengrill: Manolo Blahniks auf der Londoner Fashion Week
       
       Frauen und Schuhe, das gehört zusammen wie Männer und [1][Weber-Grills].
       Frauen in Deutschland besitzen durchschnittlich 13 bis 20 Paar Schuhe, für
       drei Meter Schuhregal muss auch in kleineren Wohnungen Platz sein.
       
       In Italien haben Frauen noch mehr Schuhe, vor allem viele mit hohen
       Absätzen. Wenn High Heels, dann in Roma, Milano, Firenze, Bologna. Doch
       ausgerechnet in Italien ist jetzt eine Schuh-Debatte losgetreten worden.
       
       [2][Silvia Salis, die Bürgermeisterin von Genua], wird kritisiert, weil sie
       Manolo Blahniks trägt. Für alle Adidas- und Sneaker-Eigentümer:innen: Das
       sind Designerschuhe in wilden Farben, mit Metallverzierungen und
       10-Zentimeter-Absätzen. Das deutsche Auge bekommt sofort einen grauen Star.
       Aber in Italien, dem Land der Premium- und Luxusschuhe mit Mut zum
       Außergewöhnlichen, gelten sie nicht als Extravaganz. Es sei denn, man ist –
       so wie Silvia Salis – eine linke Politikerin.
       
       Denn Linke und teure Schuhe gehören nicht zusammen. Jedenfalls in den Augen
       von Francesco Zaffini, einem Senator der postfaschistischen Fratelli
       d'Italia. [3][Der postete jüngst auf Facebook ein Foto der linken
       Bürgermeisterin, wie sie gut gelaunt telefoniert, neben ihr stehen blaue
       Manolo Blahniks.] Zaffini kommentiert: „Wir werden auf die
       antifaschistischen und proletarischen Barrikaden steigen, in
       Manolo-Blahnik-Schuhen!“
       
       ## Eine alte Debatte
       
       Da hat der Mann recht, in Zeiten von Insta und Co. ist es schon besser,
       auch auf den Barrikaden ein gutes Bild abzugeben. Was der 71-Jährige
       offenbar noch nicht geschnallt hat, ist, dass die Debatte, ob linke
       Politikerinnen teure Schuhe, Kleider, Handtaschen haben dürfen, fast so alt
       ist wie er selbst. Sie löste die Frage ab, ob Feministinnen mit Lippenstift
       und kurzen Röcken zueinander passen. Um es kurz zu machen:
       selbstverständlich.
       
       Die lila Latzhose als feministisches Symbol ist seit Jahrzehnten out, und
       High Heels, gern auch teurere, sind schon lange kein Symbol der Oberschicht
       mehr. Mittlerweile kaufen sich Studentinnen Luxusklamotten im Internet,
       wenn auch im Sale. Aber wie frau es auch macht, kann sie es falsch machen.
       
       Als die einstige First Lady Michelle Obama, die man als Demokratin in der
       US-Perspektive durchaus als links bezeichnen darf, teure Kleider aus
       Nachhaltigkeitsgründen [4][mehrfach trug], erntete sie einen Shitstorm. Ein
       Kleid zweimal in der Öffentlichkeit zu tragen, zieme sich für eine First
       Lady nicht, hieß es. Ließ sie schneidern, war das auch nicht richtig, weil
       zu elitär.
       
       Annalena Baerbock, einst grüne Außenministerin der Ampel-Regierung, ließ
       solche Kritik gleich mal links liegen. Sie trug immer High Heels, in Weiß,
       Weinrot, Beige, Schwarz, ganz egal, wo sie war, selbst in der Wüste. Nur
       einmal zeigte sie nackte Füße, am Strand von Rock Island im Inselstaat
       Palau. Vermutlich ermüdeten sie Fragen nach Hackenschuhen und ihrer
       Selbstdefinition als linke Feministin und parierte einmal knapp: „Anders
       als vor 30 Jahren lassen wir uns dabei unsere feminine Freude, auch unsere
       High Heels, [5][nicht mehr nehmen].“
       
       ## Mehr als ein Hammer
       
       Fratello Zaffini kommt mit seinem Blahnik-Establishment-Post nicht nur zu
       spät, er hat vermutlich auch nie „Sex and the City“ gesehen. In der
       US-Serie trug Hauptfigur Carrie Bradshaw Manolo-Schuhe so
       selbstverständlich wie andere Vans, und machte aus den Manolo Blahniks eine
       Schuhreligion. Feminismus und linke Politik kommen schon lange nicht mehr
       im selbstgestrickten Wollpullover daher, sondern können jeder Stilkritik
       standhalten. Michelle Obama war mehrfach das Vogue-Covergirl, die Linke
       Heidi Reichinnek ist mit ihrem knallroten Lippenstift schon länger eine
       Stilikone.
       
       Die genuesische Bürgermeisterin Silvia Salis war übrigens mal
       Hammerwerferin, ein traditionell männlicher Sport. Darauf angesprochen,
       sagte sie: „Die Stärke von Frauen wurde immer als etwas Negatives
       angesehen, für mich hingegen ist sie pure Schönheit. Das Drama der
       vorgefertigten Stereotype ist ein typisch italienisches.“ Im Wurfkäfig trug
       Salis, was sonst, Sportschuhe – und wurde mehrfach italienische Meisterin.
       
       14 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.weber-grillen.de/?gad_source=1&gad_campaignid=8641194896&gclid=EAIaIQobChMI69ze3ontkwMVz5RQBh0qKTEKEAAYASAAEgKlzPD_BwE
 (DIR) [2] /Silvia-Salis/!6087343
 (DIR) [3] https://www.gente.it/lifestyle/moda/a71010480/silvia-salis-sindaca-manolo-blanhik-modello-prezzo/
 (DIR) [4] https://www.businessinsider.com/first-lady-fashion-repeat-outfits-2021-10
 (DIR) [5] https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_100925756/baerbock-in-new-york-wir-lassen-uns-unsere-high-heels-nicht-mehr-nehmen-.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schmollack
       
       ## TAGS
       
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