# taz.de -- Antiasiatischer Rassismus: Erstmals liegen Zahlen vor
> Die Meldestelle für antiasiatischen Rassismus hat erstmals Zahlen
> veröffentlicht. Besonders Frauen sind demnach von Diskriminierung
> betroffen.
(IMG) Bild: Besucher:innen im größten asiatischen Einkaufszentrum in Berlin, dem Dong Xuan Center
Die Meldestelle für [1][antiasiatischen Rassismus] (AAR) hat erstmals
Zahlen veröffentlicht. Als Teil eines bundesweiten Innovationsprojekts
erfasst die Meldestelle seit 2025 Diskriminierungserfahrungen asiatisch
gelesener Personen. Im vergangenen Jahr wurden 141 Fälle dokumentiert,
dabei handelt es sich laut Projektleiterin Jieun Park aber nur um einen
Bruchteil aller Ereignisse.
„Antiasiatischer Rassismus findet täglich statt, aber er bleibt in den
meisten Fällen unsichtbar“, sagte Park. Eine Studie des [2][Deutschen
Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung] (DeZIM) bestätigt, dass
74 Prozent der Personen, die von Diskriminierung betroffen sind, ihre
Erfahrungen nicht melden. „Diskriminierung wird häufig individualisiert und
nicht ernst genommen“, so Park.
Die Meldestelle erfasse unter anderem körperliche Gewalt, Sachbeschädigung,
institutionelle Benachteiligung und Beleidigungen, sagt Ly Le, die das
Projekt koordiniert. Auch Mikroaggressionen, damit sind subtile und
alltägliche abwertende Aussagen und Handlungen gemeint, dürften nicht
unterschätzt werden. „Sie verfestigen Vorurteile und Stereotype“, sagt sie.
„[3][Rassismus und Diskriminierung] beginnen nicht erst bei offenen
Anfeindungen.“
Außerdem seien 88 Prozent der vorliegenden Fälle nicht bei der Polizei
gemeldet worden, betonte Le. „Diese Zahlen verdeutlichen eine erhebliche
Lücke zwischen tatsächlicher Betroffenheit und der institutionellen
Erfassung“, sagt sie. Über die Hälfte aller Vorfälle wurde in Berlin
dokumentiert. Das läge daran, dass die Meldestelle in Berlin bekannter sei
und lokale Communities besser erreichen könne, erklärte Le.
## Betroffene sind überwiegend weiblich gelesene Personen
Laut Statistik waren in 67 Prozent der dokumentierten Fälle Frauen
betroffen. Weibliche und gleichzeitig asiatisch gelesene Personen seien
besonders mit einer Überschneidung von sexistischer und rassistischer
Diskriminierung konfrontiert, meint Le. „Dahinter steckt auch sehr viel
sexualisierte Gewalt“, sagt sie. Ein Großteil aller Fälle wurde außerdem
von Personen zwischen 18 und 45 Jahren gemeldet.
Migrant:innen der ersten Generation meldeten diskriminierende
Erfahrungen seltener, meint Park. Grund dafür seien oft Sprachbarrieren.
Die Meldestelle sei daher bewusst niedrigschwellig und Community-basiert
aufgebaut. „Viele dieser Meldungen entstehen erst durch persönliche
Gespräche, Community-Arbeit oder Hinweise durch Dritte, die das
weitergeben“, erklärte Le.
Le ist es wichtig zu betonen, dass hinter jeder Meldung mindestens eine
Person mit ihrer Erfahrung stehe. „Es geht um Lebensrealitäten, nicht nur
um Zahlen“, sagte sie.
Aktuell ist das Projekt zeitlich begrenzt und bis 2028 geplant. Aufbauend
auf dem aktuellen Bericht möchte die Meldestelle AAR abbilden, wie sich die
Zahlen entwickeln, Schritte gegen antiasiatische Diskriminierung entwerfen
und Politik und Verwaltung beraten. Die bundesweite Präsenz solle zudem
ausgebaut und verstärkt werden. „Die Frage ist nicht, ob antiasiatischer
Rassismus existiert, sondern wie wir damit umgehen“, sagte Le abschließend.
26 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Martha Lippert
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