# taz.de -- Kälte in Berlin: Wenn selbst milde Nächte gefährlich sind
       
       > Tausende Obdachlose in Berlin kämpfen auch bei milderen Temperaturen –
       > während Hilfsaktionen Kleidung und Schlafsäcke sammeln.
       
 (IMG) Bild: Obdachlose Menschen vor den Ticket-Schaltern des Berliner Zoos
       
       In Berlin leben [1][tausende Menschen auf der Straße.] Für sie ist der
       Winter kein abstraktes Kapitel im Kalender, sondern eine Serie von Nächten,
       in denen man sich entscheiden muss: schlafen – oder wach bleiben, um nicht
       auszukühlen. Wie sich das anfühlt, ist schwer vorstellbar. Einschlafen wird
       zum Risiko. Selbst jetzt noch, bei Temperaturen deutlich überm
       Gefrierpunkt, bleibt die Kälte ein Problem – jedenfalls dann, [2][wenn der
       Körper sowieso geschwächt ist], die Kräfte nach einem langen, harten Winter
       aufgebraucht sind.
       
       Vor diesem Hintergrund liest sich auch die aktuelle Wettervorhersage
       anders. Grau und regnerisch soll die Woche beginnen, sagt der Deutsche
       Wetterdienst, mit Schauern vor allem im Norden Brandenburgs, Temperaturen
       zwischen 14 und 18 Grad. Eine milde Nacht, sechs bis neun Grad.
       
       Am Dienstag wieder Wolken, wieder Regen, maximal 13 bis 18 Grad. Ab
       Mittwoch dann eine Pause im Aprilwetter, etwas Sonne, bis zu 19 Grad am
       Donnerstag. Für die meisten ist das eine beiläufige Aussicht: etwas
       unbeständig, aber insgesamt freundlich, besonders weil links und rechts die
       ersten Bäume blühen. Für Menschen ohne festen Schlafplatz bleibt es eine
       Abfolge von Bedingungen, unter denen man schwer trocken und warm bleiben
       kann.
       
       [3][Dass Wärme in dieser Stadt keine Selbstverständlichkeit ist], zeigt
       sich auch an kleinen Dingen. Am U-Bahnhof Gleisdreieck sammelt die Berliner
       Stadtmission heute und am Dienstag gemeinsam mit den Berliner
       Verkehrsbetrieben Kleidung für Bedürftige: Übergangsjacken, Hoodies,
       T-Shirts, Socken, Hosen, Schuhe. Dinge, die überschüssig sind – oder eben
       nicht. Wichtig sei, heißt es, dass die Kleidung sauber und intakt ist, so,
       als würde man sie an Freunde weitergeben. Auch Schlafsäcke und Decken
       werden gebraucht. Alles, was eine Nacht ein wenig weniger lang macht.
       
       130 Säcke mit Kleidung und Alltagsgegenständen sind in dieser Wintersaison
       bei gemeinsamen Aktionen zusammengekommen. Das klingt nach viel – und ist
       doch nur eine Zahl in einer Stadt, in der der Bedarf größer bleibt als das,
       was sich sammeln lässt. Wer die Termine am Gleisdreieck verpasst, kann
       Spenden auch direkt bei der Stadtmission abgeben.
       
       Die Temperaturen steigen, sagt die Vorhersage. Aber Wärme ist relativ. In
       Wohnungen misst man sie in Grad. Auf der Straße eher in Chancen.
       
       13 Apr 2026
       
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