# taz.de -- Die Wahrheit: Kommando Mumpitz
       
       > Bevor man als Neu-Prepper teure Survival-Kits erwirbt, sollten erst
       > einmal die Ramsch- und Kitsch-Reserven in den Haushalten verbraucht
       > werden.
       
       „Wir müssen jetzt auch mal preppen“, behauptet meine Freundin und verweist
       auf die reichlich desolate Weltlage. „Wir preppen doch längst“, sage ich
       und verweise auf unsere reichlich dekorierte Wohnung. „Wir müssen nur auf
       den passenden Ernstfall für unsere Notvorräte warten.“
       
       Persönliche Verbindungen in die Kleinkunstszene und ihre Theaterfundi haben
       uns massenhaft Komödienrequisiten wie Schirmchen verschießende Pistolen und
       freche Hütchen ins Haus gespült. Statt auf den Ernstfall haben wir uns
       jahrelang versehentlich auf den Spaßfall vorbereitet. Der aber wird von der
       Weltpolitik gerade in letzter Zeit sträflich vernachlässigt.
       
       Um auf diese Schieflage hinzuweisen, wollen wir bei der UN eine Petition
       einbringen. Die Sicherheitslage ist unverzüglich den vorhandenen
       Notvorräten der Bürger anzupassen – und nicht umgekehrt.
       
       Bevor man die gesamte Weltbevölkerung losschickt, um teure Survival-Kits
       für die Apokalypse zu kaufen, sollten erst einmal die Ramsch- und
       Kitsch-Reserven in den Haushalten verbraucht werden. Schurkenstaaten sind
       aufgerufen, nur noch Bedrohungslagen zu schaffen, die sich mit
       Schirmchenpistolen und Motivtellern aus dem Harz abwehren lassen. Oder mit
       unbeliebten Alkoholika.
       
       ## Vorrat an Gesöff
       
       Wir haben im Sommer eine Gartenparty gefeiert und leiden noch immer unter
       den Resten. Unsere Vorratskammer ist voll mit halbtrockenen Sekten und
       fragwürdigen Likören. An ein vernünftiges Preppen für den Weltuntergang ist
       da schon aus Platzgründen nicht zu denken. Erst einmal muss das Gesöff weg,
       das die Gäste aus Verlegenheit mitgebracht haben, um dann unseren guten
       Wein zu trinken. Selbstverständlich versuchen wir, die schlimmsten Flaschen
       an andere Gastgeber verschenken. Allerdings ist es schwer, an
       Folgeeinladungen zu kommen, wenn so eine Festgesellschaft einmal vom
       eigenen Mitbringsel erblindet ist.
       
       Umfragen im Dunkelfeld unserer Bekanntschaften haben ergeben, dass neben
       unerwünschten Alkoholika vor allem verwaiste Sportgeräte und abgebrochene
       Hobbyprojekte die Rumpel- und Abstellkammern verstopfen. Zwar wissen wir
       auch nicht genau, bei welcher internationalen Krise alle Beteiligten
       betrunken auf verstaubten Heimtrainern herumsitzen könnten, um gemeinsam
       eine uralte Makramee-Arbeit fertigzustellen, aber wir sind ja auch keine
       professionellen Kriegstreiber. Den imperialen Strategen, die gerade im
       Wochentakt Konflikte vom Zaun brechen, wird da schon etwas einfallen.
       
       Falls unsere Bundesregierung präventiv Partyalarm auslösen will, um ihren
       neuesten außenpolitischen Offenbarungseid zu feiern, könnten wir schon
       jetzt schnell und unbürokratisch aushelfen. Leider hat das Bundesamt für
       Bevölkerungsschutz bislang kein Interesse an unseren Reserven gezeigt,
       obwohl wir der Behörde unter dem Betreff „Kommando Mumpitz“ die komplette
       Ausstattungs- und Getränkeliste gefaxt haben.
       
       7 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Bartel
       
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