# taz.de -- Hamburger Uni bleibt exzellent: Die Spitze glänzt, die Basis erodiert
       
       > Die Uni Hamburg bleibt Exzellenzuniversität und bekommt
       > Millionenförderung. Aber hinter der Erfolgsmeldung verbirgt sich eine
       > strukturelle Krise.
       
 (IMG) Bild: Neu ist das Problem nicht: Protestbanner 2014 im Audimax der Hamburger Uni
       
       Die Entscheidung der Exzellenzkommission vom Mittwoch ist für die
       Universität Hamburg (UHH) ein großer Erfolg. In einem hochkompetitiven
       Verfahren haben 39 internationale Expert:innen sowie die
       Wissenschaftsministerien von Bund und Ländern [1][den Status der Uni als
       Exzellenzuniversität bis 2033 bestätigt].
       
       Als einzige Hochschule im Norden [2][bleibt sie damit in der Spitzengruppe]
       von bundesweit derzeit elf geförderten Einrichtungen. Bis zu 15 Millionen
       Euro fließen nun sieben Jahre lang zusätzlich, um die „Twin Transformation“
       – also die strategische Verknüpfung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung
       – voranzutreiben.
       
       Aber hinter der Erfolgsmeldung verbirgt sich eine strukturelle Krise. Das
       Problem liegt in der Logik der Förderung. Die Exzellenzmillionen sind
       strikt zweckgebunden für neue, innovative Forschungsprojekte, strategische
       Forschung, Strukturen und Profilbildung. Sie sind das Schaufenster der Uni,
       dürfen aber ausdrücklich nicht genutzt werden, um Löcher im regulären
       Haushalt zu stopfen. Während die Spitze glänzt, erodiert die Basis.
       
       Steigende Energiekosten, Inflation und zusätzliche strukturelle Ausgaben
       setzen die Finanzen der Uni zunehmend unter Druck. [3][Bereits 2025 musste
       die Universitätsleitung zusätzliche Mehrkosten von rund 17,6 Millionen Euro
       jährlich ausgleichen], nachdem die Rücklagen weitgehend aufgebraucht waren.
       
       Um diese Lücke zu schließen, wurden alle Fakultäten verpflichtet,
       Einsparungen vorzunehmen. Die UHH ist in der absurden Lage, offiziell zur
       Weltspitze zu gehören, während sie [4][im Alltag den Rotstift bei Tutorien,
       studentischen Hilfskräften und der Bibliotheksausstattung ansetzen muss].
       
       ## Zwei-Klassen-Wissenschaft
       
       Das führt zur Entstehung einer Zwei-Klassen-Wissenschaft. Auf der einen
       Seite stehen die hochfinanzierten Exzellenzcluster in der Astrophysik oder
       Klimaforschung, auf der anderen die chronisch unterfinanzierte
       Massenausbildung und weite Teile der Geistes- und Sozialwissenschaften.
       Dort schrumpft das Lehrangebot, Seminare sind überbelegt und Öffnungszeiten
       werden gekürzt. Der Senat feiert die UHH als „Flagship University“, aber
       die Exzellenz der Forschung wird mit einem deutlichen Qualitätsverlust in
       der Breite erkauft.
       
       Hinzu kommt die personelle Prekarität, die durch diese Logik zementiert
       wird. [5][Dass rund 85 Prozent des wissenschaftlichen Personals unterhalb
       der Professur nur befristete Verträge haben], ist kein Zufall, sondern Teil
       des Systems. Wer Spitzenforschung primär über zeitlich begrenzte
       Drittmittel finanziert, produziert eine Wissenschaft auf Zeit.
       
       Die [6][Initiative #IchBinHanna] macht hier völlig zu Recht auf einen
       Konstruktionsfehler aufmerksam: Nachhaltige Wissenschaft braucht
       Planungssicherheit. Die im Programm vorgesehenen Tenure-Track-Modelle – ein
       Verfahren, das nach einer Bewährungsphase den direkten Übergang in eine
       Dauerprofessur vorsieht – erreichen bisher aber nur eine kleine Elite,
       während die Masse der Forschenden in kurzen Projektzyklen verharrt.
       
       ## Exzellenz ist kein Selbstzweck
       
       Was kann man tun? Der Hamburger Senat muss anerkennen, dass
       Exzellenzförderung kein Ersatz für eine solide Grundfinanzierung ist. Die
       15 Millionen Euro sind ein Bonus für die Kür, aber keine Entlastung für die
       Pflicht des Landeshaushalts.
       
       Der Senat müsste die Grundfinanzierung der Uni jedes Jahr automatisch so
       stark erhöhen, dass die Inflation die Forschung nicht auffrisst. Zudem
       müsste sich ein einfaches Prinzip durchsetzen: Wer dauerhaft lehrt oder
       verwaltet, braucht auch [7][einen unbefristeten Vertrag statt ständiger
       Kettenbefristungen].
       
       Exzellenz ist kein Selbstzweck. Sie ist nur dann wertvoll, wenn sie die
       ganze Institution mitnimmt und nicht als Elitenprojekt isoliert bleibt.
       Wenn die Uni Hamburg wirklich ein „Flagship“ sein will, muss sie beweisen,
       dass sie Spitzenforschung und eine würdige Grundausbildung zugleich leisten
       kann. Ohne eine finanzielle Kurskorrektur des Senats bleibt der
       Exzellenztitel nur ein glänzendes Etikett auf einer Institution im
       Notbetrieb.
       
       13 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Forschungsfoerderung-in-Deutschland/!6161961
 (DIR) [2] /Exzellente-Universitaet/!5607567
 (DIR) [3] https://www.asta-uhh.de/1-aktuelles/kuerzungen-an-der-uni.html
 (DIR) [4] /Studierenden-Protest-in-Hamburg/!6116797
 (DIR) [5] https://www.gew.de/fileadmin/media/sonstige_downloads/hv/Service/Presse/2024/GEW-Stellunnahme-WissZeitVG-Regierungsentwurf-2024-10.pdf?utm_source=chatgpt.com
 (DIR) [6] https://ichbinhanna.wordpress.com/
 (DIR) [7] /Brandenburgs-Wissenschaftsministerin/!6112862
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Robert Matthies
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Universität Hamburg
 (DIR) Drittmittel
 (DIR) Forschung
 (DIR) Exzellenzinitiative
 (DIR) Befristung
 (DIR) Hochschulpolitik
 (DIR) Studium
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Deutsche Universitäten
 (DIR) Universität Hamburg
 (DIR) Universität Kiel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Forschungsförderung in Deutschland: Zehn Unis bleiben exzellent
       
       Zehn deutsche Exzellenz-Universitäten und „Cluster“ behalten ihren Status
       bis 2033 – und die Förderungen. Nur Konstanz scheidet aus.
       
 (DIR) Hochschulpolitik in Hamburg: Exzellenz-Uni wird kaputt gespart
       
       Die Uni Hamburg muss die digitale Sicherheit auf Kosten des Lehrangebots
       finanzieren. Uni-Präsident schreibt Brandbrief, Asta rät vom Studium ab.
       
 (DIR) Kieler Universität in der Krise: Kopflos in den Exzellenz-Wettbewerb
       
       Die Kieler Universität produziert zurzeit eher schlechte Nachrichten. Nun
       muss sie ohne Präsidentin in den Wettbewerb um Exzellenz-Fördergelder
       gehen.