# taz.de -- Lachgasverbot für Minderjährige: Schluss mit lustig
       
       > Seit Sonntag wird Lachgas nur noch eingeschränkt verkauft. Minderjährige
       > sind vom Erwerb ausgeschlossen. Das Ziel: mehr Gesundheitsschutz. Reicht
       > das?
       
 (IMG) Bild: Seit Sonntag ist der Verkauf von Lachgas eingeschränkt
       
       Es war lange für Minderjährige sehr einfach, sich ein paar Minuten Lachen
       zu kaufen. Distickstoffmonoxid, besser bekannt als Lachgas und zuletzt vor
       allem als Partydroge im Fokus der Öffentlichkeit, steht in bunten
       Kartuschen in Regalen von Kiosken, Spätis und Verkaufsautomaten. Online
       lässt es sich sogar in diversen Onlineshops sogar per Blitzlieferung
       bestellen. Dieser Spaß hat seit Sonntag, dem 12. April, aber ein Ende:
       [1][Bundesweit ist eine Gesetzesänderung in Kraft getreten], die den
       Verkauf von Lachgas an Minderjährige, im Onlineversandhandel und in
       Automaten verbietet.
       
       Denn Lachgas verursacht [2][Gesundheitsrisiken], die auch von der
       allgegenwärtigen Verfügbarkeit der beliebten Partydroge befeuert werden.
       Das Gas wird aus Luftballons oder aus Kartuschen eingeatmet und führt zu
       einem kurz anhaltenden Rausch. Beim unverdünnten Inhalieren direkt aus
       Kartuschen drohen allerdings Bewusstlosigkeit durch Sauerstoffmangel und
       Erfrierungen an Mund und Lippen. Regelmäßiger Konsum kann zu langfristigen
       Nervenschäden führen bis hin zu Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen.
       
       „Lachgas ist kein Spiel und keine harmlose Partydroge, sondern ein hohes
       Risiko für die Gesundheit“, so Bundesgesundheitsministerin Nina Warken
       (CDU). Kinder und Jugendliche müssten vor gesundheitlichen Folgen des
       Lachgaskonsums geschützt werden. Der entsprechende [3][Gesetzentwurf zur
       Änderung des Neuen-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG)] wurde Ende des
       Jahres 2025 vom Bundesrat beschlossen und ist nun nach einer Übergangsfrist
       in Kraft getreten. Neben Lachgas reguliert die Regierung mit der
       Gesetzesänderung außerdem Herstellung und Handel zweier psychoaktiver
       Stoffe, die [4][als sogenannte K.-o.-Tropfen missbraucht werden können]:
       GBL (Gamma-Butyrolacton) und BDO (1,4-Butandiol).
       
       ## Nur ein Teil der Lösung
       
       Das Lachgasverbot sei effektiv im Sinne der Verhältnisprävention, erklärt
       Marc Pestotnik, Referent bei der Fachstelle für Suchtprävention in Berlin.
       Dabei gehe es darum, gesundheitsförderndes Verhalten durch Anreize oder
       Verbote zu erzielen. „Richtig ist, dass junge Menschen Lachgas künftig
       nicht mehr einfach in absurden Mengen am Späti kaufen können“, sagt
       Pestotnik. Gleichzeitig sei damit aber nur ein Teil der Arbeit geschafft.
       Zur erfolgreichen Prävention gehöre ebenso die Verhaltensprävention, die
       auf Aufklärung und Reflexion setzt – genau dies leiste das Gesetz jedoch
       nicht.
       
       Um Verhaltensprävention kümmert sich zum Beispiel die Fachstelle für
       Suchtprävention in Berlin durch Informationskampagnen oder Projekte an
       Schulen. Ihr Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen Verantwortung für ihre
       eigene Gesundheit beizubringen, damit sie informierte und bewusste
       Entscheidungen treffen können. Lachgas sei dort allerdings nur ein Thema
       unter vielen, sagt Pestotnik. Ebenso dringlich sei die Sensibilisierung
       Jugendlicher zu Themen wie Alkohol, Cannabis oder Nikotin.
       
       Das Lachgasverbot der Bundesregierung bleibe trotz allem ein starkes
       Signal, das endlich Klarheit und Konsequenzen schaffe, resümiert Pestotnik.
       Darüber hinaus brauche es neue grundlegende Strategien, die etwa
       Präventionsangebote in Schulen und Jugendvereinen fördern. Mit den
       momentanen Einsparungen im Sozialwesen sei das aber nur schwer umsetzbar.
       Auch die Fachstelle für Suchtprävention selbst ist von Kürzungen im
       Berliner Doppelhaushalt 2026/2027 betroffen.
       
       13 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kabinett-beschliesst-Lachgasverbot/!6094737
 (DIR) [2] https://www.bfr.bund.de/assets/01_Ver%C3%B6ffentlichungen/Mitteilungen_deutsch/lachgas-riskante-partydroge.pdf
 (DIR) [3] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/neue-psychoaktive-stoffe-gesetz-npsg
 (DIR) [4] /Forschende-ueber-K-o-Tropfen/!6165926
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jule Frank
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Lachgas
 (DIR) Nina Warken Gesundheitsministerin
 (DIR) Bundesministerium für Gesundheit
 (DIR) Jugendschutz
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Schwerpunkt Abtreibung
 (DIR) Drogen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nach Klinikschließung in Ahlhorn: Suchtkranke Kinder und Jugendliche bleiben auf der Strecke
       
       Deutschlands größte Entwöhnungsklinik für suchterkrankte junge Menschen
       muss schließen. Ab Sommer gibt es dann nur noch 25 Plätze –
       deutschlandweit.
       
 (DIR) Umgang der Union mit der „Elsa“-Studie: Totschweigen durch Nina Warken
       
       Die wissenschaftliche Studie über ungewollt Schwangere stört die Union bei
       ihrem Kulturkampf. Dabei ist Versachlichung dringend geboten.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Lachgas, nein danke!
       
       Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit – heute darf sich die
       Leserschaft erfreuen an einem Poem, das eine modische Droge entschieden
       ablehnt.