# taz.de -- „Messer-App“ der Berliner AfD: Erkenntnisgewinn null
       
       > Die AfD will auf einer neuen Website Vorfälle mit Messern sammeln, doch
       > die bietet keinerlei Nutzen. Dahinter steht der Versuch, rassistische
       > Ressentiments zu schüren.
       
 (IMG) Bild: Nehmt der AfD die Messer weg!
       
       April 2024: Zwei Antifaschisten tragen bei einer [1][Auseinandersetzung mit
       einem Neonazi] in Pankow schwere Verletzungen davon. Sie haben bis zu 15
       Zentimeter lange Messerstiche in der Brust, im Oberschenkel und am
       Handrücken. Mai 2025: Bei einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des
       Nationalsozialismus in Strausberg stört ein lokaler Abgeordneter der AfD
       zunächst eine Gedenkrede, dann [2][zückt ein weiterer Stadtverordneter ein
       Messer] und bedroht Teilnehmer. März 2026: Zwei mutmaßliche Neonazis
       beleidigen in Friedrichshain linke Jugendliche, dann [3][zieht einer eine
       Machete und drischt auf eines der Opfer ein,] das dabei Schnittverletzungen
       erleidet.
       
       Es sind drei Meldungen, die nur schwerlich in die rassistische Erzählung
       von „importierter Messergewalt“ passen. Doch die AfD ficht das nicht an.
       Die Partei ist vernarrt in das Tatwerkzeug Messer – immer in der
       gedanklichen Verbindung mit der Zugschreibung „krimineller Ausländer“. In
       dieses Bild passende Vorfälle nutzt sie zur systematischen Hetze. Mit ihrem
       „Einzelfall-Ticker“ sammelte die AfD schon vor Jahren Meldungen zum
       angeblich „wahren Ausmaß“ von Migrant:Innen begangenen Straftaten.
       
       Die Berliner AfD um ihren innenpolitischen Sprecher Thorsten Weiß bedient
       sich nun derselben Methode. Am Mittwoch präsentierte sie großspurig eine
       „Messer-App“, bei der es sich um eine profane Website handelt, die
       Meldungen der Berliner Polizei zusammenträgt und auf einer Karte markiert.
       
       Aus dem März sind dort 17 Polizeimeldungen verzeichnet, wobei eine aus
       Iserlohn in Nordrhein-Westfalen stammt, andere ohne jeden Bezug zu Messern
       auskommen, etwa die jüngste über eine Schießerei in Moabit. Die
       Zusammenstellung ist so schlampig wie die Website schmucklos. Und der
       Erkenntnisgewinn durch eine Auflistung öffentlicher Polizeimeldungen ist
       gleich null.
       
       ## Angst schüren
       
       Doch das Motiv wird dennoch deutlich: Es geht darum, einem
       Unsicherheitsgefühl gegenüber Migrant:innen weiter Futter zu geben.
       Nebenbei hofft man auf den Nachweis, das das Problem größer und
       migrantischer ist, als es die [4][polizeiliche Kriminalitätsstatik]
       ausweist. Beide Zahlen finden sich als direkter Vergleich zur eigenen
       Zählung auf der Website.
       
       Doch der Versuch ist zum Scheitern verurteilt, denn die wenigsten Fälle
       werden durch Polizei oder Medien öffentlich. Die Statistik weist für das
       vergangene Jahr 3.599 Fälle mit einem Messer als Tatmittel auf, ein
       Großteil davon Bedrohungen. Von 1.906 Tatverdächtigen waren 86,1 Prozent
       männlich, 56,4 Prozent und damit weniger als im Vorjahr hatten eine
       nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Christian, Nico und Ali waren übrigens
       2022 die häufigsten Vornamen von Tatverdächtigen, seitdem werden diese
       nicht mehr herausgegeben; auch mangels Erkenntniswert.
       
       Zu einer notwendigen Debatte darüber, wie sich der Verbreitung von Messern,
       insbesondere bei jungen Männern entgegenwirken lässt, hat die AfD nichts
       beizutragen. Ihre Anhänger allerdings tragen zu den hohen Zahlen bei.
       
       1 Apr 2026
       
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