# taz.de -- Colonia Dignidad in Chile: Chiles Rechtsregierung will Gedenkstätte verhindern
> Eigentlich ist die Errichtung einer Gedenkstätte in der ehemaligen
> Colonia Dignidad schon beschlossen. Die neue Regierung will das
> rückgängig machen.
(IMG) Bild: Die Colonia Dignidad hatte viel zu verbergen: Hier blockieren 1989 Mitglieder der Sekte eine Zufahrtsstraße zur Kolonie
Es war zu erwarten, dass die neue am 11. März vereidigte chilenische
Regierung unter dem extrem rechten Präsidenten José Antonio Kast die
Aufarbeitung der Pinochet-Diktatur zurückdrehen will. Doch die
Geschwindigkeit, die sie dabei an den Tag legt, lässt aufhorchen.
Ein am Sonntag in der chilenischen Zeitung La Tercera veröffentlichtes
Interview mit dem [1][Minister für Wohnungsbau, Iván Poduje], könnte das
Ende der Planungen für eine Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum zur
Colonia Dignidad bedeuten, für das sich Angehörige von Verschwundenen und
viele andere seit Jahren einsetzen. Ein deutsch-chilenisches Team von
Gedenkstätten-Expert:innen hatte bereits 2021 ein [2][Konzept für eine
Gedenkstätte] vorgelegt, das die Geschichte aller Opfergruppen würdigt.
In der 1961 von dem deutschen Laienprediger Paul Schäfer und 300 Getreuen
in einer abgelegenen Region Zentralchiles gegründeten Siedlung wurden
Bewohner:innen jahrzehntelang Zwangsarbeit und sexualisierter Gewalt
unterworfen, Chilen:innen aus der ländlichen Umgebung der Siedlung
vertrieben, Kinder zwangsadoptiert und misshandelt. Während der Diktatur
kooperierte die Führung der Colonia Dignidad mit dem Geheimdienst Dirección
de Inteligencia Nacional (Dina), Oppositionelle wurden auf dem Gelände
gefoltert, etwa Hundert ermordet. Sie sind bis heute verschwunden.
Nur zwei Wochen nach seiner Amtseinführung [3][erklärte Wohnungsbauminister
Iván Poduje] nun, er werde „die Enteignung der Colonia Dignidad
zurückdrehen und ein Dekret erlassen, das den ursprünglichen Beschluss
dafür rückgängig macht“. Es gebe weder Geld für ein Wertschätzungsgutachten
noch für die Entschädigungszahlungen für das Gelände. Ob er die Kompetenz
dazu hat, ist unklar.
## Deutsche Bundesregierung ist weiter für eine Gedenkstätte
2024 hatte Gabriel Boric, der damalige Mitte-links-Präsident, in seiner
[4][Regierungserklärung] die Enteignung von Teilen der ehemaligen Colonia
Dignidad angekündigt, um auf dem Gelände eine Gedenkstätte zu errichten.
2025 wurde eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Doch die Regierung
Boric hat weder das lange angekündigte Wertschätzungsverfahren für das
Gelände abgeschlossen noch eine Stiftung oder andere Trägerorganisation zum
Betreiben der Gedenkstätte ins Leben gerufen.
In der Villa Baviera, wie die deutsche Siedlung seit 1988 heißt, gibt es
bis heute keine Gedenk- oder Dokumentationsstätte. In der Siedlung, die in
Form einer Aktienholding organisiert ist, leben heute noch rund 120
Personen. Sie betreiben Land- und Forstwirtschaft und einen
Tourismusbetrieb mit Hotel und Restaurant im bayerischen Stil.
Dort werden immer mal wieder private Events ausgerichtet, wie kürzlich eine
Modenschau. Für Angehörige von Verschwundenen ist das verletzend. Drei von
ihnen haben jetzt eine [5][Petition bei der Interamerikanischen Kommission
für Menschenrechte (CIDH/IAKMR)] eingereicht in der Hoffnung, auf diesem
Wege den Beschluss des Wohnungsbauministers noch zu verhindern.
Die deutsche und die chilenische Regierung hatten sich 2017 in einem
gemeinsamen Memorandum zum Aufbau einer Gedenk- und Dokumentationsstätte
verpflichtet, kurz nachdem der deutsche Bundestag einstimmig einen
[6][Antrag zur Aufarbeitung der in der Colonia Dignidad begangenen
Verbrechen] beschlossen hatte.
Denn auch die Bundesregierungen mehrerer Legislaturperioden waren über die
Verhältnisse in der Colonia Dignidad informiert, Personal der Deutschen
Botschaft in Chile hatte aus der Siedlung geflohene Personen teils nicht
geschützt.
Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte am Montag, die Aufarbeitung der
Verbrechen der Colonia Dignidad „ist und bleibt ein wichtiges Anliegen für
die Bundesregierung“. Die Errichtung einer Gedenkstätte werde bei der
nächsten Sitzung der chilenisch-deutschen Gemischten Kommission eine
wichtige Rolle spielen.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.latercera.com/politica/noticia/ivan-poduje-vamos-a-reversar-la-expropiacion-de-colonia-dignidad/
(DIR) [2] /Verbrechen-der-Colonia-Dignidad-in-Chile/!5783546
(DIR) [3] https://www.latercera.com/politica/noticia/ivan-poduje-vamos-a-reversar-la-expropiacion-de-colonia-dignidad/
(DIR) [4] /Sektensiedlung-Colonia-Dignidad-in-Chile/!6011596
(DIR) [5] https://codepu.cl/wp/2026/03/29/revocacion-de-proceso-expropiatorio-de-colonia-dignidad/
(DIR) [6] https://dip.bundestag.de/drucksache/aufarbeitung-der-verbrechen-in-der-colonia-dignidad/67638
## AUTOREN
(DIR) Ute Löhning
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