# taz.de -- Technologie für Pressefreiheit: Mit Sprachnachrichten im Radio lokale Missstände anprangern
       
       > In Südafrika können Lokalradios mit digitaler Technik ihre jeweiligen
       > Gemeinschaften stärken, wie der Sender Alex FM in Johannesburg vormacht.
       
       Johannesburg taz | In Johannesburgs Township Alexandra morgens um kurz nach
       sieben: Im Studio des Bürgerradios Alex FM produziert Sally Mmowa die
       Frühstückssendung. Auf einem Bildschirm das Playout-System, auf einem
       anderen ein spezieller WhatsApp-Computer. Dann treffen Sprachnachrichten
       ein. „Hört mal“, lautet eine. „Pick it Up hat seit Ostern keinen Müll mehr
       abgeholt. Alles stinkt, Menschen werden krank.“
       
       In wenigen Minuten hat Mmowas Team die Müllabfuhr erreicht. Eine
       Sprachnachricht kommt auf Sendung: „Keine Sorge, wir haben ein Treffen mit
       den Stadträten. Wir lösen das Problem.“ Das ist investigativer
       Journalismus: Nur eine WhatsApp-Nachricht, eine Gemeinschaft, die weiß,
       wohin sie diese schicken muss, ein Sender, der bereit ist zu handeln.
       
       Südafrika hat 290 [1][Community-Radios] und 41 kommerzielle und
       öffentlich-rechtliche Sender. Medienkonzerne kämpfen ums Überleben, der
       öffentlich-rechtliche Rundfunk SABC ächzt unter Schulden. Fragt man bei
       Community-Radios, was den Durchbruch brachte, heißt es WhatsApp. In den
       letzten zehn Jahren hat sich die Zahl südafrikanischer Internetnutzer fast
       verdoppelt.
       
       Laut einer Studie haben Südafrikaner mit 58,2 Prozent ihres Tages weltweit
       die längste tägliche Bildschirmzeit. „Vor WhatsApp wurden Gesprächsguthaben
       gekauft, um anzurufen“, sagt Mmowa, „jetzt gibt es überall kostenloses WLAN
       in Einkaufs- und Gemeindezentren. Zugänge sind viel einfacher, auch dank
       Facebook, TikTok, Instagram, X und YouTube.“
       
       Der Wandel ist auch redaktionell. Hörer nehmen nun an der Beschaffung von
       Nachrichten teil. Bei Protesten fordern die Sender Menschen vor Ort auf,
       Sprachnachrichten mit Beobachtungen, Bildern und Videos aus erster Hand zu
       senden. Sie werden geprüft und ausgestrahlt. Kommerzielle Sender haben
       Syndikatsverträge, Marketingbudgets und prominente Moderatoren.
       
       Doch: „Wenn in der Gemeinde etwas passiert, erfahren wir das als Erste“,
       sagt Mmowa. „Unsere Macht ist die des Volkes. Deshalb kommen Politiker zu
       den Bürgerradios. Sie wissen, dass wir die Gatekeeper der Gemeinde sind.“
       
       Pressefreiheit ist für Mmowa die Antwort auf die Frage, ob ihr Sender dem
       Publikum die Wahrheit sagen kann. „Unser Fokus liegt auf
       Rechenschaftspflicht“, sagt sie. „Die Gemeinschaft zieht uns zur
       Rechenschaft. Sie schlägt vor, wen sie auf Sendung haben will. Geht das
       nicht, sollten wir wenigstens die Wahrheit sagen.“
       
       Alex FM erreicht über den Äther 350.000 Hörer. Online sind stets mehr als
       10.000 Menschen live zugeschaltet. Doch der digitale Wandel mit
       Zetta-Playout-System, WhatsApp-Computer, Streaming-Infrastruktur kostet
       echtes Geld. Jahrelang wurde die Lücke mit Freiwilligen und Hoffnung
       überbrückt.
       
       Dann kündigten die Association of Independent Publishers (AIP) und Google
       im November 2024 den Digital News Transformation Fund mit umgerechnet 5,9
       Millionen Euro über drei Jahre an. Südafrikas bisher größte Finanzspritze
       für Basismedien.
       
       Für die AIP-Vorsitzende Anetta Mangxaba ist der Fonds eine „entscheidende
       Rettungsleine für den unabhängigen Journalismus“. Lokalmedien verschafften
       „den Bürgern an der Basis Gehör“. Der Medienwissenschaftler Tony Tendai
       sagt: „WhatsApp und digitale Tools haben eine große Rolle dabei gespielt,
       Gemeinschaften zusammenzubringen. Aber zu behaupten, sie würden den
       Community-Journalismus retten, geht zu weit.“ Digitale Plattformen hätten
       jetzt ein Monopol auf Werbekunden, während Lokalmedien schrumpfende
       Werbeeinnahmen, begrenzte Mittel und hohe Arbeitsbelastung für kleine Teams
       hätten.
       
       Um neun Uhr endet die Frühstückssendung. Mmowa fährt den WhatsApp-Computer
       herunter. Das Müllentsorgungsunternehmen hat live im Radio geantwortet. Ob
       es tatsächlich auftaucht, ist eine andere Geschichte, die Alex FM verfolgen
       wird. Denn sonst tut es niemand. „Das ist Radio mit Einfluss“, sagt Mmowa.
       
       Dianah Chiyangwa ist freie Journalistin im südafrikanischen Johannesburg.
       2023 nahm sie am [2][Afrika-Workshop der taz panterstiftung] teil.
       
       2 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=KQ6XnBtlTtQ
 (DIR) [2] /Afrika-im-Wettbewerb-globaler-Maechte/!t5985156
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dianah Chiyangwa
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) taz Panter Stiftung
 (DIR) Südafrika
 (DIR) Radio
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Schutz von Journalisten durch KI: Reale Infos von virtuellen Sprechern
       
       In Venezuela überlebt der Journalismus Zensur und Repression mithilfe von
       Kooperationen, technologischer Innovation und der Unterstützung aus dem
       Exil.
       
 (DIR) Fake News und Manipulation: Mit KI-Pornografie gegen journalistische Integrität
       
       Kritische Journalist*innen werden mit sexualisierten Deepfakes mundtot
       gemacht. Betroffen sind vor allem Frauen.
       
 (DIR) Plattformmacht und Regulierung: Transparenz gegen Werbemanipulation
       
       Kein Verweis auf den Schutz der Pressefreiheit beim Entwurf für das
       Politische-Werbung-Transparenz-Gesetz (PWTG) der Europäischen Union (EU).
       
 (DIR) Fake News und Manipulation: Effektive Meme-Warfare
       
       Im Krieg macht jetzt auch KI staatliche Propaganda, wobei Memes ihn als
       kalkulierte Kommunikationsinstrumente zu einer scheinbar harmlosen
       Unterhaltung machen.