# taz.de -- Autor Jason Reynolds im Gespräch: „Du kannst deine Geheimnisse in Bücher flüstern“
> Der Amerikaner Jason Reynolds schreibt Kinder- und Jugendromane über
> Gewalt und Rassismus. Trotzdem ist er überzeugt: Menschen sind von Natur
> aus gut.
(IMG) Bild: In seiner Kindheit gab es keine Bücher, aber viel Liebe, sagt Jason Reynolds. Später wurde er süchtig nach dem Lesen
Das Treffen mit Jason Reynolds findet Mitte März in einer Bibliothek im
schillernden [1][Berliner Bezirk Wedding] statt. Der Ort passt zu ihm.
Reynolds schreibt viel über Jugendliche, wie er selbst einer war:
aufgewachsen in prekären Verhältnissen, die selten im Zentrum literarischer
Aufmerksamkeit stehen. Er gilt auch in Deutschland als wichtige Stimme der
Kinder- und Jugendliteratur. Mit viel Humor und in authentischer
Alltagssprache bringt er jungen Leser*innen strukturellen Rassismus und
Diskriminierung nahe. Reynolds ist auf Lesereise, nach dem Interview wird
er aus seinem neuen Jugendroman „24 Sekunden ab jetzt“ vorlesen. Er spricht
viel über seinen Jetlag und wie schwer es ist, in Deutschland guten Kaffee
zu bekommen, wirkt dafür aber erstaunlich wach und nahbar.
taz: Herr Reynolds, wenn Sie ein Kind treffen, das denkt, es könne mit
Büchern nichts anfangen – was sehen Sie in ihm?
Jason Reynolds: Ich sehe mich selbst, und ich habe Nachsicht und Geduld mit
ihm. Es ärgert mich nicht, wissen Sie. Ich verstehe es. Es ist schwer. Ich
hatte nicht die Bücher, die ich brauchte. Heute haben die Kinder mehr
Bücher, aber zu viel Ablenkung.
taz: Wie waren Sie als Kind?
Reynolds: Ich war empfindsam, und zwar auf eine beständige und geerdete Art
und Weise – und ich wusste überhaupt nicht, wo mich das hinführen sollte.
Deshalb war ich auch ein Dummkopf. Ich war kein guter Schüler. Ich war so
ein Kind aus der Nachbarschaft, von der Straße.
taz: Sie sind in einer vorwiegend Schwarzen Nachbarschaft in einem Vorort
von Washington D. C. aufgewachsen, in einem Zuhause ohne Bücher, wie Sie
betonen. Wie war das?
Reynolds: Es gab keine Bücher, aber viel Liebe. Und meine Mutter hat meinen
Geschwistern und mir viel Freiheit gegeben herauszufinden, wer wir waren,
und neugierig zu sein – nicht nur auf das, was außerhalb von uns geschah,
sondern auch auf das, was in uns geschah.
taz: Sie hat Ihnen beigebracht, Ihren Verstand zu benutzen?
Reynolds: Ja. Und unser Herz. Unserem Bauchgefühl zu vertrauen.
taz: Bevor Ihnen Bücher wichtig wurden, haben Sie vor allem Rap-Texte
gelesen und gehört. Warum?
Reynolds: Es war mein Ding. Ich hörte meine eigene Stimme sonst nirgends.
Die Rapper sprachen den Slang meiner Nachbarschaft, voller Härte und
Schärfe. Sie kleideten sich wie meine älteren Brüder. Die Leute verstanden
das nicht. Aber wir verstanden das. Ich wurde von diesem Gefühl angezogen,
gesehen und gehört zu werden. Rap war und bleibt Rebellion. Ich begann,
Gedichte zu schreiben.
taz: Ihr erstes ganzes Buch haben Sie mit 17 gelesen.
Reynolds: Das Buch war großartig. Und ich dachte: Wow, das ist ein wirklich
gutes Buch. Aber es war vor allem das Hochgefühl, etwas zu Ende zu bringen.
Ich wurde süchtig nach dem Lesen.
taz: Schon vom ersten Buch an?
