# taz.de -- Konjunkturprognose für Deutschland: Schock dämpft Erholung
> Der Irankrieg hat Folgen für die deutsche Wirtschaft: Die wichtigsten
> Wirtschaftsforschungsinstitute halbieren ihre Wachstumsprognose für 2026.
(IMG) Bild: Hohe Treibstoffpreise verteuern die Lieferkette: Ein Containerschiff auf dem Rhein bei Duisburg im März
Der leichte Aufschwung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort – das ist
die gute Nachricht. Sie hat aber eine Kehrseite: „Der Energiepreisschock
dämpft die Erholung“, erklärten am Mittwoch fünf große Institute für
Wirtschaftsforschung die Folgen des Kriegs im Nahen Osten.
Vor dem Hintergrund dieser eher ausgewogenen Einschätzungen warnten sie die
Regierungskoalition vor „Aktivismus“. Von einem teuren Tankrabatt rieten
sie ab, falls nötig solle der Staat besser die Grundsicherung für arme
Bevölkerungsgruppen erhöhen. Die am Mittwoch vorgelegte
Gemeinschaftsdiagnose der Institute ist die erste Gesamtbetrachtung der
ökonomischen Folgen des vor einem Monat begonnenen Angriffs auf Iran.
Die Attacke der USA und Israels hat mittlerweile dazu geführt, dass die
iranische Regierung nur noch wenige Schiffe durch die Straße von Hormus
fahren lässt, was die Öl-, Gas- und Rohstoffversorgung behindert.
„Energiepreisschock überlagert Fiskalimpuls – Wachstumskräfte versiegen“,
lautet der Titel des Gutachtens. Weil Öl, Benzin und Gas erheblich teurer
geworden sind, steigt die Inflationsrate dieses Jahr wohl auf 2,8 Prozent.
2027 dürfte sich die Steigerung der Lebenshaltungskosten auf 2,9 Prozent
belaufen. Die Erwerbstätigkeit gehe 2026 leicht zurück, während die
Arbeitslosigkeit auf 6,4 Prozent zulegen werde (2025: 6,3 Prozent).
Das alles schlägt sich auch im Wachstum nieder: 2026 soll das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch um 0,6 Prozent steigen, die Hälfte des
ursprünglich prognostizierten Wertes. Und die Bremsspuren verlängern sich
bis nach 2027 hinein. Dabei beurteilen die ForscherInnen die Folgen des
Konflikts jedoch recht zurückhaltend: „Die Auswirkungen sind spürbar, aber
nicht drastisch“, schreiben sie.
## Schäden schwächer als nach Corona
Timo Wollmershäuser vom Münchener ifo-Institut stufte die wirtschaftlichen
Schäden schwächer ein als die der Coronapandemie und des russischen
Angriffs auf die Ukraine. Positiv sei zu vermerken, dass Deutschland sich
eigentlich auf dem Pfad der Erholung bewege, gezogen vor allem durch die
schuldenfinanzierten Investitionsprogramme der Bundesregierung.
Auch die Weltwirtschaft expandiere, betonte Wollmershäuser. Die
Gemeinschaftsdiagnose steht freilich unter der Annahme, dass der Krieg im
Nahen Osten in einigen Wochen endet. Dementsprechend vorsichtig schätzen
die Institute die Notwendigkeit ein, politisch in den Markt einzugreifen.
Wenn die Regierung finanzielle Unterstützung zur Abfederung der hohen
Energiepreise mobilisieren wolle, möge sie nicht die „Gießkanne“ benutzen,
sagte Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung Berlin.
Sie plädierte für Hilfen „entlang der Betroffenheit, geknüpft an die
Einkommen“. Also raten die Institute dazu, nicht alle Bevölkerungsgruppen
zu unterstützen, sondern gezielt diejenigen mit niedrigen Einkommen, etwa
indem die Regelsätze der Grundsicherung angehoben werden.
## Einen Tankrabatt lehnen die Experten ab
Einen Tankrabatt lehnen die ForscherInnen dagegen ab. Dieser führe
letztlich dazu, dass die Preise weiter steigen, was nur die Lieferanten
begünstige. Damit positionieren sich die Institute zur aktuellen
Energiedebatte vor dem [1][Hintergrund des anhaltenden Irankriegs].
Bundespolitik und Regierung diskutieren verschiedene Optionen. Sie reichen
von einer Senkung der Kfz-Steuer über eine höhere Pendlerpauschale bis zu
einem Energiebonus für alle Privathaushalte.
Eine weitere Variante besteht in einem [2][gesetzlichen Preisdeckel für die
Benzin- und Gaspreise]. Den halte sie „nicht für sinnvoll“, sagte Monika
Schnitzer, die Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsweisen, der die
Bundesregierung berät. Sie plädierte dafür, das Signal der hohen Preise
wirken zu lassen. „Wir müssen Energie sparen, das gilt beim Tanken, das
gilt bei Energie insgesamt“, so Schnitzer. Nicht nur die Privathaushalte,
auch die Wirtschaft solle sich anpassen. „Deutschland muss sich
unabhängiger machen von fossilen Energieträgern.“
Abgesehen vom Nahostkrieg und den Folgen beinhaltet die
Gemeinschaftsdiagnose bedenkenswerte Hinweise zur deutschen
Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Jahren. Die Institute führen aus,
dass das Produktionspotenzial, eine Voraussetzung für Wirtschaftswachstum,
bis 2030 gegen null sinken wird. Gründe sind das abnehmende Arbeitsvolumen,
mangelnde Investitionen der Wirtschaft und lahmender technischer
Fortschritt. Bis 2030 könnte das BIP deshalb nur marginal steigen. Man
müsse sich an Nullwachstum gewöhnen, sagte ifo-Forscher Wollmershäuser.
1 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /-Nachrichten-im-Iran-Krieg-/!6167667
(DIR) [2] /Hohe-Kosten-wegen-des-Irankriegs/!6167318
## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
## TAGS
(DIR) Konjunktur
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Energieversorgung
(DIR) Wirtschaftswachstum
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) +++ Nachrichten im Irankrieg +++: Trump stellt Ende der US-Angriffe in Aussicht
Der US-Präsident plant eine Ansprache an die Nation. Israels Regierungschef
Netanjahu will den Krieg fortsetzen. Raketenangriff aus dem Jemen.
(DIR) Folgen des Irankrieges in Südafrika: Preisexplosion an der Tankstelle
In Südafrika greift ab 1. April eine deutliche Erhöhung der Preise für
Benzin und Diesel. Die Maßnahme stößt auf politische Kritik.
(DIR) Hohe Kosten wegen des Irankriegs: Europa drückt auf die Spritpreisbremse
Deutsche Tankstellen dürfen nur noch ein Mal täglich teurer werden. Hilft
das? Die Nachbarn reagieren mit Preisdeckeln, Rationierung, Steuersenkung.