# taz.de -- Tag des Bibers: Baukünstler ohne Genehmigung
       
       > Während Niedersachsens Politik über Entschädigungen streitet, schafft der
       > Biber Fakten – die wir uns im Klimawandel eigentlich teuer erkaufen
       > müssten.
       
 (IMG) Bild: Baut Landschaft so um, dass die Biodiversität steigt und viel mehr Kohlendioxid gespeichert wird: Ein Biber kaut einen Erlenzweig
       
       Niedersachsen [1][investiert Millionen in Renaturierungsprojekte],
       engagiert Planungsbüros für den Hochwasserschutz und diskutiert in
       Ausschüssen [2][über die Wiederbelebung von Mooren]. Dabei gibt es ein
       putziges Tier, das all diese Aufgaben quasi im Vorbeigehen erledigt –
       unentgeltlich und ohne langwierige Genehmigungsverfahren, aber eben nicht
       immer dort, wo es der Katasterplanung genehm ist.
       
       Dass [3][der Biber als „Schlüsselart“] aktiv und permanent Lebensräume
       umgestaltet und dabei Aufgaben übernimmt, die technisch kaum zu ersetzen
       seien, darauf wies der Naturschutzbund (Nabu) in Niedersachsen in einer
       Stellungnahme zum internationalen Tag des Bibers am Dienstag hin.
       
       „Wir erleben eine Debatte, die die Potenziale des Bibers weitgehend
       ausblendet“, mahnt Nabu-Sprecher Lamin Neffati. Statt die Rückkehr des
       Bibers als Chance zu begrüßen, dominierten derzeit Konfliktdebatten und der
       Biber werde häufig nur als Störfaktor wahrgenommen.
       
       Stattdessen müsse die Politik die nachgewiesene Fähigkeit zur Renaturierung
       von Gewässerlandschaften anerkennen. Denn der Biber ist einer der
       wirkungsmächtigsten [4][Ökosystem-Ingenieure] hierzulande. Durch den Bau
       von Dämmen entstehen Feuchtgebiete, Teiche und strukturreiche
       Auenlandschaften, die als natürliche Puffer fungieren. Sie speichern Wasser
       in der Fläche, fördern die Versickerung und verlangsamen den Abfluss bei
       Starkregen – eine kostenlose Infrastrukturmaßnahme gegen die Folgen der
       Klimakrise sozusagen.
       
       Zugleich verbesserten die Nager die Wasserqualität durch Filterprozesse in
       den Staubereichen und kurbelten die Grundwasserneubildung an, betont der
       Nabu. Neffati kritisiert, dass die aktuelle politische Debatte sich jedoch
       auf Schadensberichte, Entschädigungsforderungen und mögliche Eingriffe in
       die Population versteife.
       
       ## Debatte ist oft auf Reibungspunkte reduziert
       
       Tatsächlich ist die öffentliche Wahrnehmung oft auf die Reibungspunkte
       reduziert. In den Landkreisen Emsland und Leer zum Beispiel beklagen sich
       Landwirt:innen [5][über untergrabene Wirtschaftswege und instabile
       Deichabschnitte].
       
       Der Bäuer:innenverband [6][Landvolk Niedersachsen fordert deshalb
       „praxisnahe Lösungen“], was in der Verbandssprache oft eine leichtere
       „Entnahme“ – also den Abschuss – oder die Zerstörung von Dämmen bedeutet,
       sobald wirtschaftliche Interessen berührt sind. Landwirt:innen fühlen
       sich [7][mit den Kosten für vernässte Flächen und Ernteausfälle allein
       gelassen].
       
       Einen speziellen „Biber-Fonds“ für pauschale Entschädigungsleistungen wird
       es trotz des Drucks aus der Agrarlobby aber vorerst nicht geben, stellte
       das Ministerium klar. Stattdessen setzt das Land auf Einzelfallprüfungen
       und technische Präventionsmaßnahmen. Dennoch bleibt die Akzeptanz in
       betroffenen Regionen eine Herausforderung.
       
