# taz.de -- Wal, Wahl, Wolf, Wüst: Ehrenwerte Art zu sterben, Hoden-Luft-Rakete und Oligopole
       
       > Die SPD ist schlecht beraten, Trump schlafwandelt von Krieg zu Krieg, und
       > wenn wir schon angreifen müssen, dann bitte die Mineralölkonzerne!
       
 (IMG) Bild: Ina Scharrenbach macht Äger und hat Ärger
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Nach jeder Rettungsaktion robbt der [1][Wal auf die
       nächste tödliche Sandbank.] taz: Und was wird besser in dieser?
       
       Küppersbusch: Komisch, bei der SPD findet das niemand possierlich.
       
       taz: Die einen sagen, die SPD solle mehr nach rechts, die anderen, mehr
       nach links. Ist es da ein Wunder, dass die Genossen [2][taumeln?] 
       
       Küppersbusch: „Nach rechts!“, schallert es bevorzugt aus dem
       Militärgeistlichen Gauck, der gern die dänischen Sozis ob ihrer
       vorbildlichen Migrationsparanoia lobpreist. Frederiksens Partei hat damit
       just das [3][schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte] eingefahren, danke für
       den Tipp. Bundesmerz und Euroweber fordern auch gern Rechtsgeschmeidigkeit
       von der SPD, andernfalls sie halt mit der AfD stimmen müssen, so traurig.
       Kurz: Der Wolf hat ne Menge fürsorgliche Ideen, in welcher Marinade das
       Lamm schlafen soll. Lecker! Dagegen das aktuelle „Polit-Barometer“:
       SPD-Anhänger selbst fordern zu 48 Prozent einen linkeren Kurs, 22 Prozent
       weniger links und 100 Prozent weniger Umfragen, bei denen dann immer „Lars
       Klingbeil“ rauskommt, jedenfalls solange man ihn fragt. Seine SPD steht
       nicht für Veränderung, sondern für die Reparatur des Vorhandenen. Eine
       höchst ehrenwerte Art zu sterben.
       
       taz: Wie geht es weiter in der Straße von Hormus – und mit den Preisen an
       den Tankstellen? Soll Deutschland beides absichern? 
       
       Küppersbusch: Es ist ein ziemlich makabres, ziemlich großes Glück für
       Kanzler Merz und die amtierende Regierung: Trump brüskieren zu können, ohne
       Israel treffen zu müssen. „Eine Beteiligung zur Friedenssicherung“ in
       Aussicht zu stellen ist eine recht charmante Art zu sagen: „Hör doch
       endlich auf mit dem Scheiß.“ Und dies zerflösse zu eitel Staatsräson, wenn
       es hier um das Existenzrecht Israels ginge – und nicht um die
       Hoden-Luft-Rakete im Weißen Haus. Also: Peacekeeping ja, jeder Tag vorher
       jedoch wäre ein Kriegseintritt. Was die Tanke angeht, könnte man das
       Oligopol der fünf marktbeherrschenden Konzerne angreifen. Also wenn wir
       jetzt unbedingt irgendwo angreifen müssen.
       
       taz: Nach der Pleite bei der Kommunalwahl meinte CSU-Boss und
       Ministerpräsident Söder, die Aufstellungen der Kandidatinnen und Kandidaten
       müsse „noch einmal grundlegend überlegt“ werden. Er selbst ist wie immer
       unschuldig – oder? 
       
       Küppersbusch: Viele Wählende wollen Veränderung, und Söder verändert
       wirklich jede Position, außer dem unverzichtbaren Kern seiner Politik:
       s[4][ich.] Der Opa baut’s auf, der Vater verwaltet es, und der Sohn
       bringt’s durch: diese düster dystopische Dynastie (drei „dü“-Laute
       hintereinander, schafft man nicht jeden Tag) beschreibt Söders CSU gut,
       zumal ihm am stattlichen Großbauern das seriöse Moment fehlt. Und
       Düsruption.
       
       taz: Und was ist eigentlich in NRW los, rund um Heimatministerin
       [5][Scharrenbach]? Kann das gefährlich werden für die schwarz-grüne
       Landesregierung? 
       
       Küppersbusch: Diese Regierung muss sich schon selbst gefährden, macht sonst
       keiner. MP Wüst zelebriert einen Johannes-Rau-Präsidialstil, gegen den die
       SPD gefühlt jährlich neue, noch unbekanntere Figuren verschleißt. Die sonst
       gern kritischen Grünen sind regierungsverstummt, FDP unbedeutend und AfD
       hält sich nicht mit Details auf. Ina Scharrenbach wollte selbst MP werden,
       Wüst band sie klug als Ministerin ein. Während der Flutkatastrophe feierte
       sie Party auf Malle, im Hambacher Forst ließ sie die Axt kreisen. Nun
       bedauert sie ihren autoritären Führungsstil und soll bei der
       Digitalisierung ungefähr alles versäumt haben. Wüst kann sie a. feuern, b.
       loyal behalten oder c. wegen einer kürzlich öffentlich gemachten Erkrankung
       pensionieren. In den Fällen a, b und c gewinnt er die Wahl.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Im Testspiel den höherklassigen VfL Bochum 4:0 besiegt,
       Aufstiegsplatz 2 in der Tabelle, das ist jetzt die „bitte nicht
       wecken“-Phase.
       
       Fragen: waam
       
       29 Mar 2026
       
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