Reynolds: Ja, weil es so lange gedauert hatte, überhaupt dahin zu kommen!
taz: Welches Buch war es?
Reynolds: [2][„Black Boy“ von Richard Wright], eines der wichtigsten Bücher
der afroamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
taz: Wer hat es Ihnen gegeben?
Reynolds: Mein Lehrer im College. Wir hatten im Unterricht eine heftige
Auseinandersetzung, weil ich eingeschlafen war. Tu mir einen Gefallen,
sagte er. Ich gebe dir dieses Buch, und ich will, dass du die ersten zwei
Seiten liest. Wenn es dir gefällt, dann möchte ich, dass du es weiterliest.
Wenn es dir nicht mehr gefällt, kannst du es jederzeit zuklappen. Auf der
zweiten Seite des Buches zündet die Hauptfigur, der junge Richard, die
Vorhänge an. Damit konnte ich mich identifizieren.
taz: Wann haben Sie angefangen zu schreiben?
Reynolds: Ich war ein ehrgeiziger Junge. Mit 18 fing ich an, meine eigenen
Bücher zu schreiben. Ich vervielfältigte sie selbst und verkaufte sie aus
dem Kofferraum des Autos meiner Mutter. Nach meinem Collegeabschluss zog
ich 2005 nach New York und bekam meinen ersten richtigen Deal für ein Buch,
einen Gedichtband, da war ich 21. Ich dachte, ich würde reich und berühmt
werden, und ich war tatsächlich für zwei Wochen reich.
taz: Zwei Wochen?
Reynolds: Ich habe das ganze Geld für Turnschuhe und Hummer ausgegeben. Bis
dahin hatte ich noch nie einen richtigen Job gehabt. Gedichtbände verkaufen
sich nicht, deshalb musste ich Geld verdienen und fing an, Jeans zu
verkaufen. Zuerst war es mir peinlich. Aber bald wurde es großartig. Ich
habe das fast zehn Jahre lang gemacht. Und ich habe in dieser Zeit sogar
mit dem Schreiben aufgehört. Aber dann sagte ein Freund zu mir: Du solltest
es ein letztes Mal versuchen und eine Geschichte über dich, deine Freunde
und deine Familie schreiben. Also schrieb ich meinen ersten richtigen
Jugendroman, „When I was the Greatest“. In Deutschland hieß er „Coole
Nummer“.
taz: Ein Buch über Identität, Loyalität und die Frage, was es wirklich
heißt, „cool“ zu sein. War dieses Buch Ihr Durchbruch?
Reynolds: Nur in Deutschland! In den USA hat es noch etwas gedauert.
taz: In Ihrem neuen Buch, „24 Sekunden ab jetzt“, geht es um
Zerbrechlichkeit. Ihre Hauptfigur Neon steht im Bad und muss sich fast
übergeben, weil er vor seinem ersten Mal mit seiner Freundin so nervös ist.
Warum wollten Sie diese Geschichte erzählen?
Reynolds: Weil ich finde, dass auch Jungen Liebesgeschichten verdienen –
aus ihrer Perspektive. Und ich finde, Sex ist etwas, worüber wir sprechen
sollten, nicht wie über eine anzügliche Sache, sondern wie über einen
normalen Teil unseres Lebens. Das erste Mal ist für alle unangenehm und
furchteinflößend.
taz: Wirklich für alle?
Reynolds: Ja. Und wir bekommen nie zu sehen, was der Junge innerlich
durchmacht. Jungen müssen erfahren, dass kein Junge cool ist. Nicht ein
einziger. Sie lügen. Sie tun nur so, als ob. Ich wollte sie entlasten,
indem ich das zeige.
taz: Erwachsenen, die mit Teenagern zusammenleben, fällt es oft schwer zu
erklären, dass echter Sex nichts mit dem zu tun hat, worüber sie im
Internet stolpern. Warum ist es so wichtig, es trotzdem zu versuchen?
