# taz.de -- Erinnerung an NS-Opfer: Wo Hape Kerkeling mal ganz ernst wird
       
       > Der Komiker erinnerte an die Befreiung des KZ Buchenwald vor 81 Jahren.
       > Die Gruppe „Kufiya in Buchenwald“ instrumentalisierte den Ort für ihre
       > Ziele.
       
 (IMG) Bild: Sein Großvater saß im KZ Buchenwald ein: Hape Kerkeling bei dem Gedenken am 12. 4. 2026
       
       Am Ende erzählte Hape Kerkeling, warum ihm diese Rede in Buchenwald so
       wichtig ist. Am Sonntag, zum 81. Gendenken an die Befreiung des
       Konzentrationslagers, stand der bekannte Komiker auf einem kleinen Podium,
       einen violetten Schal locker gebunden und eine Sonnenbrille auf der Nase.
       Der Himmel über ihm: grau, aber zumindest hielt er den Regen zurück.
       
       „Ich stehe hier heute auch, weil mich die Entwicklung in unserem Land
       zutiefst beunruhigt“, sagte Kerkeling. Es sei ein Schlag ins Gesicht der
       NS-Opfer und ihrer Nachfahren, wenn heute die Erinnerungskultur diffamiert
       werde. „Eine Gesinnung, die Menschen wieder ausgrenzt, die Gesellschaft
       spaltet und Verbrechen relativiert, hat auf dem Boden dieses Landes keine
       Berechtigung.“
       
       Am 11. April 1945 befreite die US-Armee das Konzentrationslager Buchenwald
       nahe Weimar. Die SS floh, etwa 21.000 Personen waren noch am Leben.
       Geschätzt 56.000 Menschen wurden im KZ Buchenwald ermordet. Die Gedenkfeier
       am Sonntag war geprägt von der Sorge, dass die Erinnerung daran verblassen
       könnte.
       
       Hape Kerkeling thematisierte in seiner Rede insbesondere die Geschichte
       seines Großvaters Hermann, eines Kommunisten und Katholiken. Ihn hatten die
       Nazis für drei Jahre im Konzentrationslager Buchenwald eingesperrt. Er
       wurde gefoltert, aber er überlebte. Kurz nachdem Hitler 1933 an die Macht
       kam, habe sein Großvater Flugblätter gegen den Diktator verteilt. Dafür war
       er für insgesamt 12 Jahre in Haft.
       
       ## Protest gegen Gedenken abgesagt
       
       Zuvor hatte Jens Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, die
       Veranstaltung mit einer gewohnt politischen Rede eröffnet. Das Befürchtete
       sei eingetreten: Je weniger Zeitzeugen des deutschen NS-Terrors noch
       lebten, desto mehr stünden Gedenkstätten unter Druck. In diesem Jahr waren
       noch zwei Überlebende bei der Gedenkfeier in Buchenwald, Alojzy Maciak aus
       Polen und Andrej Iwanowitsch Moiseenko aus Belarus.
       
       Rechtsextreme versuchten die Erinnerung zu verwischen, mahnte Wagner. Von
       „Schuldkult“ oder „Nationalmasochismus“ würde etwa die AfD sprechen.
       „Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb“ liege die Partei in
       Thüringen bei 40 Prozent.
       
       Dann sprach Wagner den Protest der „Kufiya in Buchenwald“ an, aber er wolle
       nicht darauf eingehen, um ihnen keinen Raum zu geben. Dafür bekam er das
       erste Mal Applaus von den Zuhörer:innen.
       
       Nach eigenen Angaben besteht die Initiative „Kufiya in Buchenwald“ aus
       verschiedenen jüdischen und antifaschistischen Gruppen aus Deutschland, den
       USA, Kanada und Tunesien. Sie hatten kritisiert, der Lagerwiderstand werde
       „zunehmend verleugnet und nichtjüdische Opfergruppen ausgeblendet“. So
       werde das Gedenken instrumentalisiert, um den „Genozid in Palästina“ zu
       legitimieren. In einem Statement stellt das Bündnis dabei die Singularität
       der Schoah infrage.
       
       ## Stadt verbietet Gaza-Protest im KZ
       
       Eine Mahnwache, die die Initiative in Buchenwald am Sonntag zum Gedenken an
       die Opfer in Gaza abhalten wollte, hatte die Stadt Weimar verlegt. Die
       Verwaltung wies der Mahnwache den Theaterplatz zu. Das Verwaltungsgericht
       Weimar lehnte einen Eilantrag der Initiative gegen die Entscheidung der
       Stadt am Donnerstag ab.
       
       Am Sonntag erklärte das Bündnis „Kufyias in Buchenwald“ auf Social Media,
       es werde keine Mahnwache abhalten. Stattdessen veröffentlichte es ein
       Video, das mehrere Personen auf dem Gelände der Gedenkstätte zeigt. Sie
       hätten am Samstag die Mahnwache durchgeführt, heißt es erklärend dazu.
       
       Protest gab es am Sonntag trotzdem. Während der Rede von
       Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sangen Dutzende
       Zuhörer:innen das Buchenwaldlied. Er war teilweise nicht zu hören.
       Hintergrund ist mutmaßlich, dass Weimer beim Deutschen Buchhandlungspreis
       drei linke Buchläden von der Preisträgerliste streichen ließ.
       
       12 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Muschenich
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Shoa
 (DIR) Buchenwald
 (DIR) Konzentrationslager
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) GNS
 (DIR) Buchenwald
 (DIR) Schwerpunkt Leipziger Buchmesse
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Protest zum Jahrestag der Befreiung: Buchenwald als Bühne
       
       Ob Kufijas im KZ oder der Streit um eine Rede Wolfram Weimers: Die Zukunft
       des Gedenkens ist ein beängstigendes Thema. Ist da für Juden noch Platz?
       
 (DIR) Abschluss der Leipziger Buchmesse 2026: Es weimerte sehr
       
       Auf der Buchmesse wurde branchenweit Solidarität mit den vom
       Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchläden bekundet. Auch sonst zeigte
       man sich geschlossen.
       
 (DIR) Partys in Buchenwald: Dieser Prinz vermietet ein KZ-Außenlager an rechte Rocker
       
       In Leipzig war ein Außenlager des KZ Buchenwalds. Der heutige Besitzer
       vermietet die Immobilie an rechte Rocker. Wann wird sie zum Gedenkort?