# taz.de -- UN-Bericht: So schlecht ist die Welt auf einen digitalen Super-GAU vorbereitet
       
       > Die vernetzte Welt hängt von störanfälligen Systemen ab. Wären
       > Regierungen bei massiven Unterbrechungen vorbereitet? Die UN-Antwort ist
       > beängstigend.
       
 (IMG) Bild: Was wäre, wenn morgen Mobiltelefone und das Internet nicht mehr funktionieren würden?
       
       dpa | Verheerende Folgen bedrohen nach einem UN-Bericht die Menschen, wenn
       die [1][Grundpfeiler der digitalen Welt] plötzlich zusammenbrechen. Die
       Länder seien nicht darauf vorbereitet, dass etwa großflächig Satelliten
       ausfallen, der Strom unterbrochen wird oder [2][Unterseekabel] reißen,
       berichten die UN-Organisation für Telekommunikation (ITU) und das UN-Büro
       für Katastrophenvorsorge (UNDRR). „Kritische digitale Risiken sind real,
       dokumentiert, systemisch und werden weitgehend unterschätzt“, warnen sie.
       
       „Was wäre, wenn morgen Mobiltelefone und das Internet nicht mehr
       funktionieren würden, Zahlungen fehlschlügen, Krankenhäuser Patientendaten
       verlieren und Notfallwarnungen nie ankommen würden?“, heißt es in dem
       Bericht. „Was wie Science-Fiction klingt, könnte Realität werden.“ Die
       Organisationen sprechen von einer „digitalen Pandemie“ und stellen drei
       beängstigende Szenarien vor.
       
       ## Ein Sonnensturm wie 1859
       
       Wenn die Sonne plötzlich mehr Strahlung und Teilchen ins All schleudert und
       diese die Erde treffen: An einem Septembertag 1859 hätten bei so einem
       Ereignis – Vorwarnzeit: höchstens 20 Stunden – Telegrafisten Stromschläge
       bekommen, Geräte hätten Funken gesprüht und Büros in Brand gesetzt.
       
       Heutzutage würden Signale von Navigationssatelliten gestört, Flugzeuge
       hätten kein Live-Radar mehr und Flüge müssten drastisch reduziert werden,
       autonom fahrende Autos würden stehen blieben, Finanztransaktionen
       fehlschlagen. Geomagnetisch induzierte Ströme könnten Transformatoren im
       Stromnetz zerstören und die Stromversorgung stoppen. Datenzentren kämen an
       Grenzen, wenn sie ihren Notstrom aufgebracht hätten. Der Ersatz von
       Transformatoren in großem Stil könnte Monate dauern.
       
       ## Extremhitze wie 2003
       
       Mehr Bedarf an Kühlung, gleichzeitig Erwärmung der Flüsse, was den Betrieb
       von Atomkraftwerken einschränkt und die Befahrbarkeit der Flüsse, was den
       Nachschub mit Diesel für Notstrom beschränken könnte: Heutzutage wären
       ungleich mehr Datenzentren mit hohem Strombedarf betroffen als 2003. Sie
       könnten teils mangels Kühlung ausfallen, Bezahlterminals könnten Dienste
       versagen, Geschäfte schließen. Eine regionale Mobilfunk-[3][Infrastruktur,
       die unabhängig von Datennetzen betrieben werden soll], braucht
       Basisstationssender, von denen viele ohne Kühlung nicht funktionieren.
       
       ## Was zu tun ist
       
       Im Gebiet von Tonga hat 2022 eine große Eruption des Vulkans Hunga
       Tonga-Hunga Ha’apai unter der Meeresoberfläche massive Schäden verursacht
       und unter anderem ein 80 Kilometer langes Unterseekabel zerstört, das den
       Inselstaat mit der Außenwelt verband. So etwas kann einen wochenlangen
       Internet-Ausfall bedeuten, mit Folgen wie bei den anderen Szenarien.
       
       Meist werde beim Risikomanagement jede Gefahr einzeln betrachtet und davon
       ausgegangen, dass das Problem kurzfristig behoben werden könne. Die Gefahr
       sei aber, dass ein einzelnes Problem andere kritische Infrastruktur
       belasten kann und plötzlich mehrere gleichzeitig betroffen sind. Nötig
       seien unter anderem analoge Ausweichkapazitäten. Menschen müssten wissen,
       wie sie mit analogen Systemen digitale Disruptionen bewältigen und
       überwinden können.
       
       5 May 2026
       
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