# taz.de -- Pahlavi in Berlin: Nicht im Namen des iranischen Volks
       
       > Er gibt sich selbstbewusst als der Repräsentant der Menschen im Iran.
       > Pahlavis Rolle in der Opposition ist jedoch alles andere als eindeutig.
       
 (IMG) Bild: „Tens of millions shouted my name“, behauptete Pahlavi bei seinem Besuch in Berlin
       
       Reza Pahlavi kämpft auf seiner Europatour gegen den Bedeutungsverlust. Er
       tritt auf wie ein mit großer Mehrheit gewählter Repräsentant des iranischen
       Volks. Dabei hat er den verzweifelten IranerInnen nur einen Traum verkauft,
       den ausgerechnet [1][US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef
       Benjamin Netanjahu] erfüllen sollten. Auf der Bundespressekonferenz zeigte
       er sich diese Woche sichtlich genervt von den kritischen Nachfragen der
       JournalistInnen.
       
       Pahlavi war es, der im Namen der iranischen Bevölkerung den USA und Israel
       einen moralischen Freibrief für Angriffe auf sein Heimatland gab. Eine
       Carte blanche also für einen per internationalem Haftbefehl gesuchten
       mutmaßlichen Kriegsverbrecher und für einen US-Präsidenten, der
       mittlerweile droht, „[2][die iranische Zivilisation für immer
       auszulöschen]“.
       
       Auch nach Trumps apokalyptischen Drohungen wirbt Pahlavi weiter dafür, dass
       Amerikaner und Israelis „den Job zu Ende bringen“. Zu seiner Strategie
       gehört dabei eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber iranischen Opfern. Den
       Familien der am ersten Kriegstag in Minab getöteten Schulkinder hat er bis
       heute kein Beileid ausgesprochen. Etwa 170 Menschen tötete das US-Militär
       bei einem [3][Angriff auf eine Grundschule]. Den Familien der ersten drei
       getöteten US-Soldaten kondolierte Pahlavi hingegen umso herzlicher.
       
       Seine Anhänger sehen darin strategisches Kalkül: Er wolle Trump, der der
       Schlüssel zur Befreiung Irans sei, nicht kritisieren. All dies tut Pahlavi
       weiterhin im Namen des iranischen Volks. „Tens of millions shouted my
       name“, behauptet er in Berlin unter Verweis auf die Januarproteste in Iran.
       Wer seine Rolle als Oppositionsführer anzweifle, missachte demnach den
       Willen der IranerInnen. Allein diese Selbstgewissheit sollte Skepsis
       wecken.
       
       ## Für Pahlavi oder für das Regime
       
       Niemand kann seriös belegen, was „die Menschen“ in Iran aktuell wollen und
       was nicht. Fakt ist, dass schon im Januar Pahlavis unbestreitbar großer
       Einfluss bei den Protesten zusätzlich aufgeblasen wurde. Eine [4][Studie]
       zur Berichterstattung über die Proteste kommt zu dem Ergebnis, dass 17
       Prozent der auf Social Media geposteten Videos einen Bezug der Proteste zu
       Pahlavi zeigten, etwa durch Rufe nach ihm.
       
       Was die DemonstrantInnen aber viel mehr einte, waren Rufe nach dem Ende der
       Islamischen Republik, die auf 83 Prozent der Videos zu hören waren. Bei dem
       unter IranerInnen sehr einflussreichen, israelnahen Exilsender [5][Iran
       International] war das Verhältnis allerdings umgekehrt: 81 Prozent der
       veröffentlichten Videos zeigten Bezüge zum ehemaligen Kronprinzen. Ein
       Aufblasen der Bedeutung Pahlavis um 376 Prozent.
       
       Das Framing von Iran International schwappt oftmals auch in die
       internationale Berichterstattung über. Für seine Anhänger ist seitdem klar:
       Pahlavi spricht für die Menschen in Iran; wer nicht für ihn ist, ist für
       das Regime. Ein anmaßender Anspruch, bei dem JournalistInnen unbedingt
       kritisch nachfragen müssen. Auch wenn es ihm nicht gefällt.
       
       25 Apr 2026
       
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