Reynolds: Pornografie ist wie alle Filme, die wir sehen, einfach
Unterhaltung. Und sie könnte kaum weiter von der Wahrheit entfernt sein.
taz: Warum ist es so selten, dass junge Männer beschrieben werden, die
unsicher, emotional, verletzlich, schüchtern sind? Gerade im Young- und New
Adult-Bereich gibt es viele Romane, die [3][zunehmend althergebrachte
Rollenbilder] reaktivieren.
Reynolds: Als ich ein Teenager war, standen alle meine Freunde und ich
unter großem Druck. In meiner Schwarzen Community warst du mit 14 oder 15
erwachsen. Du wurdest als Erwachsener behandelt. Wir taten, was von uns
erwartet wurde. Und das war nicht immer gut. Nicht immer gesund. Nicht
immer sicher. Nicht immer klug.
taz: Sind viele Männer aus Ihrer Sicht so?
Reynolds: Ich denke schon. Ich lache immer mit meinen Freunden und
Freundinnen darüber. Jeder, der schon einmal mit einem Mann zusammen war,
weiß, dass Männer im Bett kuscheln wollen. Öffentlich sagen sie das nie.
Niemals. Sie machen lieber Witze darüber. Es ist schade, dass Männern vor
allem Härte und Sexualtrieb zugeschrieben wird, obwohl wir alle wissen,
dass sie Cupcakes sind. Sie sind Softies.
taz: Sie schreiben über Kinder, die Schlimmes erlebt haben. In Ihrem Buch
„Ghost“ geht es zum Beispiel um einen Jungen, der fast von seinem
betrunkenen Vater erschossen wird. In „Sunny“ um einen, dessen Mutter bei
der Geburt stirbt und dessen Vater nicht aus seiner Trauer herauskommt. Wie
schaffen Sie es nur, mit solcher Leichtigkeit über Traumata zu schreiben?
Reynolds: Ich glaube, das ist einfach die Art, wie ich selbst damit
umgegangen bin. Ich habe traumatisierende Dinge erlebt. Als ich 19 war,
wurde ein Freund von mir ermordet, der mir sehr nahe stand. Ich kann aus
Respekt vor ihm und vor seiner Familie nicht sagen, wie es dazu kam. Aber
ich kann sagen, dass diese Erfahrung immer noch bei mir ist. Ich habe sie
in den Hintergrund geschoben, ich habe Abstand gewonnen. Nur so konnte es
für mich weitergehen. Ich glaube, das habe ich von meiner Familie gelernt.
taz: Was genau?
Reynolds: In meiner Familie wissen alle, dass Schmerz ein Teil des Lebens
ist. Meine Mutter hat immer gesagt: Wenn du einem Menschen begegnest, der
nur weint und nie lacht, dann vertraue ihm nicht, denn das ist eine Lüge.
taz: Kommt man auch besser mit Traumata klar, wenn man über sie schreibt?
Reynolds: Ich betrachte alle Bücher – egal, ob du welche schreibst oder
liest – als Schränke für Geheimnisse. Du kannst deine Geheimnisse in
Büchern verstecken. Du kannst sie in sie hineinflüstern. Und dann kannst du
das Buch schließen. Das ist sehr wertvoll.
taz: Vieles wird über die Generationen weitergegeben, ohne dass darüber
gesprochen wird, manchmal auch Traumata. Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit mit
diesen Dingen um?
Reynolds: Meine Mutter behandelt mich so, wie sie behandelt wurde. Wenn
meine Mutter also hart zu mir ist, dann wegen der Art, wie ihre Mutter hart
zu ihr war. Aber ihre Mutter war zu einer anderen Zeit und aus anderen
Gründen hart zu ihr. Deshalb fühlt sich die Disziplin meiner Mutter
manchmal sehr falsch an.
taz: Die Zeiten haben sich geändert?
Reynolds: Ja und nein. Es ist, als gäbe es ganz tief unten Regeln, die wir
uns nicht ausgedacht haben. Sie werden uns beigebracht, von unseren Eltern,
die sie von ihren Eltern beigebracht bekommen haben. Wir betrachten das
nicht immer als etwas Traumatisches. Es ist einfach so. Und es durchdringt
die einfachsten Dinge, bis hin zum Putzen unserer Turnschuhe.
taz: Zum Putzen der Turnschuhe?