       ## Land versteht den Biber als Partner
       
       Das „[8][Handlungskonzept Biber“ des niedersächsischen Umweltministeriums],
       das Umweltminister Christian Meyer (Grüne) im August 2025 auf den Weg
       brachte, begreift den Biber dabei ausdrücklich als Partner, um Wasser in
       der Landschaft zu halten. Das Land setzt deshalb bislang vor allem auf
       technisches Koexistenz-Management.
       
       Ein zentrales Instrument sind hierbei sogenannte „Bibertäuscher“: spezielle
       Rohrsysteme, die durch den Biberdamm verlegt werden, um den Wasserspiegel
       auf ein für den Menschen erträgliches Maß abzusenken – meist auf rund 60
       bis 80 Zentimeter.
       
       Der Einlauf des Rohres wird mit einem großen Drahtkorb gesichert, sodass
       der Biber das Geräusch des abfließenden Wassers nicht orten kann und das
       „Leck“ nicht instinktiv verbaut. So bleibt das Revier für das Tier
       attraktiv, während der angrenzende Acker oder Weg nutzbar bleibt. Ergänzt
       werden solche Maßnahmen durch Verbissschutz, Elektrozäune oder
       Ablenkfütterung.
       
       ## Biber helfen, Kohlendioxid zu speichern
       
       Dass der Biber ein ökologischer Motor ist, ist kein bloßer Wunschtraum von
       Umweltschützer:innen. Auch eine aktuelle internationale Studie mit
       Beteiligung der Universität Bern belegt das: [9][Von Bibern geschaffene
       Feuchtgebiete speichern bis zu zehnmal mehr Kohlenstoff] als vergleichbare
       Landschaften ohne Biberaktivität. Sie sind nicht nur für Libellen,
       Amphibien und seltene Fischarten überlebenswichtig, sondern fungieren auch
       als langfristige Kohlenstoffsenken und produzieren deutlich mehr Biomasse.
       
       Auch ein Fachbericht des Schweizer Bundesamts für Umwelt (Bafu) aus dem
       vergangenen Jahr rehabilitiert [10][den Biber als „wirkungsvollen Partner
       für lebendige Gewässer“] und fordert mehr Raum für dessen natürliche
       Dynamik: Die Tiere verbessern nicht nur die Biodiversität, sondern leisten
       einen messbaren Beitrag zum Klimaschutz und zum Wasserrückhalt – genau die
       Ziele, die Niedersachsen mit Millioneninvestitionen in
       Moor-Wiedervernässung und Renaturierung verfolgt.
       
       7 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/land-investiert-rekordsumme-in-den-kusten-und-hochwasserschutz-249669.html
 (DIR) [2] /Wiedervernaessung-des-Teufelsmoors/!5985162
 (DIR) [3] /Biber/!t5033567
 (DIR) [4] https://www.ifaw.org/de/journal/okosystem-ingenieur
 (DIR) [5] https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/die-ruckkehr-des-bibers-ist-uberwiegend-eine-bereicherung-fur-die-gewasser-in-niedersachsen-244287.html
 (DIR) [6] https://landvolk.net/lpdartikel/wachsende-biberpopulation-fuehrt-zu-konflikten/
 (DIR) [7] https://landvolk.net/lpdartikel/bibermanagement-veraergert-niedersachsens-landwirte/
 (DIR) [8] https://www.nlwkn.niedersachsen.de/veroeffentlichungen-naturschutz/handlungskonzept-biber-in-niedersachsen-veroffentlicht-246174.html
 (DIR) [9] https://mediarelations.unibe.ch/medienmitteilungen/2026/medienmitteilungen_2026/biber_kohelnstoffspeicher/index_ger.html
 (DIR) [10] https://www.bafu.admin.ch/de/der-biber
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Robert Matthies
       
       ## TAGS
       
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