# taz.de -- Schneeschmelze in Russland: Alleingelassen mit den Fluten
       
       > Ganze Regionen werden in Russland mit dem Ende des Winters zum
       > Hochwassergebiet. Der Staat ist überfordert, die Menschen müssen sich
       > selbst helfen.
       
 (IMG) Bild: Anwohner räumen Schlamm und Trümmer von einer Straße, die durch heftige Regenfälle in Machatschkala, Russland, überflutet wurde
       
       Die taz präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden Mittwoch eine
       wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien.
       Mit diesem Projekt stärkt die taz panterstiftung unabhängigen Journalismus
       und ermöglicht es kritischen Redaktionen, ihre Arbeit auch unter
       schwierigen Bedingungen fortzuführen. 
       
       [2][Novaya Gazeta Europe] öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach
       Russland. [3][Der ganze Text ist auf Russisch verfügbar.]
       
       In Russland ist Hochwassersaison: Der Winterschnee schmilzt schnell, der
       Pegel steigt rasant – und vielerorts sind die Behörden überfordert.
       Besonders angespannt ist die Lage im Nordkaukasus: In Dagestan kamen
       infolge der Überschwemmungen bereits sieben Menschen ums Leben. In
       Tschetschenien wurden Häuser, Straßen, Brücken und Autos zerstört oder
       fortgerissen. Auch andere Regionen sind betroffen, von Nischni Nowgorod bis
       Omsk, von Udmurtien bis Susdal. Das Wasser überflutet Höfe, reißt
       Infrastruktur mit sich und schneidet ganze Dörfer von der Außenwelt ab. In
       mehreren Gebieten wurde bereits der Ausnahmezustand ausgerufen.
       Rettungskräfte sind im Dauereinsatz, pumpen Wasser ab und sprengen Eis auf
       den Flüssen.
       
       Novaya Gazeta Europe zeigt Fotografien aus den betroffenen Regionen und
       veröffentlicht eine umfassende Recherche zur aktuellen Hochwasserlage in
       Russland auf Basis staatlicher Angaben, Zeugenaussagen und zahlreicher
       Videos aus den sozialen Medien.
       
       Der Bürgermeister von Nischni Nowgorod, Juri Schalabajew, erklärte etwa:
       Alle Einsatzkräfte arbeiteten an der Belastungsgrenze. In der Stadt wurden
       neun Rettungsteams zusammengestellt – das sind mehr als 4.000 Personen und
       600 Fahrzeuge. Außerdem wurden Notunterkünfte vorbereitet, in denen bis zu
       40.000 Menschen untergebracht werden können.
       
       In der Republik Udmurtien sind mehrere Gebiete überflutet. In der Ortschaft
       Kizner wurden aufgrund des Hochwassers der Flüsse Luga und Tyzhma 50
       Grundstücke in sechs Straßen überflutet. Zudem ist das Dorf Gulyajevo im
       Bezirk Vavozh seit dem 30. März von der Außenwelt abgeschnitten; dort wurde
       eine niedrige Brücke über den Fluss Valu überflutet. Die Menschen erreichen
       weder Lebensmittel noch Medikamente; Kinder müssen zu Hause unterrichtet
       werden. Das Wasser steht über der Brücke mehr als zwei Meter hoch. Der
       Umweg aus dem Dorf hinaus ist lang: 37 Kilometer.
       
       Im Gebiet Rjasan behindert das Hochwasser ebenfalls den Straßenverkehr.
       Laut offiziellen Angaben sind in der Region derzeit 17 Brücken, 5
       Straßenabschnitte und 169 private Grundstücke überflutet. 14 Ortschaften
       sind vollständig abgeschnitten.
       
       In Dagestan hat die Regierung den Flutopfern nun finanzielle Hilfe
       zugesagt. Laut Behörden erhalten Betroffene einmalig etwa 172 Euro, bei
       Verlust von Eigentum bis zu ungefähr 1.700 Euro und im Todesfall sogar
       17.000 Euro. [4][Dieser Betrag muss zu gleichen Teilen unter allen
       Familienangehörigen des Verstorbenen aufgeteilt werden.]
       
       Vielen Betroffenen, deren Häuser schwer beschädigt und deren Besitz
       zerstört wurde, erscheinen diese Summen gemessen am tatsächlichen Schaden
       als zu gering. Zahlreiche Einwohner:innen bezeichnen die staatliche
       Hilfe als unzureichend.Auch die Psychologin Amina Achmedova kritisiert das
       Versagen der Behörden. Sie bewundere aber die Solidarität der Menschen,
       sagt sie. Hilfe funktioniere derzeit vor allem über private Netzwerke – das
       entlaste den Staat, der seinen Aufgaben nicht nachkomme. Für viele
       Betroffene sei es aber umso ärgerlicher, wenn sie trotz eigener Leistungen
       am Ende allein mit den Schäden bleiben.
       
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       8 Apr 2026
       
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