Reynolds: Ja. Mein Großvater hat mir beigebracht, dass du deine Schuhe
putzen musst, weil der Mensch nach der Sauberkeit seiner Schuhe beurteilt
wird. Keine Falten, kein Schmutz. Ich achte noch im Jahr 2026 darauf, dass
meine Schuhe sauber bleiben, weil ich cool wirken will.
taz: Ihr Schreiben ist oft sehr körperlich. Man hört die Figuren atmen, sie
dürfen sich verhaspeln und stottern, man erfährt auch viel darüber, wie
sich ihr Körper anfühlt, ob er verkrampft ist oder schwitzt oder gerade vor
lauter Glück fast zu explodieren scheint.
Reynolds: Ich finde, Sprache sollte den Geist nachahmen. Wir erweisen uns
manchmal einen Bärendienst, indem wir eloquent schreiben, denn der Geist
ist kein eloquenter Ort.
taz: Sie meinen, die Literatur sortiert innere Vorgänge zu stark?
Reynolds: Ja. Dabei wimmelt es oft nur so vor Gedanken und Emotionen. Sie
schießen dir wie Momentaufnahmen durch den Kopf, es ist nicht
kontinuierlich fließend. Die Sprache sollte Momente des Schocks oder der
außergewöhnlichen Freude widerspiegeln. Wir sollten nicht nur gewählte
Wörter nutzen, sondern bis an die Grenzen der Sprache gehen. Die Syntax
aufbrechen. Es spielt sogar eine Rolle, wie du Satzzeichen setzt.
taz: Ich würde gern noch mit Ihnen über Ihr Buch „Stamped“ sprechen, ein
Sachbuch über Rassismus, das Sie gemeinsam mit einem Historiker geschrieben
haben. Sie verweisen darin auf Gomes Eanes de Zurara, der im 15.
Jahrhundert eine Ideologie entworfen hat, um die portugiesischen
Sklavenexpeditionen nach Afrika zu rechtfertigen. Warum ist es wichtig, den
Kindern das genau auf diese Art zu erklären?
Reynolds: Wenn die Idee des Rassismus aus der Vorstellungskraft eines
Menschen entstanden ist und aus seiner Fähigkeit, das niederzuschreiben,
dann bedeutet das: Wir können es verändern. Wenn sich Menschen Rassismus
ausdenken können, dann können sie sich auch eine Welt ohne Rassismus
ausdenken.
taz: Es geht also ums Verlernen?
Reynolds: Wir benutzen Folklore, um Dinge zu erklären, über die wir nicht
unbedingt sprechen wollen. Die Zahnfee existiert, weil sich damit ein Kind
beruhigen lässt, dem gerade ein Zahn aus dem Mund gefallen ist. Das ist
ziemlich beängstigend für das Kind. Es sei denn, ich sage dem Kind, dass es
eine Fee gibt, die ihm Geld für diesen Zahn bringt. Mit dem Rassismus
verhält es sich ähnlich. Der Rassismus ist ein Märchen, das sagt: Du bist
eigentlich gar kein Mensch. Du bist ein Wilder. Aber wie konnten die Weißen
es den Wilden überlassen, für sie zu kochen, ihre Kinder großzuziehen und
zu stillen? Vielleicht, weil sie immer gewusst haben, dass wir nie Wilde
waren. Deshalb bin ich vorsichtig. Ich höre den ganzen Lärm. Aber in meinem
Kopf ist es nur Lärm. Allerdings ein sehr mächtiger Lärm.
taz: Es ist Lärm, der Fakten schafft. Die Deutschen haben mithilfe von
anderem Lärm sechs Millionen jüdische Menschen ermordet.
Reynolds: Ja, aber meine Frage ist immer: Worauf genau zielten sie ab?
