# taz.de -- Passagier-Katamaran Halunder Jet: Highspeed nach Helgoland
       
       > Der Halunder Jet ist die schnellste Schiffsverbindung zwischen Hamburg
       > und Helgoland. Die Passagiere sind in der Regel länger an Bord als auf
       > der Insel.
       
 (IMG) Bild: Schnellstmöglich auf dem Weg nach Helgoland
       
       Niedlich, so eine Hamburger Hafenfähre, wenn man sie vom Sonnendeck des
       Halunder Jets aus betrachtet. In schwankender Seitwärtsbewegung wanzt sie
       sich an die Landungsbrücken heran, Klappe auf, Leute rein, Klappe zu.
       Denen, die dann auf das Oberdeck gehen, kann man auf das Haupthaar blicken.
       Winken könnte man ihnen, und zwar schön von oben herab: Der Halunder Jet
       hat drei Stockwerke, die Hafenfähre nur eines.
       
       Der [1][Halunder Jet der Reederei FRS] verkehrt von März bis November
       täglich zwischen den Hamburger Landungsbrücken und Helgoland. Es ist nicht
       die einzige Schiffsverbindung zwischen Festland und Insel, aber die
       schnellste: Der Halunder Jet ist ein Katamaran, der Schiffsrumpf liegt also
       nicht im Wasser, sondern schwebt auf zwei Kufen über der Wasseroberfläche.
       Dadurch wird eine Höchstgeschwindigkeit von 36 Knoten möglich, das sind
       circa 67 km/h. Eine Hamburger Hafenfähre fährt im Dienst 12 Knoten, ein
       Passagierschiff rund 20 Knoten.
       
       ## Für Transport von Tagesgästen
       
       Soviel zur Größe und zur Geschwindigkeit, beides Dinge, die für ein
       Verkehrsmittel wichtig sind. Aber der Halunder Jet ist nicht nur ein
       Verkehrsmittel, er ist auch ein Urlaubsort. 70 Prozent der Passagiere sind
       Tagesgäste, das heißt, sie fahren morgens los, sind mittags auf Helgoland
       und fahren spätnachmittags wieder zurück. Von Hamburg aus dauert die
       Überfahrt mindestens dreieinhalb Stunden. Hamburger Tagesgäste sind damit
       in der Regel länger auf dem Schiff als auf der Insel. Das heißt: hier ist
       der Weg das Ziel.
       
       Die Passagiere verteilen sich auf zwei Großraumdecks, die atmosphärisch an
       ICE-Großraumabteile erinnern und fast fünf mal so breit sind. Es gibt
       8er-Sitzgruppen um Tische, dazu gastronomische Bedienung am Platz, WLAN und
       einen Aufzug für Rollstuhlfahrer*innen. Am Rand befindet sich die
       „Panorama-Class“, das sind Sitze direkt an den vielen Fenstern, die das
       Pfund dieses Schiffes sind.
       
       Aber längst nicht alle Passagiere nutzen die Fahrt zum Rausschauen. Genauso
       gibt es Leute, die lesen oder sich in ihre Laptops reinarbeiten, in sich
       gekehrte Stammgäste, auf deren Mütze „Helgoland“ steht und Kinder mit ihren
       Smartphones. Diejenigen, die sich für das Draußen interessieren, sehen ab
       Hamburg erst einmal zwei Stunden lang die Elbufer, bevor Cuxhaven kommt und
       danach das offene Meer.
       
       Elbufer, das bedeutet Böschungen und Ortschaften, aber auch: viel
       Industrie. Das Airbus-Werk. Die [2][Atomkraftwerke Stade, Brokdorf und
       Brunsbüttel]. Die Riesenstrommasten der Elbekreuzung eins und zwei. Und
       Saugbaggerschiffe, die die Elbe vertiefen, damit die Containerschiffe
       [3][auf dem Weg nach Hamburg nicht stecken bleiben].
       
       Alternativ zur Außenwelt gibt es drinnen Bildschirme, die von der Decke
       hängen. Auf denen sind simultan die Sehenswürdigkeiten von draußen zu
       sehen, außerdem zeigen sie die Bilder einer Außenkamera von den weißen
       Wasserfontänen, die wie Dampf bei einer Rakete aus dem Schiffsrumpf
       schießen: der Antrieb. Hier kommt die Geschwindigkeit her.
       
       Der Motor läuft mit Marineschiffsdiesel, eine Technik mit einem anderen
       Treibstoff, die eine ebenso hohe Geschwindigkeit erreicht, gäbe es nicht,
       sagt FRS-Geschäftsführer Tim Kunstmann. Den Verbrauch gibt er so an:
       „Durchschnittlich benötigen zwei Passagiere auf dem Halunder Jet je 100
       Kilometer circa so viel wie ein kleiner Diesel-Pkw.“
       
       Nimmt man also beim Diesel-Pkw einen Verbrauch von fünf Litern pro hundert
       Kilometern, dann hieße das: Pro Passagier braucht der Halunder Jet 2,5
       Liter Diesel für 100 Kilometer. Die Konkurrenz von der Reederei Cassen Eils
       betreibt mit der MS Helgoland ein langsameres Passagierschiff, das von
       Cuxhaven aus nach Helgoland fährt und einen LNG-Antrieb hat. Eine
       unumstritten gute Lösung ist das allerdings nicht: Bei der Verbrennung von
       LNG entstehen zwar vergleichsweise weniger klimaschädliche Gase, aber die
       Produktion und der Transport von LNG führen dazu, dass erstens
       klimaschädliche Emmissionen und zweitens Methan frei gesetzt werden.
       Kritiker halten den LNG-Einsatz daher für noch klimaschädlicher als den
       anderer fossiler Energieträger.
       
       ## Vorne bleibt die Tür wegen Wind zu
       
       Wie fühlen sie sich also an, die 67 km/h auf dem Wasser? Vorne, am Bug des
       Schiffes, muss die Tür nach draußen zu bleiben, dort wäre der Wind für
       einen Aufenthalt zu stark. Drinnen sieht man die Landschaft durch die
       Panoramafenster vorbeiziehen wie bei einer Zugfahrt, auch das sanfte
       Ruckeln ist ähnlich. Allerdings sind an diesem Tag Elbe und Nordsee sehr
       ruhig. „Ententeich“ nennt der Kapitän die Verhältnisse.
       
       690 Personen kann der Halunder Jet transportieren, was in einem
       interessanten Verhältnis steht zu den rund 1.360 Menschen, die auf
       Helgoland leben. Aber so war es auch schon, als Helgoland-Reisen unter das
       schöne Schlagwort „Seebäderschifffahrt“ fielen. Damals, in den 70er, 80er
       Jahren fuhren die Schiffe von Hamburg aus rund sechs Stunden nach Helgoland
       und kamen trotzdem abends zurück.
       
       Wegen Platzmangels im Helgoländer Hafen ankerten die Seebäderschifffe auf
       offener See und die Passagiere stiegen um in kleine Boote, die sie an Land
       brachten. Das war ein kleines Abenteuer für die, die fit genug waren. Für
       die anderen war es Stress. Zudem war es ein Verlust von Zeit, die heute
       gespart werden muss – auch wenn der Weg das Ziel ist.
       
       23 Apr 2026
       
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