Also, was in der menschlichen Psyche haben sie damals angesprochen? Wie
viele Menschen hatten das Gefühl, es sei sicherer, auf dieser Seite zu
stehen? Diese Frage muss gestellt werden. Denn es passiert gerade auch in
Amerika.
taz: Sie meinen die Diskriminierungen der Trump-Regierung?
Reynolds: Ich spreche mit Menschen von Angesicht zu Angesicht. Und niemand
hat zu all diesen Dingen wirklich etwas zu sagen. Sie sagen: Mann, wir
wollen einfach nur etwas zu essen. Sie sagen, man habe ihnen erzählt,
mexikanische Menschen nähmen ihnen die Jobs weg. Aber in ihrer Stadt gibt
es gar keine Mexikaner.
taz: Aber gibt es nicht auch Menschen, die wirklich an diese Märchen
glauben? Die zum Beispiel denken, sie hätten ihre Privilegien verdient –
genauso wie die anderen ihre Armut verdient haben?
Reynolds: Wenn mir jemand sagen würde, dass er glaubt, er sei besser als
ich, dann wüsste ich ganz sicher, dass er das selbst nicht glaubt. Der
Grund, warum er mir das so unter die Nase reibt, ist nicht, mich zu
überzeugen.
taz: Er möchte sich selbst überzeugen?
Reynolds: Er muss rechtfertigen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. In
Amerika sind Schwarze Frauen erstaunlich erfolgreich im Bildungssystem. Und
alle sagen, Schwarze Frauen taugen nichts. Wissen Sie, warum? Weil jeder
weiß, dass es nicht so ist.
taz: Macht Ihnen die politische Entwicklung unter Trump Angst?
Reynolds: Es macht mir wahrscheinlich nicht so viel Angst wie vielen meiner
Freunde. Aber es beunruhigt schon, weil es in den USA von oben kommt. Es
geht vom Präsidenten aus.
taz: Wirklich nur von ihm?
Reynolds: Ich bin durch Amerika gereist. Ich war in jedem Bundesstaat, ich
habe kleine Städte besucht. Aber wenn Sie mich fragen, ob ich im Kern
glaube, dass die meisten Menschen auf diesem Planeten schlecht sind, dann
lautet die Antwort: Nein. Menschen sind von Natur aus gut.
taz: Aber wie erklären Sie sich dann zum Beispiel den Anstieg von
Hasskriminalität gegen Schwarze?
Reynolds: Ich glaube, die meisten unserer Probleme haben ganz andere
Ursachen – hier ist meine steile These für Sie. Sind Sie bereit?
taz: Klar.
Reynolds: Nach der Gesundheit des Planeten ist das zweitgrößte Problem der
Welt der Analphabetismus der Menschen. Weil es viel leichter ist,
ungebildete Menschen zu kontrollieren und von sich selbst wegzulenken.
taz: Ihre Bücher werden – wie viele Bücher von Schwarzen oder queeren
Menschen – aus zahlreichen Schulen und Bibliotheken in den USA verbannt.
Wie entwickelt sich das aus Ihrer Sicht?
Reynolds: Es ist seit Beginn meiner Karriere ein großes Problem, das gerade
noch viel größer wird. Es macht mich rasend. Es verletzt mich, dass
Menschen denken, dass ich, Jason Reynolds, etwas schreiben würde, was einem
Kind schaden könnte.
taz: Also steht es schlecht um die [4][Meinungs- und Kunstfreiheit in den
USA]?
Reynolds: Menschen nehmen nur das, was sie nicht haben. Wenn du also
intellektuelle Freiheit nimmst, dann deshalb, weil du sie nie bekommen
hast. Diese Leute verbauen unseren Kindern die Zukunft, die ihnen zusteht.
taz: Wenn Sie einen jungen Menschen sehen, der nach der Lesung einfach
still dasitzt und nachdenkt – was, hoffen Sie, geht in ihm vor?
Reynolds: Dass er sich umsorgt fühlt. Dass er denkt: Dieser Mensch, der das
geschrieben hat, kümmert sich um mich. Das ist schon alles.
27 Apr 2026
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